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Betriebskonzepte

Unternehmensziel eine Million Hektar

Dr. Manfred Grund
am
22.11.2018

Von Einem der auszog, um 57.000 Kühe zu managen. Ein Interview mit Stefan Dürr.

Stefan Dürr

Mit der Übernahme der großväterlichen Bauernwirtschaft mit 4 Kühen und 14 ha Land im Odenwald hat es damals nicht geklappt. Jetzt ist Stefan Dürr Geschäftsführer und Haupteigentümer des größten Milchproduktionsunternehmens Russlands, EkoNiva, mit derzeit mehr als 57.000 Kühen und fast 500.000 ha LN.

Dr. Manfred Grund hat lange Zeit für ein Schwesterobjekt des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblattes in Berlin gearbeitet und kennt Dürr noch aus dieser Zeit. Er führte das Interview.

Grund: Wir haben von 1998 an ein paar Jahre zusammengearbeitet, als der Deutsche Landwirtschaftsverlag seine Zeitschrift für Agrarmanagement, Neue Landwirtschaft, als russische Ausgabe herausbrachte. Du hast damals geholfen, sie in Russland, der Ukraine und Weißrussland zu vertreiben. Hast du den Eindruck, dass das Blatt beim Aufbau von effektiven Agrarbetrieben geholfen hat?

Dürr: Für die Information über die damals modernste internationale Landtechnik und die Umgestaltung großer Agrarbetriebe auf die Marktwirtschaft hat die Fachzeitschrift Denkanstöße gegeben und ihren Beitrag geleistet. Heute allerdings schauen die Leiter der großen russischen Landwirtschaftsbetriebe eher nach Übersee, die Milchproduzenten zum Beispiel nach den USA und Kanada, wo es Betriebe in unserer Größenordnung gibt. Für die Bewirtschaftung von Ackerflächen und Stallanlagen in diesen Dimensionen reicht das Wissen nicht aus, das man sich durch Zeitschriftenlektüre aneignet. Heute sind revolutionäre komplexe Hightech-Lösungen gefragt, die wir „intelligente Landwirtschaft“ nennen und die wir in unseren Betrieben, zum Beispiel in Woronesch, bereits intensiv erproben.

Grund: Angefangen hast du ja in Russland mit ein paar hundert Hektar. Jetzt kauft EkoNiva in solchem Umfang Land hinzu, als gelte es Weltrekorde zu brechen.

Dürr: Unsere Holding, die neun Personen und einer Bank gehört, ist auf die Produktion von Milch spezialisiert. Der Bedarf daran ist riesig, nicht nur in Russland, sondern auch für den Export zu den Nachbarn in China. Noch gibt es hier die einmalige Chance, Land günstig zu erwerben. Die Agrarwirtschaft in Russland ist im Umbruch. Zwar liegen die Preise je Hektar nicht mehr bei umgerechnet etwa 500 Euro, wie noch vor Jahren, sondern eher bei 1500 Euro bis 2000 Euro, aber der Milchpreis ist hier in etwa konstant, und das erlaubt es, die Wirtschaftlichkeit zu kalkulieren. Wir wollen die Produktion so weit wie möglich ausweiten und als vertikale Kette bis zum Vertrieb der Produkte gestalten. Der russische Staat fördert das kräftig. In ein paar Jahren ist der Kuchen verteilt. Deshalb streben wir eine Flächenausstattung von einer Million Hektar an.

Grund: Der Sitz des Unternehmens befindet sich seit 1993 im badischen Walldorf, nicht weit entfernt von deiner Heimat im Neckar-Odenwald-Kreis. Da bist du sicher häufig in Deutschland. Könntest du dir vorstellen, auch hier einen Betrieb zu bewirtschaften?

Dürr: Einmal im Monat bin ich mindestens in Deutschland, und das Bauernhaus meines Großvaters habe ich übrigens zurückgekauft. Ob ich hier mal als Landwirt tätig werde, wer weiß? Wenn die Betriebe hier mal größer werden – warum sollte es zum Beispiel keinen mit 10.000 Hektar in Franken geben – vielleicht.

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