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Wildschweinschäden

Der Wildschutz-Zaun muss weg

Wildschutzzaun
Roland Lory
am
11.05.2018

Nach Ansicht des Gerichtes schränkt die Konstruktion das Betretungsrecht der Bevölkerung zu sehr ein.

Wenn Wildschweine Wiesen umpflügen, ist das für den betroffenen Bauern kein Spaß. Denn die Schäden können beträchtlich sein. Ein Landwirt wusste sich vor ein paar Jahren nicht anders zu helfen und umzäunte in der Nähe von Uffing eine mehrere Hektar große Wiese, die von Wald umgeben ist.

Doch das passte dem Jagdpächter nicht. Er sah sich in der Ausübung der Jagd beschränkt, weil das Wild wegen des Zauns nicht mehr auf die Wiese gelangen könne. Zudem argumentierte er, dass damit der Verbiss im Wald zunehme. Auch das Recht auf freies Betreten der Natur führte er ins Feld.

Der Jagdpächter leitete juristische Schritte ein und klagte – unterstützt vom Bayerischen Jagdverband – gegen den Freistaat Bayern. Es ging um „Aufsichtliches Einschreiten im Naturschutzrecht“ wegen der Wildschutzzäunung. Das Verwaltungsgericht gab der Klage 2017 statt.

Das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen musste sich in der Folge erneut mit dem Thema auseinandersetzen. Mittlerweile gibt es ein Ergebnis: Die Kreisbehörde kam zum Schluss, dass der Landwirt den rund einen Meter hohen Zaun entfernen muss.

Sie hat ihn aufgefordert, die Konstruktion bis Ende Mai zu entfernen. Sollte er dies freiwillig nicht tun, erwägt das Landratsamt „nach derzeitigem Stand eine förmliche Beseitigungsanordnung“, teilt Stephan Scharf mit, Sprecher der Kreisbehörde. „Gegen diese stünde dem Betroffenen der Klageweg offen.“

Landratsamt ruder zurück

Das Gericht „hat in seinem Urteil vom Oktober 2017 betont, dass die Umzäunung den Voraussetzungen des Bayerischen Naturschutzgesetzes widerspricht und in großem Umfang das (von der Verfassung geschützte) Betretungsrecht der Bevölkerung einschränkt“, erklärt Scharf. Es habe auch auf die mit der Errichtung solcher „Sperren“ verbundenen Folgen und Nachahmungseffekte hingewiesen. „Unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts verbleibt dem Landratsamt nur ein eingeschränkter Entscheidungsspielraum.“ Der Eigentümer müsse deshalb damit rechnen, den Zaun vollständig entfernen zu müssen.

Von dem Landwirt war keine Stellungnahme erhältlich. 2017 hatte er von massiven Wühlschäden berichtet, sie zu beheben habe einen hohen Aufwand erfordert. Solch „Krisengebiet“ müsse man vor den Sauen schützen dürfen, betonte er.

Der Kläger hat sein Ziel voll erreicht. Sein Rechtsanwalt Dr. Michael Jobst macht aber deutlich, dass es seinem Mandanten nicht darum gehe, den Landwirt zu schädigen und ihm Schwierigkeiten zu machen. Der Kläger wolle vielmehr erreichen, „dass solche Zäunungen nicht weiter um sich greifen, dass man dem einen Riegel vorschiebt“.

Der Jagdpächter selbst zeigt sich überrascht, dass das Landratsamt „voll zurückgerudert ist“ und der Zaun komplett abgebaut werden muss. Aus seiner Sicht handelt es sich um einen „Präzedenzfall, der für ganz Bayern gilt“. Für den Kläger steht fest: „Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden.“ Das massive Auftreten des Schwarzwilds sei „Neuland für die Bauern und Neuland für die Jagdpächter“. Wie man die Wiesen vor den Schweinen schützen kann, weiß der Kläger auch nicht. Die Errichtung eines etwa 30 cm hohen Elektrozauns, den Rehwild überspringt, die Sau aber nicht, überzeugt ihn nicht restlos. Denn: „Der Aufwand ist gewaltig.“

Um dem Schwarzwild Einhalt zu gebieten, will er jetzt einen Saufang testen. Er steht schon, muss vom Landratsamt aber noch abgenommen werden. Wenn dies erledigt ist, darf der Jagdpächter mit der Lebendfalle jedoch nur Frischlinge fangen. Ob es was hilft? „Man muss alles ausprobieren.“

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