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Ökologische Vorrangflächen (ÖVF)

Es gibt zu viele Fragezeichen

Kurzumtriebsplantage
Lara Drittler, Ludwig Theuvsen
am
21.09.2017

München - Energieholzplantagen können als ökologische Vorrangfläche im Greening angerechent werden, doch nur wenige Betriebe nutzen diese Möglichkeit. Warum das so ist, sollte eine Umfrage klären. Hier die Ergebnisse für Bayern.

Agrarholz, auch als Energiewald oder Kurzumtriebsplantagen bekannt, wird in wissenschaftlichen Untersuchungen als ökologisch wertvoll eingestuft. Es kann außerdem  Bodenerosionen verhindern und für vielfältigere Anbaustrukturen sorgen. Außerdem sind Hackschnitzel aus Kurzumtriebsplantagen als Bio-Energieträger von der Gesellschaft akzeptiert. Agrarholz kann auch als ökologische Vorrangfläche (ÖVF) im Rahmen des Greenings angerechnet werden. Davon haben die Landwirte aber bisher wenig Gebrauch gemacht. 2015 wurden 2238 ha Agrarholz als ÖFV im Greening angemeldet, 2016 waren es 2474 ha. Bezogen auf die Gesamt-ÖVF waren dies lediglich 0,2 %.

Warum dieser Anteil so gering war, das sollte eine Befragung klären. Insgesamt haben 285 Landwirte aus Deutschland an der Befragung teilgenommen. Darunter befinden sich  auch insgesamt 46 konventionell wirtschaftende Betriebe aus Bayern.

Viele finden es sinnvoll, aber fast keiner tut es

Gut ein Viertel der bayerischen Betriebe baut Agrarholz an, aber nur 15,2 % haben ihre Agrarholzfläche als ÖVF ausgewiesen. Die Ergebnisse der Befragung belegen die Zurückhaltung bei der Anlage von Agrarholz als ÖVF: Zwar ist Agrarholz für 52,2 % der bayerischen Landwirte eine sinnvolle Möglichkeit, die  Greening-Anforderungen zu erfüllen, 34,7 % der Landwirte sehen darin auch einen persönlichen Zusatznutzen und immerhin 30,4 % der befragten bayerischen Landwirte hat das Greening veranlasst, über den Anbau von Agrarholz als ÖVF nachzudenken. Die tatsächliche Absicht in nächster Zeit Agrarholzflächen als ÖVF anzulegen haben aber nur 8,7 %  und nur 4,3 % haben bereits konkrete Pläne dazu.

Die Meisten schreckt die lange Bindung ab

Die befragten Landwirte sind unentschlossen, ob ein höherer Gewichtungsfaktor ihre Bereitschaft zum Agrarholzanbau als ÖVF steigern würde. Für immerhin 34,8 % der Landwirte wäre ein höherer Gewichtungsfaktor ein Anreiz zum Anbau von Agrarholz.

Es gibt eine Reihe von Gründen für die große Zurückhaltung. So schreckt 71,8 % der bayerischen Landwirte am meisten die lange Flächenbindung ab. 60,8 % sind der Meinung, dass die Greening-Prämie nicht ausreichend ist, um den erhöhten Arbeitsbedarf bei der Ernte zwischen den Agrarholzstreifen zu entgelten.

Bei Themen wie Ertragsverluste bei der angrenzenden Kultur, unregelmäßige Zahlungsströme oder Kosten des Agrarholzanbaus sind Bayerns Landwirte geteilter Meinung. Nahezu die Hälfte der Befragten (47,8 %) wird durch die hohen Anlagekosten abgehalten. Die geringe Attraktivität von Agrarholz liegt für 43,5 % in den möglichen Ertragsverlusten und für 41,3 % in den unregelmäßigen Zahlungsströmen. 39,1 % der Landwirte aus Bayern lehnen streifenförmig integriertes Agrarholz aufgrund der Kosten ab.

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