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Eigentum

Thank you, England!

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
07.07.2016

München . Stattliche Höfe, die im Eigentum von bäuerlichen Familien stehen, prägen noch immer das Bild Bayerns.

Dass es dieses Eigentum gibt, haben wir den Engländern zu verdanken. Als vor 200 Jahren in Bayern die Herrschaft von Adel und Kirche über den Boden zusammen mit dem Feudalsystem abgeschafft wurde, war die englische Landwirtschaft das Vorbild für die Privatisierung des Bodens.

Die deutschen Agrarreformer pilgerten damals auf die Insel und staunten, wie dort bäuerliche Landeigentümer die damals modernste Landwirtschaft der Welt betrieben. Zurück auf dem Festland, tat man es den Engländern gleich. Im Zuge der Bodenreform vor 200 Jahren konnten sich auch in Bayern auf privatem Grundeigentum fußende Familienbetriebe entwickeln.

Das noch gar nicht so alte Modell des vererbbaren Familienbetriebes hat sich bis heute als die beste Organisationsform zur Gestaltung der Landwirtschaft bewährt. Doch kein Vorteil ohne Nachteil: Das Format des Familienbetriebes hängt auf Gedeih und Verderb an der Familie. Gibt es keine Familie, leidet auch der Hof. Ohne die sinnstiftende Kraft der Familie, ohne Ehefrau und Kinder, die den Hof weiterführen, wird das Eigentum für den alleinstehenden Landwirt oft mehr zur Last als zur Lust.

Das Ende einer Familienlinie kann aber dennoch der Anfang für etwas Neues sein. An alleinstehende Landwirte und kinderlose Paare kann man hier nur appellieren, sich rechtzeitig auch außerhalb der Verwandtschaft umzusehen. Es gibt heute überraschend viele junge Leute, die den Beruf Landwirt erlernen, obwohl sie nicht aus einer Landwirtsfamilie stammen. Gebt ihnen eine Chance!

Übrigens haben es viele Landwirte mit Kindern auch nicht einfacher: Sie haben zwar Erben, aber nicht immer einen Hofnachfolger.

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