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Soziale Landwirtschaft

Nicht nur die Unkosten decken

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Mia Goller
am
09.08.2018

Manchmal reicht der Pferdeduft, um Menschen froh zu machen. Am Betrieb Ebenbeck passiert das regelmäßig. Davon allein könnte der Betrieb nicht bestehen. Es ist weitere Unterstützung gefragt.

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Um froh zu sein bedarf es wenig. Manchmal sind es ein gutes Wort, ein lieber Blick oder ein bestimmter Duft, die uns glücklich machen. Für Sophia ist es der Geruch, den ein Pferd verströmt. Die junge Frau hält ihr Gesicht in den Wind, atmet tief ein und sagt: „Jetzt bin ich glücklich.“
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Sophia ist eine von vielen Gästen, die auf den Hof der Familie Ebenbeck in der Oberpfalz kommen. Sie sitzt im Rollstuhl und kann das schöne Tier, das ihr gerade sanft ins Gesicht schnaubt, nicht sehen. Aber sie kann es fühlen, hören und riechen – und das genügt, um den Moment ganz besonders zu machen. Diese besonderen Begegnungen sind es, die Familie Ebenbeck schon vor Jahren veranlasst haben, sich für die Soziale Landwirtschaft zu engagieren. Damals war der Begriff in Bayern noch gar nicht geläufig. Die Ebenbecks taten einfach, was sie für richtig hielten. Sie folgten ihrem Gefühl.
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Die Familie lebt mit vier Generationen auf dem Pferdehof in Dürnstetten bei Sinzing (Lks. Regensburg). Da sind die rüstige Uroma Berta Reiner, die noch täglich die Rösser auf die Koppel bringt, die sportlichen Großeltern Petra und Stefan, die den Betrieb leiten, der Hofnachfolger Andreas mit seiner Frau Christin und die beiden Enkelkinder. Sie alle gingen den Weg in Richtung Soziale Landwirtschaft mit, helfen zusammen, wo immer es geht. Sie wirken sehr entspannt, wenn sie von ihrem Leben auf dem Hof erzählen. Dabei geht es auf dem weitläufigen Gelände nicht langweilig zu.

Moderner Pensionsstall

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Rund 50 Pferde bewohnen die Pensionsställe. Es gibt mehrere Reitplätze und Hallen und weitläufige Koppeln. Alles ist sauber und ordentlich. Die tägliche Pflege der gesamten Anlage ist Ehrensache. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir das g’scheit“, bringt Andreas Ebenbeck das Betriebsmotto auf den Punkt. Seine Großmutter Berta Reiner entschied sich damals vor 25 Jahren für die Spezialisierung des Betriebs auf Pferdehaltung. Ein kluger Schritt, denn durch die Nähe zu Regensburg ist der Stall besonders gefragt und kann für überdurchschnittliche Leistung auch eine faire Bezahlung erwirtschaften. Die Warteliste ist lang für eine Pferdebox in Dürnstetten. Auch die Umstellung auf Ökolandwirtschaft, die vor wenigen Jahren erfolgte, brachte dem Hof Pluspunkte. Hier war besonders Andreas die treibende Kraft. Er kümmert sich mit Leidenschaft um die Landwirtschaft und züchtet mit seiner Frau Hereford-Rinder. Diese Betriebszweige sollten eigentlich Herausforderung genug sein, könnte man meinen. Aber die Ebenbecks möchten mehr. Sie wollen sich noch sozial einbringen.
Angefangen hatte alles mit einer jungen Frau, die als Reitbeteiligung vor etwa 20 Jahren auf den Hof kam und voller neuer Ideen war. „Damals hatte ich meine Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen, aber ich spürte schon immer, dass Tiere und Landwirtschaft für die Gesellschaft einen enormen Wert haben, gerade für Menschen, denen es nicht so gut geht“, erinnert sich Manuela Beck heute. Nach dem Studium der sozialen Arbeit absolvierte sie eine Ausbildung zur Reitpädagogin.

Pädagogisches Reiten

Auf dem Hof in Dürnstetten bekam Beck die Möglichkeit, das heilpädagogische Reiten anzusiedeln. Menschen jeden Alters, mit besonderen Bedürfnissen und somit unterschiedlich hohem Förderbedarf, kommen hier mithilfe der Pferde wieder ein Stück ins Gleichgewicht, ob seelisch, geistig oder körperlich. Die Natur, der Hof, die ländliche Umgebung sind der Nährboden für diese wertvollen Erfahrungen.
Anfangs arbeitete Beck freiberuflich, mittlerweile ist sie die meiste Zeit Teil des Fachdienstes einer großen Jugendhilfeeinrichtung, dem Kinderzentrum St. Vincent, Regensburg. Hier werden Kinder und Jugendliche betreut, die auffällig geworden sind oder zeitweise außerhalb ihrer Familien erzogen werden müssen. Träger der Einrichtung ist die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg.
Diese jungen Menschen genießen nicht nur die Begegnungen mit den Pferden, wie Manuela Beck schon früh erkannte. Der ganze Hof ist wichtig für die Therapie. „Wenn die Kinder herkommen, dann finden sie eigentlich alles interessant. Sie entdecken plötzlich Zusammenhänge, wollen sie verstehen, erleben sich selbst als wichtigen Teil des Ganzen. Staunen über die Ruhe, die sie in sich wahrnehmen. Die Reize sind ganz andere und ich kann beobachten, wie sie wieder aufmachen, ganz anders reagieren und plötzlich sehr neugierig werden“, erklärt die Reitpädagogin.
Die Ebenbecks waren stets offen für diese Entwicklungen. Sie erinnern sich an die ersten Bemühungen und die Idee, dass geschütztes Arbeiten auf dem Bauernhof aus psychischen Krisen helfen könnte. Manuela Beck begann damals intensiv zu recherchieren. Irgendjemand musste sich doch mit sowas auskennen. Mitten in diesen Überlegungen stieß sie auf einen Bericht im Wochenblatt: Das war 2013. Es fand das erste Netzwerktreffen zur Sozialen Landwirtschaft statt. Da mussten sie hin. Und bei einem Treffen blieb es nicht.

Viele soziale Angebote

So hat sich seit 2013 einiges getan. Durch die Vernetzung und den Austausch mit anderen Anbietern von Sozialer Landwirtschaft wurde das Konzept immer professioneller. Regelmäßig kommen Gruppen von Jugendlichen und helfen auf dem Hof mit. Die einen arbeiten ihre gerichtlich verordneten Sozialstunden ab, die anderen verbringen mit der Schulklasse einige Stunden oder gar Tage als Praktikanten. Das Gartenhaus wurde kurzerhand zum Klassenzimmer umgewandelt.
Ein paar Wochen lang wurde eine besonders renitente Gruppe mit zehn Schülern hier unterrichtet und in das Hofleben integriert. Dabei mussten die Burschen und Mädchen selbstständig unter Aufsicht die Rinder versorgen, ausmisten und helfen, wo gerade nötig. Die Jugendlichen waren nicht immer, aber immer wieder begeistert. Und auch die Betreuer erkannten ihre Zöglinge kaum wieder.
Kleine Projekte kommen besonders gut an bei den Jugendlichen. Die Hochbeete sind ein beliebtes Arbeitsfeld und auch als es darum ging, einen Putzbereich zu gestalten, waren alle gerne dabei. So gibt es jetzt eine eigene Putzecke, die farbenfroh gestaltet wurde und für Ordnung sorgt.

Angebot verbessern

Diese Erfolge sind der Antrieb für das Engagement der Ebenbecks. Finanziell lohnte sich der Einsatz bisher kaum, lediglich die Unkosten konnten erstattet werden. Das soll sich jetzt ändern. Christin Ebenbeck beschäftigt sich während ihrer Elternzeit intensiv mit dem Thema. „Ich bin so begeistert von den Erfolgen, die wir bei unseren Besuchern erzielen. Da möchte ich weiter ansetzen und unser Angebot noch optimieren.“ Sie denkt dabei an ein Tipi im Wald oder andere Besonderheiten, die sie mit Kindergruppen erkunden kann.
Bienenkästen hat die junge Mutter schon angeschafft und sorgt dafür, dass kleine Naturoasen auf dem Betrieb entstehen. Damit die Arbeit mit Kindern und mit Menschen mit Förderbedarf, die Hofgemeinschaft mit den Pferdehaltern und der Arbeitseinsatz von Praktikanten optimal abgestimmt werden, holte sich Christin kompetente Hilfe: Sie wandte sich an die Ansprechpartnerin für Soziale Landwirtschaft in der Oberpfalz Irmgard Kuhn vom Landwirtschafts-amt Neumarkt. Sie ist Fachfrau für Diversifizierung und Strukturentwicklung. Zum Hof sagt sie: „Wer hierherkommt spürt, dass es um die Menschen geht. Egal ob jemand sein Pferd hier unterstellt oder zur Therapie kommt, es soll allen gut gehen.“

Fachliche Beratung

Die Ebenbecks wollen nun mithilfe der Expertin ihre soziale Arbeit noch fachmännischer angehen. Das Gartenhaus soll wieder Gartenhaus werden, dafür ist der Bau eines Seminarhauses geplant, in dem die Besucher Platz finden und wo auch alles rollstuhlgerecht und barrierefrei ausgestattet ist. Die täglichen Besuche müssen neu koordiniert werden und am Ende soll ein fairer Stundenlohn vereinbart sein, denn für ihr Engagement werden Andreas und Christin derzeit nur mit einem Unkostenbeitrag bezahlt. Das Bauprojekt könnte unter anderem über die Diversifizierung gefördert werden, auch hier sind Kuhn und das Landwirtschaftsamt in Regensburg wichtige Ansprechpartner.

Auch Geld verdienen

Es ist wie auf vielen Bauernhöfen, die sich sozial engagieren. Es kommt der Punkt, an dem die Betreuung von Kindern, alten Menschen oder Menschen mit Behinderung einen gewissen Rahmen sprengt.
Dafür gibt es in Bayern nun flächendeckend Fachleute, die den Landwirten helfen, ihren Weg in der Sozialen Landwirtschaft mit einem professionellen Betriebskonzept zu gehen. Die Arbeit der Bauern für die Gesellschaft muss auch entlohnt werden, nur so kann besonders gute Qualität langfristig gesichert sein. Und dann können alle ganz entspannt die magischen Momente genießen, in denen Besucherinnen wie Sophia das pure Glück erleben.

Der Weg zum Pferdepensionsstall

Seit 1905 ist der landwirtschaftliche Betrieb Ebenbeck in Familienbesitz. Berta und Kurt Reiner übernahmen 1968 den Hof. Die Färsenmast war damals nicht sehr lukrativ, sodass die Reiners nach einem weiteren Standbein suchten. Weil sie privat Pferde hielten, kamen immer wieder Menschen vorbei, die nach einer leeren Box für ihren Liebling fragten. Das Konzept Pensionsbetrieb war geboren.

Seit 1905 ist der landwirtschaftliche Betrieb Ebenbeck in Familienbesitz. Berta und Kurt Reiner übernahmen 1968 den Hof. Die Färsenmast war damals nicht sehr lukrativ, sodass die Reiners nach einem weiteren Standbein suchten. Weil sie privat Pferde hielten, kamen immer wieder Menschen vorbei, die nach einer leeren Box für ihren Liebling fragten. Das Konzept Pensionsbetrieb war geboren.

Im Jahr 1994 investierte Berta Reiner stark in den Betrieb und errichtete alle nötigen Gebäude, geräumige Stallungen und eine Reithalle. Seither wird regelmäßig gebaut und erneuert, damit die Pferdepension den gehobenen Ansprüchen der Reiter entspricht. Bertas Tochter Petra Ebenbeck übernahm das Anwesen 2015. Ihr Sohn Andreas Ebenbeck ist seit 2008 Betriebsleiter. Er stellte den Hof vor fünf Jahren auf bio um. Warum? „Weil wir davon überzeugt sind, dass man auch die Flächen sehr gut biologisch bewirtschaften kann.“

Im Jahr 1994 investierte Berta Reiner stark in den Betrieb und errichtete alle nötigen Gebäude, geräumige Stallungen und eine Reithalle. Seither wird regelmäßig gebaut und erneuert, damit die Pferdepension den gehobenen Ansprüchen der Reiter entspricht. Bertas Tochter Petra Ebenbeck übernahm das Anwesen 2015. Ihr Sohn Andreas Ebenbeck ist seit 2008 Betriebsleiter. Er stellte den Hof vor fünf Jahren auf bio um. Warum? „Weil wir davon überzeugt sind, dass man auch die Flächen sehr gut biologisch bewirtschaften kann.“

Der Weg zum Pferdepensionsstall

Seit 1905 ist der landwirtschaftliche Betrieb Ebenbeck in Familienbesitz. Berta und Kurt Reiner übernahmen 1968 den Hof. Die Färsenmast war damals nicht sehr lukrativ, sodass die Reiners nach einem weiteren Standbein suchten. Weil sie privat Pferde hielten, kamen immer wieder Menschen vorbei, die nach einer leeren Box für ihren Liebling fragten. Das Konzept Pensionsbetrieb war geboren.

Im Jahr 1994 investierte Berta Reiner stark in den Betrieb und errichtete alle nötigen Gebäude, geräumige Stallungen und eine Reithalle. Seither wird regelmäßig gebaut und erneuert, damit die Pferdepension den gehobenen Ansprüchen der Reiter entspricht. Bertas Tochter Petra Ebenbeck übernahm das Anwesen 2015. Ihr Sohn Andreas Ebenbeck ist seit 2008 Betriebsleiter. Er stellte den Hof vor fünf Jahren auf bio um. Warum? „Weil wir davon überzeugt sind, dass man auch die Flächen sehr gut biologisch bewirtschaften kann.“

Ansprechpartnerin für Betriebe

Irmgard Kuhn ist die Fachberaterin für Soziale Landwirtschaft in der Oberpfalz und Ansprechpartnerin für Bauernhofgastronomie in Bayern. Sie hat ihren Sitz am Landwirtschaftsamt Neumarkt und berät Interessierte, die sich auf ihrem Hof eine neue Einkommensmöglichkeit erschließen wollen. Von der Idee der Sozialen Landwirtschaft ist die Landwirtschaftsrätin begeistert: „Es bringt viele Schwerpunkte zusammen, die es auf den Höfen bereits gibt und birgt neue Möglichkeiten. Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Aufgabe als Ansprechpartnerin übernahm.“ Ihre Kontaktdaten: Dr. Grundler Str. 3, 92318 Neumarkt, Tel. 09181-4508-207, E-Mail: irmgard.kuhn@aelf-ne.bayern.de.

Irmgard Kuhn ist die Fachberaterin für Soziale Landwirtschaft in der Oberpfalz und Ansprechpartnerin für Bauernhofgastronomie in Bayern. Sie hat ihren Sitz am Landwirtschaftsamt Neumarkt und berät Interessierte, die sich auf ihrem Hof eine neue Einkommensmöglichkeit erschließen wollen. Von der Idee der Sozialen Landwirtschaft ist die Landwirtschaftsrätin begeistert: „Es bringt viele Schwerpunkte zusammen, die es auf den Höfen bereits gibt und birgt neue Möglichkeiten. Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Aufgabe als Ansprechpartnerin übernahm.“ Ihre Kontaktdaten: Dr. Grundler Str. 3, 92318 Neumarkt, Tel. 09181-4508-207, E-Mail: irmgard.kuhn@aelf-ne.bayern.de.

Ansprechpartnerin für Betriebe

Irmgard Kuhn ist die Fachberaterin für Soziale Landwirtschaft in der Oberpfalz und Ansprechpartnerin für Bauernhofgastronomie in Bayern. Sie hat ihren Sitz am Landwirtschaftsamt Neumarkt und berät Interessierte, die sich auf ihrem Hof eine neue Einkommensmöglichkeit erschließen wollen. Von der Idee der Sozialen Landwirtschaft ist die Landwirtschaftsrätin begeistert: „Es bringt viele Schwerpunkte zusammen, die es auf den Höfen bereits gibt und birgt neue Möglichkeiten. Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Aufgabe als Ansprechpartnerin übernahm.“ Ihre Kontaktdaten: Dr. Grundler Str. 3, 92318 Neumarkt, Tel. 09181-4508-207, E-Mail: irmgard.kuhn@aelf-ne.bayern.de.

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