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Arbeitssicherheit

„Nur mal schnell“ kann Leben kosten

SVLFG
am
18.04.2017

Tirschenreuth - Egal wie sehr die Zeit drängt, wer vor dem Fällen auf die Gefährdungsbeurteilung verzichtet, spielt mit seinem Leben. Das musste auch Ely Eibisch am eigenen Leib erfahren. Um andere zu sensibilisieren, sprach er über seinen Unfall.

Ely Eibisch

Ich war zwischen Baum und Boden eingeklemmt und hatte so starke Schmerzen, dass ich gegen die Bewusstlosigkeit kämpfte. Mit diesen Worten beschreibt Ely Eibisch die bedrohliche Lage unmittelbar nach seinem schweren Waldunfall im Januar diesen Jahres. Der BBV-Kreisobmann im Landkreis Tirschenreuth und inzwischen auch stellvertretender BBV-Bezirkspräsident, kämpft heute noch mit den Folgen des Unfalls: Er hat Probleme beim Laufen und richtig heben kann er auch nicht. Beschweren will er sich aber nicht, denn er hatte immer noch sehr viel Glück im Unglück.

Doch was ist passiert? Eibisch war unterwegs zur Waldarbeit, auf dem Weg fiel ihm eine Erle auf, die er schon seit Langem fällen wollte. Weil der Boden gefroren war und damit die Bedingungen für den Abtransport optimal waren, entschied er sich, die Erle „auf die Schnelle“ umzuschneiden: Der Baum fiel wie er sollte, für Eibisch war die Fällung abgeschlossen und er entfernte sich vom Baum. Durch seinen Zwieselwuchs blieb dieser allerdings nicht liegen und erfasste Eibisch im Drehen am Becken, drückte ihn auf den Boden und dabei rammte sich Eibisch einen vom Biber abgefressenen Baumstumpf in den Oberschenkel.

Schwer verletzt und mit starken Schmerzen lag Eibisch eingeklemmt am Boden. Glücklicherweise hatte er sein Handy in der Brusttasche und konnte die rettende Hilfe verständigen. Bemerkenswert ist, dass sich Eibisch bis zum Eintreffen der Rettungskräfte selbstständig befreien konnte. Denn die noch laufende Kettensäge stand in seiner Reichweite, so konnte er den Baum abschneiden und sich von seiner Last befreien.

Im Krankenhaus angekommen war die Sorge groß, denn die Ärzte stellten fest, dass bei dem Unfall auch Dornfortsätze angebrochen wurden. Um so größer war die Erleichterung, als Eibisch seine Füße und Zehen bewegen konnte.

In der Zeit nach dem Unfall habe sich bestätigt, dass er mit der Berufsgenossenschaft einen zuverlässigen Partner an seiner Seite hat, der ihn bei seiner Genesung bestmöglich unterstützt, so Eibisch.

Leichtsinnig durch Stress und Zeitdruck

Wie es zu dem Unfall kam, weiß Eibisch ganz genau: Während er seinem Sohn verboten hatte, alleine zum Fällen in den Wald zu gehen, hatte er an jenem Januartag entschieden, genau das zu tun. Zusätzlich hat er sich vom Zeitdruck beeinflussen lassen. Eigentlich ist Eibisch für sein Motto „Was du tust, bereite dich gut darauf vor“ bekannt, an diesem Tag jedoch hat er unvorbereitet mit der Fällung begonnen und aus Zeitgründen auf eine Gefährdungsbeurteilung verzichtet.

Er ist sich sicher, dass ihm dieser Unfall erspart geblieben wäre, hätte er sich nur ein paar Minuten Gedanken über die Fällung gemacht. „Sicherheit und Gesundheit haben auch vor dem Unfall schon immer einen großen Stellenwert gehabt. Stress und auch zeitlicher Druck lassen einen leichtsinniger und unvorsichtiger werden. Doch die Gesundheit muss an erster Stelle stehen, denn erst bei deren Verlust merkt man, dass sie das Wichtigste ist – alles andere kommt erst danach, auch die Wirtschaftlichkeit“, fasst Eibisch seine Gedanken zusammen und appelliert an alle Waldarbeiter niemals alleine in den Wald zu gehen und sich immer genügend Zeit für die Gefährdungsbeurteilung zu nehmen, denn das kann Leben retten.

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