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Biomasse

EU-Parlament will Produktion von Biokraftstoffen der 1. Generation einbremsen

von , am
27.02.2015

<b>Brüssel</b> - Umweltausschuss befürwortet mehrheitlich ILUC-Faktoren.

© ePURE
Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat sich am Dienstag mit der zukünftigen EU-Biokraftstoffpolitik befasst. Die Abgeordneten befürworteten dabei mehrheitlich das wissenschaftlich und politisch umstrittene Konzept der indirekten Landnutzungsänderungen. Die so genannten ILUC-Faktoren sollen ab 2020 in die Klimabilanz mit einbezogen werden.
Weiters sprach sich der EP-Umweltausschuss für eine Obergrenze bei Biotreibstoffen aus Ackerpflanzen in der Höhe von 6% des Kraftstoffverbrauchs aus. Für Biokraftstoffe der 2. Generation aus Abfällen, Algen und Bakterien soll es ein neues Unterziel von mindestens 1,25% geben.
Sollte es bei der aktuellen Berechnungsmethode der ILUC-Faktoren für Kraftstoffe vom Acker bleiben, dann würde die Mineralölindustrie in den kommenden Jahren kaum noch Biodiesel und Bioethanol beimischen. Das Parlament muss sich allerdings noch mit den EU-Mitgliedstaaten in dieser Frage einig werden.
Von Landwirtschaftsvertretern und der Biotreibstoffbranche wurde heftige Kritik an diesem Votum geübt.
 
Negative Auswirkungen auf Getreidemarkt befürchtet
Der Generalsekretär der EU-Bauern- und Genossenschaftsverbände (Copa-Cogeca), Pekka Pesonen, bedauerte das Votum des Umweltausschusses außerordentlich, "weil es in die völlig falsche Richtung geht und eine Einigung mit den EU-Ministern erschwert". Sollte es tatsächlich zu einer derartigen Beschränkung für Biokraftstoffe vom Acker kommen, dann würde dies nicht nur zu einem deutlichen Rückgang der Rapsflächen in der EU, sondern auch zu Turbulenzen auf dem Getreide- und Zuckermarkt führen, warnte Pesonen. Die sogenannte Eiweißlücke in der Union würde wieder größer werden. Sollte der Anteil der konventionellen Biotreibstoffe auf weniger als 8% verringert werden, dann würden dadurch in der Folge die Investitionen in die alternativen Kraftstoffe der 2. Generation gefährdet, gab der Generalsekretär zu bedenken.
 
ILUC-Faktoren entbehren wissenschaftlicher Grundlage
Im Namen von Copa-Cogeca sprach sich Pesonen erneut gegen die Einbeziehung indirekter Landnutzungsänderungen (ILUC) in die gesetzlichen Bestimmungen aus, "weil die Modelle, die für die Berechnung der ILUC-Faktoren herangezogen wurden, inakzeptabel sind und einer wissenschaftlichen Grundlage entbehren". Es habe auch auf internationaler Ebene keine Einigung hierzu gegeben. Die ILUC-Faktoren seien wegen fundamentaler Datenfehler und bedeutender Methodikprobleme für eine genaue Einschätzung des Ausmaßes von Landnutzungsänderungen und der sich daraus ergebenden Treibhausgas-Emissionen nicht geeignet, stellte Pesonen fest. Zusammen mit anderen europäischen Verbänden forderte Copa-Cogeca, dass bis 2020 mindestens 8% der Kraftstoffe im Verkehrssektor von Biokraftstoffen aus Ackerkulturen stammen sollen.
 
Obergrenze zu niedrig
Ähnlich argumentierte der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe). Der Umweltausschuss des EU-Parlaments habe mit seiner Abstimmung "keine tragfähige Reform der künftigen Biokraftstoffpolitik in die Wege geleitet", kritisiert der Verband. Eine Obergrenze von 6% für nachhaltig hergestellte und zertifizierte Biokraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sei aus Sicht der Branche "bei Weitem zu niedrig". Auch die Mindestquote für Biokraftstoffe aus Reststoffen und Abfällen von nur 1,25 Prozentpunkten an dem 10-Prozent-Ziel für erneuerbare Energie im Verkehr sei völlig unzureichend: "Dadurch kann kein Schub für Investitionen in neue Technologien ausgelöst werden", betonte BDBe-Geschäftsführer Dietrich Klein. Die wissenschaftlich nicht haltbaren ILUC-Faktoren als Malus beim Nachhaltigkeits-Nachweis von Biokraftstoffen einzubeziehen, sei für die Branche nicht akzeptabel und werde als Grundlage für die künftige Gesetzgebung keinen Bestand haben. Es bleibe zu hoffen, dass sich das Europäische Parlament, der EU-Ministerrat und die Kommission in den jetzt anstehenden Beratungen auf eine Verschärfung und Fortschreibung der Treibhausgas-Minderungsquote bei Kraftstoffen für den Zeitraum nach 2020 verständigen werden. (aiz)
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