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Unfallverhütung

Forstseilwinden - die Gefahren nicht unterschätzen

"Thomas Fottner Bayerische Waldbauernschule, Kelheim/Goldberg"
am
24.11.2017

Forstseilwinden haben mehrere Tonnen Zugkraft – und die brauchen sie auch. Wenn diese Kräfte aber unkontrolliert frei werden, kann das zu schlimmen Unfällen führen.

Rücken miit Seilwinde

Es ist immer wieder erstaunlich, welch dicke Stämme mit einer Forstseilwinde bewegt werden können. Die meisten Dreipunktseilwinden verfügen über eine maximale Zugkraft zwischen 40 und 80 Kilonewton, was einer Zugkraft von etwa 4 bis 8 t entspricht. Diese Kräfte können aber auch unkontrolliert frei werden – das müssen sich Menschen, die mit Seilwinden arbeiten, ständig vergegenwärtigen.

Jeder kennt den Spruch: „Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“. Gleiches gilt für die Kraftübertragung von der Seilwindentrommel zum angehängten Stamm. Das System Seil, Seilendverbindung und Anschlagkette muss den maximal auftretenden Zugkräften standhalten. Ist nur ein Teil beschädigt oder zu schwach dimensioniert, kann es zu schwersten Unfällen kommen. Deshalb müssen alle Komponenten mindestens das Doppelte der maximalen Windenzugkraft aushalten.

Kettenriss: Auch das Schutzgitter hält nicht

Umsturzgefahr

Insbesondere bei einem Kettenriss kann das beschleunigte Metall pro-blemlos das Schutzgitter der Seilwinde durchschlagen. Dies gilt gleichermaßen für Stahl- und Dyneemaseile (Kunststoffrückeseile). Da Seile wie Ketten bei der Waldarbeit einem hohen Verschleiß ausgesetzt sind, ist eine ständige Überprüfung auf Materialschäden unabdingbar.

Eine physikalische Besonderheit tritt bei der Umlenkrolle auf. Hier kann die wirkende Kraft – genau wie beim Flaschenzug – bis zum Doppelten der maximalen Windenzugkraft ansteigen. Demnach ist es logisch, dass sich niemand im Innenwinkel einer Seilumlenkung aufhalten darf, denn hier wirken immense Kräfte. Kommt es zum Bruch der Umlenkrolle, fliegt diese zusammen mit dem Seil geschossartig durch die Luft. Deshalb ist auf eine ausreichende Dimensionierung und einen sorgfältigen Einbau der Rolle zu achten.

Wenn Kurzholz ausschlägt

Seilschaden

Bleiben wir gedanklich bei der hohen Zugkraft, die Seilwinden leisten: Wird ein Stammabschnitt mit 4 oder 5 m Länge beigeseilt und stößt auf ein Hindernis – beispielsweise auf einen Wurzelstock –, baut sich in Sekundenbruchteilen die volle Seilwindenzugkraft auf.

Das Kurzholz kann seitlich ausschlagen oder sich gar überschlagen. Insbesondere bei Funkseilwinden besteht die Gefahr, dass der Bediener neben oder vor dem Stamm läuft und vom ausschlagenden Kurzholz getroffen wird. Der sicherste Bereich ist deshalb hinter dem Stamm. Von dort folgt man diesem und beobachtet den Rückevorgang. Bei mechanisch gesteuerten Winden ist der sicherste Standort für den Bediener etwa 5 m neben dem Schlepper oder auf dem Fahrersitz hinter dem Schutzgitter.

Auf der Kippe: Die Technik kann helfen

Wieder geht es um die Zugkräfte. Aber dieses Mal hat sich die Last verkeilt, und der Stamm rührt sich nicht vom Fleck. Ist nun der Schlepper, bezogen auf die Windenzugkraft, zu leicht, oder wirkt die Zugkraft quer zur Schlepperachse, kann sich das Fahrzeug aufbäumen und kippen. Besonders bei seitlichem Zug geschieht das sehr schnell.

Ist ein Schlepper schlecht fixiert, zum Beispiel bei nicht heruntergelassenem Rückeschild, kann er zur Last gezogen werden und dabei gegebenenfalls über eine Böschung kippen. Um einen Schlepperumsturz zu vermeiden, kann bei Funkwinden eine elektronische Neigungsüberwachung installiert werden. Dadurch wird die Windenfunktion gestoppt, sobald an der Maschine kritische Neigungswinkel auftreten.

Handverletzungen sind keine Seltenheit

Immer wieder kommt es bei Seilwindenarbeiten zu Handverletzungen. Derartige Unfälle werden häufig durch Missverständnisse oder mangelnde Kommunikation verursacht. Bei mechanisch gesteuerten Forstwinden bedient eine Person die Seilwinde und eine zweite hängt das Holz an. Hier sind eindeutige Zeichen des Anhängers oder Funkkommunikation bei fehlender Sichtverbindung erforderlich. Andernfalls sind Quetschungen vorprogrammiert.

Bei funkgesteuerten Seilwinden kann es auch durch Bedienungsfehler zu schweren Handquetschungen kommen. Eine gewisse Häufung tritt bei folgender Situation auf: Das Seil-
ende befindet sich an oder kurz vor der Seileinlaufrolle, der Bediener möchte das Seil ausziehen, er nimmt das Windenseil direkt hinter dem Gleithaken, damit er diesen am zu ziehenden Stamm dabei hat. Kommt es nun zu einer Fehlbedienung der Funksteuerung und anstelle „Seil lösen“ wird die Funktion „Seil einziehen“ betätigt, so ist die Gefahr von Handquetschungen sehr hoch.

Arbeitsabläufe antrainieren

Die Unfallgefahr kann durch konzentriertes Arbeiten und trainiertes Verhalten deutlich reduziert werden: Den Funk nicht blind bedienen und nah an der Seileinlaufrolle nie das Seil hinter dem Gleithaken fassen. Eine weitere sinnvolle Möglichkeit sind technische Maßnahmen. Hier ist beispielsweise der von einem namhaften Hersteller angebotene Kunststoffgleitgriff zu nennen, der gleichzeitig Verletzungen durch Einzeldrahtbrüche vermeiden hilft.

Optimal im Sinne der Prävention wäre eine Seilendabschaltung, die die Funktion „Ziehen“ unterbricht, sobald sich das Seilende der Seileinlaufrolle nähert. Ein derartiger Prototyp befindet sich derzeit noch im Versuchsstadium.

Die Bayerische Waldbauernschule bietet Seilwindenkurse mit verschiedenen Schwerpunkten an. Im Kurs „Wiederkehrende Seilwindenprüfung“ geht es um die Überprüfung auf Betriebssicherheit. Der sichere und praktische Seilwindeneinsatz selbst ist Inhalt der beiden Kurse „Arbeiten mit der Seilwinde“ und „Seilunterstützte Fällung ohne Baumsteigen“.

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