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Neue Studie

Belege für das Insektensterben sind umstritten

Griechische Honigbiene
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
23.10.2017

Eine neue, regional durchgeführte Studie geht von einem Rückgang an Insekten aus. Wie aussagefähig die Studie ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Eine Forschergemeinschaft aus niederländischen, deutschen und britischen Wissenschaftler hat in der Fachzeitschrift Plos one eine Studie veröffentlicht aus der hervorgeht, dass die Zahl der fliegenden Insekten zurückgegangen ist. Die Autoren stützen ihre Beobachtung auf die Auswertung von Insektenfallen.

Die Fallen waren von Mitgliedern des Entomologischen Vereins Krefeld in den vergangenen 27 Jahren an 63 Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz aufgestellt worden. Darin verfingen sich fliegende Insekten, die von den Forschern gewogen wurden. Die Wissenschaftler  kamen nun zu dem Schluss, dass seit 1989 die Masse der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen ist. Bei den Orten handelte es sich um Naturschutzgebiete. Über die Ursachen machte die Studie kaum Aussagen.

     

    Wie die Studie zu bewerten ist, darüber scheiden sich die Geister.

    • Der Deutsche Bauernverband forderte ein repräsentives Monitoring über Insektenbestände mit belastbaren Datenreihen. Die sieht er bei der vorliegenden Studie nicht gegeben. Deshalb sei eine weitere Forschung zum Umfang und den Ursachen notwendig. Außerdem verwies Präsident Joachim Rukwied auf das große Interesse der Landwirte am Erhalt der Vielfalt von Insekten und Vögeln und dass auf jedem dritten Hektar bereits freiwillige Agrarumweltprogramme umgesetzt würden. Zusätzlich beteiligten sich die Landwirte an Vertragsnaturschutzprogrammen, legten Blühstreifen und Landschaftselemente an.
       
    • Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) betrachtet die Hinweise als besorgniserregend mit Folgen für Bestäubung, Biodiversität und ökologische Systeme und fordert alle Seiten dazu auf, diese ersten Forschungsergebnisse sehr ernst zu nehmen, sorgfältig und ehrlich weiter zu untersuchen und diese nicht zur vordergründigen Rechtfertigung allgemeiner agrarpolitischer Zielvorstellungen zu instrumentalisieren. Dies gelte gleichermaßen für die Agrarchemie und für Naturschutzverbände.
       
    • Der Naturschutzbund betrachtet die Studienergebnisse als repräsentativ für alle Offenlandbiotope des deutschen Tieflands. Damit seien sie von überregionaler Bedeutung und ließen vermuten, dass es sich beim Insektenrückgang um ein flächendeckendes Problem handele.
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