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Bayern

Dritter Nationalpark - Holzwirtschaft will intelligentere Lösung

pd
am
06.02.2017

Berlin- In der Diskussion um einen dritten Nationalpark in Bayern hat sich die Holzwirtschaft zu Wort gemeldet und ihre Sorge zum Ausdruck gebracht.

Eichenlaub

„Mit der Installation immer neuer Nationalparke und den damit verbundenen Flächenstilllegungen reduziert die Politik das Thema Naturschutz auf eine Schwarz-Weiß-Debatte, die ohne Not Ängste schürt und zu verhärteten Fronten führt“, sagt Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH), der gemeinsam mit dem Verband der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern-Thüringen e. V. (VHK) zu einer Informationsveranstaltung am 20. Januar 2017 nach Aschaffenburg einlud. Dieser Logik wolle man sich seitens der Wirtschaft nicht länger hingeben: „Die unterschiedlichen Interessen von Naturschutz, Tourismus und Wertschöpfung können und müssen heute intelligenter in Einklang gebracht werden“, findet Schmidt.

Zugang zum Wald auch für Erholungssuchende eingeschränkt

Nationalparke sind für den Menschen tabu. Sport und Erholung werden eingeschränkt, ein Betreten ist in der Regel nur noch auf gekennzeichneten Wegen gestattet, größere Wandergruppen brauchen eine Genehmigung der Nationalparkverwaltung. Beeren, Pilze, Brennholz oder Schmuckreisig dürfen nicht mehr gesammelt und genutzt werden, viele Wege werden gesperrt oder sogar unter hohen Kosten zurückgebaut.

Pauschale Forderungen nach Nutzungsverzicht sind zudem nicht nur wirtschaftlich fragwürdig, sie könnten auch zu einer Spaltung der Bevölkerung führen: „In zahlreichen Regionen ist das Recht auf Holznutzung seit dem Mittelalter verbrieft und damit gewachsener Bestandteil der Landeskultur,“ so Peter Fickler, Präsident des Verbands der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung Bayern/Thüringen e. V. Sich darüber hinwegzusetzen sei ein schwerwiegender Eingriff in die Geschichte und das Selbstbewusstsein der Region.

Die bayerische Holzwirtschaft ist wichtiger Wirtschaftspfeiler

Allein in Bayern erwirtschaften im Cluster Forst und Holz ca. 196.000 Beschäftigte in über 27.000 Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 37 Mrd. Euro. „Viele der Betriebe blicken bereits auf eine jahrhundertelange Tradition zurück und sind ein unverzichtbarer Pfeiler für Beschäftigung, Wertschöpfung und die Kultur in den ländlichen Regionen,“ so Fickler. Zahlreiche Studien würden anschaulich die positiven Effekte einer nachhaltigen Forst- und Holzwirtschaft auf die Steigerung der Biodiversität und des Klimaschutzes belegen, so Fickler weiter. Neben der Stärkung der ländlichen Regionen trage die Branche zudem maßgeblich zu der Erzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien und deren Nutzung in den laufenden Produktionskreisläufen bei.

Auch Bürger im Widerstand

Der Widerstand gegen den Nationalpark kommt nicht nur vonseiten der Wirtschaft. Auch in den Regionen sind die Bürger aktiv. Beispiele sind der 16.000 Mitglieder starke Spessartbund e.V. sowie der 2014 gegründete Verein Wir im Spessart e.V. „Der Wald, die Flure und deren Nutzung sind für die Menschen seit Jahrhunderten identitätsstiftend. Diese Kulturlandschaft mit all ihren Facetten gilt es zu schützen“, erklärt der erste Vorsitzende, CSU-Landtagsabgeordneter Peter Winter. Er gehört somit zu dem beachtlichen Teil seiner Fraktion, der der Entscheidung aus dem Umweltministerium kritisch bis ablehnend gegenübersteht.

Hintergrund

Im Sommer 2016 verkündeten Umweltministerin Ulrike Scharf und Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) die Bestrebungen, einen dritten Nationalpark in Bayern auszuweisen. Nach den südbayerischen Schutzgebieten im Bayerischen Wald (seit 1970) und in Berchtesgaden (seit 1978) steht die Region Franken im Fokus. In Frage kommen offenbar vor allem der Spessart sowie die Rhön. Aktuell laufen Gespräche bezüglich möglicher Gebietskulissen. Im Frühjahr soll der Findungsprozess in die nächste Phase gehen

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