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Milchvieh

Im Schatten des Baubooms

Geldscheine
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Hans Dreier, Wochenblatt
am
06.12.2018

Wer heute als Milchviehhalter neu bauen möchte, muss tief in die Tasche greifen.

Hans Dreier Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

Für einen Kuhstall samt Jungviehplätzen, Gülle- und Futterlager wurden im letzten Jahr rund 15.000 € pro Kuhplatz fällig. Bei 100 Kühen sind das 1,5 Mio € – etwa 300.000 € mehr als fünf Jahre zuvor. Im laufenden Wirtschaftsjahr wird der Stall noch einmal 75.000 € teurer werden, denn die jährliche Kostensteigerung betrug im Durchschnitt der letzten Jahre 5 %.

Der rasante Anstieg der Baukosten ist eine Folge des seit Jahren anhaltenden Booms im Wohn-, Gewerbe und Straßenbau. Jetzt können sich Handwerker ihre Kunden aussuchen, nicht umgekehrt. Bauökonomen befürchten, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank treibt die Flucht in die Sachwerte immer weiter voran – und das sind nun einmal Immobilien.

Der Vorteil niedriger Kreditzinsen ist durch die Baukostensteigerung längst aufgezehrt. Für die Landwirtschaft ist diese Entwicklung fatal, da die steigenden Baukosten nicht an die Kunden weitergegeben werden können. Die bäuerlichen Einkommen, mit denen die Investitionen abbezahlt werden müssen, dümpeln dahin. Es dauert deshalb immer länger, das in einen Stall investierte Kapital wieder zurückzugewinnen.

Umgekehrt werden die Zeiträume immer kürzer, in denen man sicher davon ausgehen kann, dass die Produktion wie geplant laufen kann. Fast schon im Wochentakt kommen vom Staat und den Abnehmern neue Anforderungen, die häufig auch bauliche Umgestaltungen verlangen.

Viele Landwirte fürchten, dass der Stall von heute in zehn Jahren vielleicht unbrauchbar ist. Gerade jetzt, wo von der Landwirtschaft in nie dagewesener Weise verlangt wird, sich neu zu orientieren, droht die Kostenexplosion am Bau jede Veränderung schon im Keim zu ersticken.

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