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Staatliche Unterstützung

Steuer: Kalamitätsnutzung bei Borkenkäfer

Thomas Kölbl, Maria Eiwanger BBV-Beratungsdienst, Landshut/Landau
am
24.08.2017

München - Waldbauern, die wegen des Borkenkäfers Holz verkaufen müssen, können Steuerhilfen in Anspruch nehmen. Ein verminderter Steuersatz wird jedoch nur dann gewährt, wenn die Formalien von Anfang an eingehalten werden.

Viele Land- und Forstwirte wissen, dass es bei Kalamitätsnutzungen wegen Borkenkäferbefalls steuerliche Erleichterungen gibt. Alles weitere wird der Steuerberater dann schon richten, denkt sich so mancher Waldbauer. Wenn es um die steuerliche Geltendmachung von Kalamitätsnutzungen geht, gilt das aber gerade nicht. Schon vor der Aufarbeitung des Schadholzes muss nämlich die Kalamität dem Bayerischen Landesamt für Steuern mitgeteilt werden.
Der trockene Winter und die anhaltenden Hitzeperiode seit dem Frühsommer haben in Bayerns Wäldern zu einer Explosion des Borkenkäferbefalls geführt. Die Größenordnung, in der in diesem Jahr Käferholz eingeschlagen werden muss, dürfte an die Ausmaße des Jahrhundertsommers 2003 heranreichen. Wie alle forstwirtschaftlichen Einkünfte unterliegen auch die Gewinne aus dem Verkauf des Käferholzes der Einkommensteuer.
Steuerlich werden die Kalamitätsnutzungen nur anerkannt, wenn die Kalamität schon vor der Aufarbeitung dem Bayerischen Landesamt für Steuern mitgeteilt wurde. Spricht der Land- und Forstwirt – wie üblich – erst mit seinem Steuerberater, wenn einige Monate nach dem Ende des Wirtschaftsjahres die Einkommensteuererklärung ansteht, dann ist es dafür zu spät. Dann ist das Käferholz schon längst aufgearbeitet und verkauft. Nur wenn die Kalamität rechtzeitig – das heißt vor der Aufarbeitung – dem Landesamt für Steuern mitgeteilt und nachgewiesen wurde, gewährt der Fiskus die steuerlichen Vorteile!
Gewinne aus Kalamitätsnutzungen werden deutlich günstiger besteuert als laufende Holznutzungen. Kalamitätsnutzungen müssen grundsätzlich nur mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommensteuersatzes versteuert werden. Soweit die Kalamitätsnutzungen den Nutzungssatz übersteigen, wird sogar nur ein Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes angesetzt. 

Nutzung über das normale Maß hinaus

Die Anwendung der günstigeren Steuersätze ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Es muss zunächst eine Kalamitätsnutzung vorliegen. Eine Kalamitätsnutzung ist gegeben, wenn der Holzeinschlag aufgrund eines Naturereignisses notwendig wird. Denkbare Ursachen sind zum Beispiel Schneebruch, Windwurf oder Insektenfraß. Der Borkenkäferbefall ist zur Zeit die Kalamitätsnutzung schlechthin.
Für die Erfüllung der zweiten Voraussetzung muss der Waldbesitzer tätig werden. Der Waldbesitzer muss den Kalamitätsschaden rechtzeitig mitteilen und nach der Aufarbeitung nachweisen.
Die erforderlichen Formulare sind im Internet unter http://www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Formulare/Steuererklaerung/Einkommensteuer/Forstwirtschaft/ zu finden.  Sie sind auch bei den Finanzämtern oder den Geschäftsstellen des Bayerischen Bauernverbandes, des BBV-Beratungsdienstes und der Buchstelle des Bayerischen Bauernverbandes erhältlich.
Sobald ein Borkenkäferbefall festgestellt ist und bevor die befallenen Bäume aufgearbeitet werden, ist der Schaden dem Bayerischen Landesamt für Steuern mitzuteilen. Die Dienststelle München ist für Schwaben, Ober- und Niederbayern zuständig, die Dienststelle Nürnberg für die fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz. Wir empfehlen, die Meldungen an die betreffenden Dienststellen des Landesamts für Steuern zu faxen und die Formulare sorgfältig aufzubewahren. Sie werden später für die Steuererklärung benötigt. In dringenden Fällen kann die Anmeldung auch telefonisch erfolgen. Die Telefon- und Faxnummern der zuständigen Dienststellen des Bayerischen Landesamts für Steuern stehen auf den Formularen.
Bei der Anmeldung ist die Holzmenge zu schätzen, die voraussichtlich eingeschlagen werden muss. Erst nach der Anmeldung kann die Aufarbeitung des Schadens beginnen. Beim Borkenkäfer bemerkt man häufig erst nach und nach bei der Aufarbeitung, dass mehr Bäume – als zunächst angenommen – betroffen sind. Wenn sich bei der Aufarbeitung herausstellt, dass die in der Anmeldung angegebenen Holzmengen voraussichtlich um mehr als 20 % überschritten werden, muss unverzüglich eine weitere, ergänzende Mitteilung beim Landesamt für Steuern eingereicht werden.
Sobald feststeht, wie hoch die tatsächliche Schadensmenge ist, muss beim Landesamt für Steuern dann noch die Nachweismeldung eingereicht werden. Darin ist in Festmeter, Raummeter und Ster genau anzugeben, wie viel Kalamitätsholz angefallen ist. Grundsätzlich ist die Nachweismeldung abzugeben, sobald das eingeschlagene Holz nach der Aufarbeitung gemessen wird. Häufig erfährt der Waldbesitzer die genaue Schadensmenge erst, nachdem die Werksvermessung im Sägewerk erfolgt ist. In diesen Fällen reicht es aus, wenn die Nachweismeldung abgegeben wird, sobald der Waldbesitzer das Ergebnis der Werksvermessung erhalten hat.
Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2012 wird für Kalamitätsnutzungen stets der halbe Einkommensteuersatz gewährt. Übersteigen die Kalamitätsnutzungen den jährlichen Nutzungssatz, wird nur ein Viertel des Einkommensteuersatzes angesetzt. Bei Betrieben mit bis zu 50 ha forstwirtschaftlich genutzter Fläche wird pauschal ein Nutzungssatz von 50 fm/ha angenommen. Betriebe mit mehr als 50 ha Forst müssen den Nutzungssatz in einem amtlich anerkannten Betriebsgutachten oder Betriebswerk ermitteln. In diesem wird der Nutzungssatz so festgestellt, dass innerhalb seiner zehnjährigen Geltungsdauer nachhaltig der in dieser Zeit zu erwartende Holzzuwachs eingeschlagen werden kann.

Steuerliche Vorteile an einem Beispiel

Die finanziellen Folgen des ermäßigten Steuersatzes lassen sich am besten mit einem Beispiel erklären: Waldbauer Holzer hat 20 ha Wald. Im Sommer 2017 muss er wegen Borkenkäferbefalls 300 fm Holz einschlagen. Der pauschale Nutzungssatz beträgt 5 fm/ha Insgesamt ergibt sich also ein Nutzungssatz von 100 fm Holz.
Die außerordentliche Holznutzung (Kalamität) unterliegt mit 100 fm, das heißt bis zur Höhe des Nutzungssatzes dem halben Steuersatz. Die verbleibenden 200 fm, die über den Nutzungssatz hinausgehen, werden nur mit einem Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes versteuert.
Holzers durchschnittlicher Steuersatz beträgt 36 %. Beim Verkauf des Käferholzes hat er einen Gewinn von 60 €/fm erzielt. Diesen Gewinn versteuert er bei der Einkommensteuer wie folgt:
100 fm x 60 € x 18 % 1080 €
200 fm x 60 € x 9 %1080 €
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Steuer gesamt    2160 €
Müsste der gesamte Gewinn aus dem Holzverkauf mit dem durchschnittlichen Steuersatz versteuert werden, würde die Einkommensteuer 300 fm x 60 € x 36 % = 6480 € betragen. Die Steuerersparnis beträgt somit stattliche 4320 €.
Nicht vergessen: zwingende Voraussetzung der Steuervergünstigung ist es, dass die Kalamität dem Bayerischen Landesamt für Steuern zunächst mitgeteilt wurde und dass nach der Aufarbeitung ein Nachweis eingereicht wird. Aber das Ausfüllen der Formulare und Einreichen beim Landesamt lohnt sich!
Die Außenstellen des BBV-Beratungsdienstes und der Buchstelle des Bayerischen Bauernverbandes helfen Ihnen gerne bei Fragen zu diesem Thema und bei der Bearbeitung der Formulare.
Aktueller Hinweis: Die steuerlichen Regeln zur Kalamitätsnutzung können auch Landwirte in Anspruch nehmen, die durch die schweren Stürme vom 18. auf den 19. August Schäden am Wald erlitten haben.

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