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Förderung

Biotreibstoffe der ersten Generation bleiben umstritten

aiz
am
03.08.2016

Brüssel - Europäische Kommission möchte die Förderung von Biotreibstoffen der ersten Generation langfristig einstellen.

Konventionelle Biotreibstoffe sind ein umstrittenes Element in der EU-Klimapolitik. Umweltschützer und Dritte-Welt-Gruppen lehnen die Treibstoffe aus Ackerkulturen (erste Generation) ab. Die EU-Kommission setzt auf die zweite Generation von Biotreibstoffen, etwa aus Abfällen.

Die Hersteller verweisen auf die heute noch fehlenden Alternativen zu Biodiesel und Bioethanol. Dennoch herrschte in jüngster Zeit eine ungewohnte Ruhe an der Front von Urwaldrodungen und knappen Ackerflächen. Die Debatte um indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) hatte die Biotreibstoffbranche einigermaßen glimpflich hinter sich gebracht. Entgegen massiver Forderungen wurden die wenig ausgereiften ILUC-Kriterien nicht zur Grundlage für die Anerkennung von Biodiesel und Bioethanol gemacht. Dafür begrenzte man nach den Auseinandersetzungen in Brüssel den Anteil von konventionellen Biokraftstoffen im Transportsektor auf 7 % bis 2020. Die Hersteller von Biotreibstoffen aus Pflanzen hätten gerne mehr gehabt, schätzen aber die geklärten politischen Rahmenbedingungen zumindest für die nahe Zukunft.

EU-Kommission: Fortschrittliche Biotreibstoffe als Chance für Europa

Jetzt ist die Unsicherheit groß, was in den Jahren 2020 bis 2030 passieren wird. Die EU-Kommission stellte ihr Klimapaket für die Umsetzung der Beschlüsse der Pariser Konferenz (COP21) bis 2030 vor. Im Transportteil des Pakets, der Europäischen Strategie für eine emissionsarme Mobilität, geht es um die Zukunft der Biotreibstoffe. Die EU-Kommission hält darin an ihrer Erklärung fest, dass aus Nahrungsmitteln hergestellte Biokraftstoffe nur eine begrenzte Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrssektors spielen und nach 2020 nicht mehr öffentlich gefördert werden sollen. Gleichzeitig stellt die EU-Kommission fest, dass man bei der Umstellung auf einen klimafreundlichen Transportsektor noch nicht weit gekommen ist. Immer noch hänge die EU zu 94 % vom Erdöl ab und damit weit mehr als in anderen Sektoren, heißt es in der Strategie.

Den Defiziten in der Gegenwart stellt die EU-Kommission ambitionierte Ziele für die Zukunft gegenüber. Die Umstellung biete Europa die Chance, bei fortschrittlichen Biokraftstoffen eine Führungsrolle zu entwickeln, frohlockt die EU-Kommission. Deshalb müssten Anreize für innovative Lösungen ausgebaut werden. Dazu könnten Kraftstoffhersteller verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil an fortschrittlichen Biotreibstoffen bereitzustellen, schlägt die EU-Kommission in ihrem Strategiepapier vor.

Branchenkritik: Pläne motivieren nicht zu Investitionen

In der Branche stößt die erneute Abwendung von konventionellen Biotreibstoffen auf Kritik. Mit den Vorgaben der EU-Kommission werde kaum noch in Anlagen für Biokraftstoffe für die Zeit nach 2020 investiert, kritisiert der Europäische Verband der Ölmühlen (FEDIOL). Konventionelle Biotreibstoffe seien aber bisher die einzige Lösung für einen klimafreundlichen Transportsektor, was die Mengen und die Markteinführung anginge, betonte FEDIOL-Generaldirektorin Natalie Lecoq. Man brauche auch die vom Acker stammenden Treibstoffe, um den Übergang zur zweiten Generation von Biotreibstoffen zu schaffen. Fefac, der Europäische Verband der Mischfutterindustrie, warnt vor einer Vergrößerung der Eiweißlücke in der EU, wenn Rapsschrot aus der Biodieselerzeugung nicht mehr zur Verfügung stehen sollte.

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