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Bergahorn wächst auch bei Dürre

Bergahorn
Franz Binder, Carolina Fricker, Michael Pfatrisch LWF, Freising
am
30.08.2017

München - Derzeit wird intensiv über die die Aufforstung mit Baum­arten aus Regionen, die unser künftiges Klima abbilden, diskutiert.

Von 1881 bis 2014 stiegen die mittleren Jahrestemperaturen in Deutschland um 1,3 °C an. Das Tempo der Klimaerwärmung ist für heimische Baumarten ein Problem. Der Bergahorn aber kann der Edelkastanie gut paroli bieten.
Derzeit wird intensiv über die die Aufforstung mit Baum­arten aus Regionen, die unser künftiges Klima abbilden, diskutiert. Arten aus solchen Regionen könnten eine sinnvolle Ergänzung sein. Aber auch unter den heimischen Baumarten gibt es welche, die sich an den Klimawandel anpassen können. Dazu zählt beispielsweise der Bergahorn.
Das zeigte sich bei einem Forschungsprojekt auf einer Aufforstungsfläche im Gemeindewald Hausen auf der fränkischen Platte ca. 20 km nördlich von Würzburg. Im Trockenjahr 2003 befanden sich auf der Fläche ca. 20-jährige Edelkastanien und Bergahorne. Der Vergleich dieser beiden Baumarten erschien besonders reizvoll, da sie von Natur aus in klimatisch unterschiedlichen Regionen vorkommen (Tabelle1). Als Messgröße für die Auswirkungen des Trockenjahres 2003 wurde der Jahresringzuwachd verwendet, weil der sich infolge von hohen Temperaturen verbunden mit lang anhaltender Trockenheit häufig verändert.
In den Wintern 2015/2016 und 2016/2017 wurde in den Beständen eine Auslesedurchforstung durchgeführt. Den gefällten Bedrängern wurden am dickeren Ende des Stammes für die Jahrringanalysen Stammscheiben entnommen, im Trockenschrank entfeuchtet und anschließend geschliffen. Insgesamt wurden an 39 Edelkastanien- und 26 Bergahornbaumscheiben Jahrringanalysen durchgeführt. Die Messung der Jahrringbreiten erfolgte mit einem speziellen Programm im Jahrringlabor der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Ahorn wächst auch bei Wassermangel

Es zeigte sich, dass Ahorn und Edelkastanie im Zuwachs unterschiedlich auf das Trockenjahr 2003 reagierten. Bei der Edelkastanie ging der Jahrringzuwachs deutlich zurück. Allerdings erreichte der Zuwachs bereits im kühlen, niederschlagsreichen Jahr 2004 wieder das Niveau von 2002. Die Edelkastanie hatte sich also sehr schnell wieder erholt.
Im Unterschied dazu gingen beim Bergahorn im Durchschnitt der analysierten Scheiben die Zuwächse im Trockenjahr nicht zurück. Dies traf auch auf die Zuwächse in den Folgejahren zu. Zugegebenermaßen gilt das nicht für alle Bergahorne. Die zwei Bergahornscheiben mit den größten Durchmessern verzeichneten einen Zuwachsrückgang. Dies könnte darauf hindeuten, dass Bergahorne, die aufgrund ihres Umfeldes im Bestand besonders begünstigt sind, auf Stresssituationen empfindlicher reagieren.

Sieger und Verlierer im Klimawandel

Zu unserer Überraschung reagierte auf der untersuchten Fläche die Edelkastanie, bezogen auf den Jahrringzuwachs, stärker auf die Trockenheit als der Bergahorn. Dies könnte der Tatsache geschuldet sein, dass die Edelkastanie für optimales Wachstum nach Literaturangaben mindestens 600 mm Jahresniederschlag benötigt und im Trockenjahr 2003 nur 582 mm/Jahr fielen. Sollten die Niederschläge im Zuge des Klimawandels zurückgehen, könnte im Umkehrschluss auf diesem Standort das Anbaurisiko für Edelkastanie zunehmen. Dies gilt insbesondere, wenn sich Trockenjahre häufen sollten.
Die Reaktion des Bergahorns bestätigt letztendlich die Vermutung, dass sich diese Baumart auch in Zukunft auf Standorten mit frischer bis mäßig trockener Wasserversorgung gut für den Anbau eignet. Der Bergahorn könnte also zu den Gewinnern des Klimawandels zählen. Auch in der Klimahülle von Kölling für den Bergahorn kommt das zum Ausdruck.
Niederschlag und Temperatur sind die entscheidenden Faktoren zur Bewertung des Anbaurisikos von Baum-
arten. Doch darf nicht übersehen werden, dass Baumarten ganz unterschiedlich durch Schädlinge und Krankheiten gefährdet sind. Das trifft nicht zuletzt auch auf unsere Baum­arten zu. Verticillium-Welke am Bergahorn und Kastanienrindenkrebs an Edelkastanie sind ernstzunehmen und dürfen bei der Baumartenentscheidung nicht außer Acht gelassen werden.

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