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Getreidepreise

Wo steckt Thilo?

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
17.11.2016

München - Erinnern Sie sich noch an den feinen Herrn mit weißem Haar und markanter Brille, der vom Jahr 2010 an einen Feldzug gegen die damals guten Getreidepreise anführte?

Thilo Bode hatte ein paar Jahre zuvor den Verein Foodwatch gegründet und sich selbst zum obersten Nahrungswächter gekrönt, mit dem Ziel, „die verbraucherfeindlichen Praktiken der Agrar- und Lebensmittelindustrie zu entlarven“. Der Anstieg der Getreidepreise (ausgelöst durch Missernten und weltweit steigenden Verbrauch) war ein wunderbarer Anlass, um in die Medien zu kommen.

Statt sich für die Bauern zu freuen, die auf Dauer nur mit einer Vollkostendeckung die Produktion sichern können, begann Bode gegen die seiner Meinung nach zu hohen Getreidepreise Stimmung zu machen. „40 Millionen Menschen sind in die Armut gestürzt worden“, posaunte er unablässig in Presse und Rundfunk. Viele Landwirte, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen fairen Preis fürs Getreide erhalten hatten, fühlten sich plötzlich wie Schurken.

Bode vermied es dabei geschickt, nicht die Bauern selbst anzuprangern, sondern zauberte andere Sündenböcke herbei: Spekulanten und Banken hätten gezielt die Preise nach oben getrieben. Das kam bei den Journalisten besser an. Mit Warnungen vor Globalisierung, Banken, Weltmarkt und gierigen Kapitalisten lassen sich die Menschen am leichtesten zum Wutbürger aufstacheln.

Jetzt, da die Getreidepreise im tiefsten Keller sind (der Grund ist schlicht und einfach mehrjährige Überproduktion), hört man von Thilo Bode nichts mehr. Warum lobt er die Bauern nicht, die jetzt brav draufzahlen, damit das tägliche Brot billig bleibt? Warum sagt er nicht, wie viele Millionen Menschen jetzt aus der Armut befreit werden?

In Wirklichkeit sind Leuten wie Bode die Getreidepreise herzlich egal. Populisten wie er wollen einfach nur Angst schüren und damit ihr Geld verdienen.

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