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Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Klimawandel erzwingt Waldumbau

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Hans Dreier, Wochenblatt
am
23.09.2016

München - Sind Waldwirtschaft, Freizeit und Naturschutz in Einklang zu bringen?

Stammtisch des Wochenblattes auf dem ZLF

Um die Bewirtschaftung der Wälder noch naturnäher gestalten zu können, fordert der Bund Naturschutz (BUND) die Bereitstellung zusätzlicher staatlicher Mittel zur Finanzierung von Vertragsnaturschutzprogrammen mit den Waldbesitzern. „Bisher wird hier viel zu wenig gemacht“, sagte der BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger beim Wochenblatt-Stammtisch auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest. Wochenblatt-Chefredakteur Sepp Kellerer wollte von seinen Gästen erfahren, wie die Anforderungen von Natur, Freizeit und Wirtschaft in Bayerns Wäldern am besten in Ausgleich gebracht werden können.

Der Vorschlag von Weiger löste bei Josef Ziegler, dem Vorsitzenden des bayerischen Waldbesitzerverbandes, aber keineswegs Jubelstürme aus. Von den Landwirten wisse man, dass solche Förderungen auch mit zahlreichen Einschränkungen und viel Bürokratie verbunden sind. „Ich denke nicht, dass pauschale Vergütungen sinnvoll sind“, sagte Ziegler. Ihm sei es wichtig, dass eine möglichst große Bewirtschaftungsfreiheit erhalten werde. Kritisch sieht Ziegler Fördermaßnahmen, die zu einem höheren Schutzstatus führen, der dann nicht mehr umkehrbar sei.

Weiger stellte klar, dass der Naturschutz das Privateigentum respektiere. Die Einrichtung eines Nationalparks sei ganz klar nur im Staatswald möglich, den privaten Waldbesitzern sei das nicht zumutbar. Dass die bayerische Staatsregierung jetzt eine dritten Nationalpark ausweisen möchte, freue ihn natürlich.

Johann Koch von ProHolz Bayern gab zu bedenken, dass von einer Nationalparkausweisung nicht nur der Staat als Waldeigentümer betroffen ist, sondern die gesamt Wertschöpfungskette. Im Gebiet des Steigerwaldes seien beispielsweise 60 Sägewerke angesiedelt, die auf die Verarbeitung von Laubholz spezialisiert sind. Ein Nationalpark würde den Sägewerken den Rohstoff entziehen und ihre Existenz gefährden. Die Erfahrung dieser Sägewerke werde jedoch in Zukunft ganz wichtig sein, weil durch den Waldumbau künftig viel mehr Laubholz anfalle.

Dass Naturschutzmaßnahmen auch im Wirtschaftswald sinnvoll und auch umsetzbar sind, machte Ulrich Mergner vom staatlichen Forstbetrieb Ebrach deutlich. Von den 17.000 ha des Staatforstes sind 400 ha für den Naturschutz reserviert. Darüber hinaus wurden rund 200 kleinere Flächen aus der Nutzung genommen. Man lasse auch bewusst mehr Totholz in den Beständen. „Totholz bedeutet kurzfristig einen Verzicht“, räumte Merger ein, „langfristig zahle sich das jedoch aus, weil damit der Boden verbessert und das Wachstum der Bäume verbessert werde.“

Unter den Folgen des Klimawandels hat besonders die Fichte zu leiden. Nach Ansicht von Josef Ziegler vom Waldbesitzerverband müssen die Waldeigentümer künftig das Risiko besser streuen. Es plädiert dafür, sich hier am Ziel der Staatsforsten zu orientieren und Mischbestände aus mindestens vier Hauptbaumarten anzulegen. Tanne und Douglasie seien hier gute Alternativen.

Ob denn  auch der Naturschutz die Douglasie akzeptieren könne, wollte Moderator Kellerer vom BUND-Chef wissen. Weiger, der selbst studierter Forstwirt ist, zeigte sich für die Douglasie durchaus offen, machte aber keinen Hehl daraus, dass er eine andere Baumart noch mehr bevorzugen würde. Weiger: „Die Weißtanne wächst sowohl bei uns als auch in Sizilien und hat damit ihre hohe Klimatoleranz bereits unter Beweis gestellt. Das sollten wir künftig stärker nutzen“.

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