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Erneuerbare Energie

Biomasse wurde ins Abseits gedrängt

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
08.12.2016

Herrsching - Biomasse als Quelle erneuerbarer Energien hat es derzeit schwer. Gesellschaftliche Diskussionen über Teller oder Tank haben dazu beigetragen, dass Biomasse als Energieträger – auch von der Bundesregierung – ins Abseits gestellt wurde. Bemerkenswert wenig Diskussionen gab es in letzter Zeit über die Endlichkeit und Schädlichkeit von Erdöl.

Franz Kustner

Dabei hat Biomasse Potenzial und steht oft zu Unrecht am Pranger. Wie Franz Kustner, Vorsitzender des BBV-Landesfachausschusses für NaWaRo und erneuerbare Energien, bei der Erzeugerwoche in Herrsching sagte, müsse man daran arbeiten, das schlechte Image der nachwachsenden Rohstoffe (NaWaRo) wieder aufzubessern. Beispiele dafür gibt es genug. Sie reichen von der Kaskadennutzung des Rapsöls (Biosprit und wertvolles, heimisches Eiweißfutter zugleich) bis hin zu weiteren, bedeutenden Beiträgen zum Klimaschutz (Biogas, Holzheizungen, etc.).
„Bioeenergie war so was von in die Ecke gestellt“, so Stephan Kleiner vom bayerischen Wirtschaftsministerium zu den harten Verhandlungen zum EEG 2017. Denn anfangs wollte das Bundeswirtschaftsministerium überhaupt keine Anschlussregelung für Biomasseanlagen. Für Bayern spielt die Biomasse aber eine bedeutende Rolle. Der Anteil an der erneuerbaren Stromversorgung liegt bei knapp 26 % und rund 85 % der erneuerbaren Wärme stammt aus Biomasse. Durch den massiven Einsatz des Freistaats konnte letztlich eine Anschlussregelung  für Biomasseanlagen durchgesetzt werden. Gerade im Bereich Biogas werden sich die Anlagenbetreiber aber anpassen müssen: „Wärme zu verschenken wird der Vergangenheit angehören“, so Kleiner. Auch die Flexibilisierung von Biogasanlagen ist ein Thema. Anette Keil von energy2market meinte: „Die Botschaft ist angekommen und es wird auch getan.“ Auch wenn am Regelenergiemarkt nicht mehr so viel erlöst werden könne wie in früheren Jahren, die Flexibilisierung biete große Chancen.

Klimaschutz

Wie wichtig die Biomasse ist, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung einzuhalten, unterstrich Dr. Edgar Remmele vom Technologie und Förderzentrum Straubing (TFZ). 1,6 Mio. t Diesel verbraucht die Landwirtschaft jährlich in Deutschland. Nach Remmeles Zahlen macht das 8 % der Treibhausgasemissionen (THG) in der Landwirtschaft aus. Die Umstellung auf Pflanzenöl könnte hier einen gewaltigen Beitrag zur THG-Einsparung liefern. „Die Technologie steht“, erklärte Remmele mit Blick auf die neueste Generation von Pflanzenölschleppern.
Neues gab es auch im Bereich des Sonnenstroms. Christoph Thannbichler von BayWa r.e. Solar Projekts stellte des Projekt Agrophotovoltaik vor, das die BayWa als Industriepartner begleitet. Die Idee dahinter: Solarzellen werden aufgeständert und liefern Strom, darunter wird Landwirtschaft betrieben. Beim Projekt am Bodensee wurde eine Fläche von 5500 m2 zu 50 % mit PV überbaut, die andere Hälfte ohne PV-Anlage dient als Referenzfläche. Mit großen Abständen der Stützen von 12 bzw. 19 m und einer Durchfahrtshöhe von 5 m ist die Anlage so ausgerichtet, dass auch große Maschinen darunter eingesetzt werden könne.

Weizen und Solarstrom

Die Wissenschaftler rechnen mit Erträgen von rund 80 % im Vergleich zur freien Fläche. Angebaut werden Weizen, Kartoffeln, Kleegras und Sellerie. Auf die ersten Ernteergebnisse darf man gespannt sein. Für Thannbichler sind solche Systeme unter anderem im Obstbau denkbar, anstelle von Hagelschutznetzen. Auch bei Kulturen, die viel Schatten brauchen, sieht er Anwendungsgebiete.
Da die Zeiten des großen Zubaus von PV-Anlagen vorbei ist, kommt es darauf an, die bestehenden Anlagen gut zu warten und zu reinigen. Sylvia Höhentinger von der gleichnamigen Solarreinigungsfirma erklärte, dass die Bundesanstalt für Materialforschung festgestellt habe, dass sich auf den PV-Zellen ein Biofilm aus Mikroorganismen bildet, der dem Glas Mineralien entzieht und die Oberfläche aufraut. Bei den Höhentingers wird daher ein spezieller PV-Schutz auf Siliziumbasis eingesetzt, der vor dem Biofilm schützt. Die lichtbrechende Eigenschaft des Modulglases wird dadurch nicht beeinträchtigt und die Module müssen nicht so oft gereinigt werden.

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