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Anbauplanung 2017

Wunder nicht in Sichtweite

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
28.07.2016

München - Wer künftig mit Ackerbau Geld verdienen will, sollte sich also nicht der Hoffnung auf mögliche Preiswunder hingeben.

Als Anfang April die Weltmarktpreise für Sojabohnen raketenartig nach oben schossen und innerhalb von fünf Wochen um über 30 Prozent zulegten, schien eine Trendwende bei den Agrarrohstoffen greifbar nahe. Im Sog der Sojabohne konnten auch Mais und Raps kräftige Preissteigerungen verbuchen. Zahlen über zu erwartende neue Weltrekorde beim Fleischabsatz und Getreideverbrauch beflügelten die Fantasien.

Der Ausbruchsversuch der Agrarpreise nach oben entpuppte sich jedoch als ein Strohfeuer. Seit Mitte Juni sinken die Weltmarktpreise Tag für Tag und steuern neuen Tiefstständen entgegen. Inzwischen hat sich nämlich die Meinung durchgesetzt, dass die steigenden Verbrauchsmengen problemlos gedeckt werden können. Die Landwirte dieser Welt legen jedes Jahr eine kräftige Schaufel oben drauf und kommen mit der Erzeugung locker mit.

Die Vereinten Nationen (UNO) und die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gehen davon aus, dass dies auch in den nächsten zehn Jahren so bleiben wird. Zwar werde der Bedarf an Nahrungsmitteln stark steigen, die Erzeugung aber ebenso. Die Weltlandwirtschaft verfügt offenbar auf Jahrzehnte hinaus über gewaltige Ertragsreserven, die keinen Mangel entstehen lassen.

Wer künftig mit Ackerbau Geld verdienen will, sollte sich also nicht der Hoffnung auf mögliche Preiswunder hingeben, sondern muss seine Kalkulationen auf dem derzeit bescheidenen Preisniveau ausrichten. Die Wirtschaftlichkeit wird künftig mehr denn je von der Höhe der Produktionskosten bestimmt werden. Neben eiserner Kostendisziplin bei den Massenfrüchten darf man aber auch Signale aus dem Markt nicht übersehen. Beispielsweise ist die Nachfrage nach Durumweizen stetig gestiegen und es werden interessante Preiszuschläge bezahlt.

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