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Umwelt

Bibermanagement konsequent anwenden

von , am
18.09.2015

<b>Geisenfeld</b> - Wachsende Biberpopulation sorgt für zunehmende Probleme.

Besichtigung von Biberschäden in Feilenmoos im Landkreis Pfaffenhofen. Landwirt Martin Braun, Anton Kreitmair Präsident BBV Oberbayern, Umweltministerin Ulrike Scharf, BBV-Kreisobmann Max Weichenrieder und Bauernpräsident Walter Heidl. © BBV
Der Biber ist in weiten Teilen Bayerns angekommen. Innerhalb von vier Jahrzehnten ist die Population von etwa 120 auf mittlerweile weit über 20.000 Tieren so stark angewachsen, dass es mit Kommunen und Landnutzern immer mehr Konflikte durch Biberschäden gibt. Ein Bild davon konnte sich Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf heute im Feilenmoos in der Nähe von Geisenfeld im Landkreis Pfaffenhofen machen. Bauernpräsident Walter Heidl erläuterte gemeinsam mit dem Kreisobmann des Landkreises Pfaffenhofen, Max Weichenrieder, sowie betroffenen Landwirten die Situation.
Der Biber hinterlässt Fraßschäden in Mais- und Getreidebeständen, er sorgt für überschwemmte Acker- und Wiesenflächen, Schlepper brechen ein, weil Wiesen, Äcker und Wege unterhöhlt werden. Die Schäden nehmen zu: Allein im Jahr 2014 wurden über 700.000 Euro an Schäden in der bayerischen Land-, Forst- und Teichwirtschaft von den Naturschutzbehörden bestätigt. „Der Biber wurde erfolgreich wieder angesiedelt. Die Landwirtschaft steht zur Biodiversität und will sie auch erhalten“, betont Bauernpräsident Walter Heidl. „Wo aber Bestände zu groß werden, muss regulierend eingegriffen werden.“ Daher sei die konsequente Umsetzung des bayerischen Bibermanagements dringend notwendig. „Mit der Artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung sowie dem Biberfonds wurden 2008 zwei wichtige Instrumente geschaffen, um Konflikten mit dem Biber besser begegnen zu können“, sagte Heidl. Dennoch steigen die Schadensmeldungen.
Nach Ansicht der Bauern müsse der strenge Schutzstatus überdacht werden. In Problem behafteten Gebieten, insbesondere an kleineren Gewässern, müsse der Biber besser und unbürokratischer reguliert werden können. Zudem sollten die Möglichkeiten des Bibermanagements auch für Schutzgebiete erweitert werden. „Auch der Naturschutz sollte ein Interesse daran haben. Denn wo der Biber überhandnimmt, kann auch der übrige Artenschutz unter dem Biber leiden“, sagte Heidl. Können zum Beispiel Vertragsnaturschutzflächen nicht gemäß den Vorgaben gemäht werden, weil sie zu nass oder unterhöhlt seien, könne dies auch den Lebensraum anderer geschützter Arten, wie zum Beispiel Brachvogel oder Kiebitz, gefährden.
Um betroffene Grundeigentümer und Landwirte nicht mit den Schäden alleine zu lassen, plädiert Heidl zudem für eine Aufstockung des derzeit regelmäßig überzeichneten Biberfonds.
Für eine nachhaltige Regulierung der Biberbestände, sollten die örtlich zuständigen Revierinhaber und Jäger besser eingebunden werden, schlägt der Bauernpräsident vor. „Hier liegt die Kompetenz in der Hege und Bewirtschaftung von Wildbeständen.“ Letztlich müsse auch über eine Lockerung des Vermarktungsverbotes nachgedacht werden. „Dies würde dem Leitsatz der Bayerischen Biodiversitätsstrategie, nämlich Schützen durch Nützen, entsprechen.“ (pd)
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