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Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Lebendige Dörfer gestalten

Sophia Gottschaller
am
30.09.2016

München - Die Dörfer in Bayern waren früher landwirtschaftlich geprägt, es gab Einkaufsmöglichkeiten wie Metzger, Bäcker und einen Dorfladen. Das Zentrum des Dorfes und der Dorfgemeinschaft war die Kirche, die Menschen waren in Vereinen aktiv und trafen sich im Wirtshaus.

Wochenblatt-Stammtisch auf dem ZLF

Doch in vielen Dörfern hat sich das Bild gewandelt: Die Landwirtschaft rückt zunehmend an den Rand, genauso wie, falls überhaupt noch vorhanden, die Einkaufsmöglichkeiten. In der Dorfmitte stehen Häuser leer, Dorfwirt und Geschäfte haben immer weniger Zulauf.
Was es braucht, damit das Leben auf dem Dorf wieder attraktiver wird, wollte Moderator und Chefredakteur Sepp Kellerer beim siebten und letzten Stammtisch des Wochenblattes auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest von seinen Gästen wissen.
Landvolkpfarrer Josef Mayer sieht es als große Herausforderung, eine lebendige Dorfgemeinschaft zu gestalten. „Damit das gelingt, müssen viele Aspekte gegeben sein“, ist er überzeugt und zählt einige auf: „Die Dorfmitte muss ein Zentrum sein, an dem man sich gerne trifft, zudem braucht es ein kulturelles Angebot, auch für die Jugend“. Außerdem sei es nötig, tolerant zu sein. Man solle nicht nur an sich selbst denken, sondern auch an seine Mitmenschen und die Gemeinschaft. Zudem betonte er, dass man wieder deutlich mehr Bewusstsein für die Landwirtschaft schaffen müsse: „Die Menschen müssen wieder ein Gespür dafür entwickeln, was Landwirtschaft ist“. Ein großes Pro­blem ist, dass die Einkaufsmöglichkeiten zunehmend außerhalb der Dörfer liegen – vor allem für alte Menschen.
„Es ist wichtig, dass es überhaupt gewerbliches Leben gibt, aber innerorts ist das heute oft schwierig“, hielt Albert Füracker, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, dem entgegen. Oft sei es sowohl von den Gemeinden als auch von den Gewerben selbst gewünscht, dass sich diese außerhalb der Dörfer ansiedeln. Da die Menschen seiner Ansicht nach heute deutlich mobiler sind, sei die Erreichbarkeit kein so großes Problem. Als wichtigen Punkt für lebendige Dörfer nannte er den Ausbau des Datennetzes. Dadurch könnten Arbeitnehmer, die eigentlich pendeln müssen, auch von Zuhause aus arbeiten. Außerdem müssen in den Dörfern Arbeitsplätze geschaffen werden. Elementar sei auch, dass sich die Menschen mit ihrem Dorf identifizieren. „Nur wer ein überzeugter Dörfler ist, kann diesen Stolz und die Lust am Dorfleben auch an seine Kinder weitergeben“, ist Füracker überzeugt.
Den menschlichen Beitrag stellte auch Anton Kreitmair, BBV-Bezirkspräsident von Oberbayern, MdL, in den Vordergrund. „Jeder Mensch kann seine Umgebung gestalten und wer das wirklich will, schafft es auch“, betonte er. Ein gutes Vereinsleben und vielseitige Angebote würden ein lebendiges Dorf auszeichnen, doch diese Angebote müssten von den Menschen auch angenommen werden. „Die Politik kann hier nur die Grundlage schaffen. Die Menschen müssen in die Läden und ins Wirtshaus gehen und in den Vereinen aktiv werden!“ Als weitere wichtige Punkte nannte er generationenübergreifenden Wohnraum und soziale Betreuung älterer Menschen. Kreitmair beklagte, dass die Bürger zwar die Landwirtschaft wollen, aber nicht in ihrem Dorf. „Ich wünsche mir von den Landwirten und den Menschen im Dorf ein Miteinander und im besten Fall sogar ein Füreinander!“

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