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Bürgerinitiativen

Energiewende - Wenn einer brüllt, passiert nix mehr

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Rainer Königer, Wochenblatt
am
07.12.2017

Die Energiewende ist ins Stocken geraten. Zum einen, weil die politischen Rahmenbedingungen nicht mehr passen, zum anderen, weil Bürgerproteste fast alles verhindern.

Walchensee Kraftwerk

Es ist zwar schön, wenn die Bürger mündig sind und ihre Meinung kundtun, doch im Bereich der Energiewende zeigt sich das Dilemma. Fragt man das Volk nach seiner Meinung, heißt die Antwort: Die Energiewende brauchen wir unbedingt. Macht mal endlich was! Sollen die Projekte dann umgesetzt werden, ist der Zorn groß: Pfui Teufel, nicht vor meiner Haustür! Windrad? Will ich nicht! PV-Flächen vor meiner Nase? Auf keinen Fall! Ein neues Pumpspeicherwerk? Seid ihr verrückt, da gehe ich immer spazieren!

Oft nur Protest einzelner

Rainer Königer

Oft kommen diese Proteste von nur wenigen Menschen, die allerdings meistens lauter schreien als die anderen, ruhigeren Staatsbürger. Das Ganze gipfelt in einer Protestkultur, die dadurch genährt wird, dass es kaum mehr einen Politiker gibt, der unangenehme Sachen anpackt und Entscheidungen gegen den Protest einiger weniger Bürger durchsetzt. Wenn einer brüllt, passiert nix mehr.

Wenn sich ein Vegetarier gegen Fleischkonsum ausspricht, hat das eine gewisse Konsequenz. In Sachen Energieversorgung fehlt diese Folgerichtigkeit. Viele von uns leben in Wohnungen oder Häusern, mollig warm durch Zentralheizungen, der Strom kommt aus der Steckdose – und draußen vor der Tür stehen ein oder mehrere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Im Foto oben ist das Walchensee-Kochelsee-Kraftwerk zu sehen. Ein monumentales Bauwerk, das zu einem Wahrzeichen für eine ganze Region geworden ist. Würde man heutzutage so ein Bauwerk für sauberen Strom errichten wollen, es würde nicht mehr gebaut werden. Fein rausgeputzte Demonstranten, die mit ihrem SUV zum Semmelholen fahren, würden dies verhindern.

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