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Tierhaltung

Mit Wertschätzung Werte schöpfen

Steak
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
08.08.2019

Der neueste Schuss vor den Bug der Tierhalter ist die Fleisch-Steuer.

Derzeit würde ich mir schwer überlegen, in einen neuen Stall zu investieren, zumindest wenn er einzig und allein auf ein effizientes Produktionsverfahren ausgerichtet ist. Generell betrachtet, steht die Tierhaltung hierzulande in der Schusslinie. Aber wem erzähle ich das.

Lassen Sie mich dennoch ein paar Punkte auflisten. Die Düngeverordnung zielt vor allem auf die organischen Dünger ab. Wer reinen Ackerbau betreibt und dabei Kunstdünger – der Begriff ist an dieser Stelle ganz bewusst gewählt – einsetzt, der kommt mit den Bestimmungen noch einigermaßen gut zurecht.

Wer auf Tierwohl setzt und seinen Schweinen gerne Zugang zur frischen Luft verschaffen möchte, der kommt schnell mit der TA-Luft in Konflikt. Hermetisch abriegeln und die Abluft nur an wenigen Stellen gezielt abführen, wird da viel lieber gesehen. In der sogenannten NEC-Richtlinie der EU zur Reinhaltung der Luft hat sich Deutschland verpflichtet, den Ausstoß von Ammoniak bis zum Jahr 2030 gegenüber 2005 um 29 Prozent zu verringern. Und der Ammoniak kommt vor allem aus der Tierhaltung.

Der neueste Schuss vor den Bug der Tierhalter ist die Fleisch-Steuer. Der Staat soll das Geld dann den Bauern zurückgeben, damit die ihre Ställe umbauen können. Gut und schön, aber wie umbauen (siehe vorne)?

Wen würde so eine Steuer treffen? Die Menschen, die sich für 79 € je Kilo ein Steak von weiß Gott woher einfliegen lassen? Ja sicher, überspitzt und selten, aber Sie wissen, worauf ich raus will, auf die soziale Gerechtigkeit. Staatliche Eingriffe – so die Erfahrungen in der Landwirtschaft – lähmen eher als dass sie uns voranbringen.

Und die Gefahr ist groß, dass die Rechnung mit der Fleischsteuer nicht aufgeht, zumindest nicht für den Landwirt. Es dürfte ziemlich sicher sein, dass bei einem geförderten Umbau der Output sinken wird. Wenn aber das Endprodukt schon durch die Steuer teurer wird, wo ist dann noch Spielraum, um die höheren Kosten im Produktpreis abzubilden?

Also raus aus der Tierhaltung? Die Tierzählungen besagen, dass dieser Zug bereits ins Rollen gekommen ist. Es gibt wahrscheinlich auch ein paar Regionen in Deutschland, wo daran kein Weg vorbeiführt. Für Bayern oder Österreich ist das aber nicht zwingend. Patentrezepte gibt es sicher nicht, aber durch die Individualisierung der Gesellschaft entstehen Nischen, die sich mit Wertschätzung aufladen und in Wertschöpfung umsetzen lassen.

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