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Agrar-Familie 2017

„Macher“ mit Mut und Maß

Agrar-Familie 2017
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Anna Knon, Wochenblatt
am
21.09.2017

München - Insgesamt gingen 40 Bewerbungen für den Wettbewerb „Agrar-Familie 2017“ ein. Jetzt stehen die Gewinner fest.

Jede war in ihrer Art besonders, trotzdem musste die Jury Sieger küren. In jeder der drei Wettbewerbskategorien Betriebsentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und Soziales wurde je ein Sieger ermittelt sowie je ein Sonderpreis. Außerdem gab es einen Preis für den besten Jungunternehmer-Betrieb. Im Folgenden ein Überblick über die Preisträger.

Betriebsentwicklung

Gewinner in dieser Kategorie ist Familie Kneißl, Raingasse 3, 90602 Rengersricht, (Oberpfalz),
www.Hofmolkerei-Kneissl.de. „Vom Stall in die Milchtüte“ – so haben sie ihre Bewerbung betitelt. Mit dem Bau eines neuen Laufstalles für 75 Milchkühe und dem Kauf einer gebrauchten Molkerei begann das Projekt „Hofmolkerei“. Die Familie entschied sich damit gegen eine Aufstockung und Zupacht und setzt bewusst auf höhere Wertschöpfung aus den eigenerzeugten Produkten. Die ersten Produkte (Trinkmilch, Natur- und Frucht-
Joghurts) wurden 2015 verkauft. Gegenwärtig vermarktet die Familie etwas mehr als die Hälfte der auf dem Hof erzeugten Milchmenge von etwa 12.000 Litern pro Woche selbst.

Die Familie setzt auf intensives Marketing und Veranstaltungen, wie z. B. Verkostungen in Märkten sowie Betriebsführungen, abgestimmt auf unterschiedliche Zielgruppen. Mit der schrittweisen Erweiterung des Sortiments und Ausweitung des Liefergebietes soll die wirtschaftliche Basis des Betriebes mit den Standbeinen Milchviehhaltung, Molkerei, Lohndrusch und Betriebsführungen weiter abgesichert werden. Grundlage aller Prozesse auf dem Hof ist die klare Aufgabenteilung und starke gegenseitige Unterstützung innerhalb der Familie Kneißl.

Den Sonderpreis in der Kategorie Betriebsentwicklung errang Familie Froschhammer, Stadtberg 1, 93107 Thalmassing, (Oberpfalz), www.naturlandhof-froschhammer.de. Ihr Projekt: „Aufbau einer Direktvermarktung mit Bio-Schweinefleisch aus Freilandhaltung von Bunten Bentheimer Schweinen als Kernprodukt“. Eigentlich war der Ausstieg aus der Landwirtschaft auf dem Betrieb Froschhammer schon beschlossen. Mit dem Eintritt des Betriebsleiterehepaares Charlotte und Ludwig Froschhammer in den Ruhestand sollten die Flächen verpachtet werden. Doch 2008 entschied sich Sohn Peter, ökologische Agrarwissenschaften zu studieren und den Betrieb weiterzuführen. Die Familie stellte den Betrieb 2009 auf Ökolandbau um. Eine Fortführung der Rinderhaltung und der Bau eines neuen Stalles waren keine Option. Mit der Haltung und Vermarktung von Bunten Bentheimer Schweinen im Freiland war dagegen schnell die Marktnische gefunden. Überzeugt hat die Jury, dass um die Kern­idee herum das Betriebskonzept konsequent durchkalkuliert und weiterentwickelt wurde, wie etwa die Veredlung und Direktvermarktung weiterer Produkte aus dem Betrieb oder der Zukauf ergänzender Produkte für den Hofladen. Die Werbemaßnahmen werden bereits federführend vom zukünftigen Betriebsleiterehepaar Peter und Kathrin Froschhammer organisiert und umgesetzt. Hofführungen, Hoffeste oder kundenfreundliche Öffnungszeiten des Hofladens sowie Mundpropaganda tragen dazu bei, den Kundenkreis beständig zu erweitern.

Öffentlichkeitsarbeit

Der 1. Preis in der Wettbewerbskategorie Öffentlichkeitsarbeit ging an Familie Lampl, Kirchplatz 2, 85235 Pfaffenhofen (Oberbayern), www.lampl-hof.de. „Alles aus einer Hand“ ist ihr Motto.  Auf dem Lampl-Hof wird erfolgreich Direktvermarktung von Ochsenfleisch betrieben. Familie Lampl konnte eindrucksvoll darlegen, dass Marketing und ständiger Kontakt zum Verbraucher unabdingbar sind, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und den Hof dadurch vom Markt unabhängiger zu machen. Die Homepage ist stets auf dem neuesten Stand. Ein Online-Shop mit hofeigenen Fleisch- und Wursterzeugnissen wurde vor kurzem gestartet. Alle zwei Jahre kann der Verbraucher beim Ochsenfest Einblick in die Produktion nehmen. Überzeugt hat die Jury, dass die ganze Familie Lampl hinter dem konsequenten Ausbau der Marke und den Betriebsanpassungen durch die junge Generation steht, so dass alle Familienmitglieder auf dem Hof ihr Auskommen finden.

Den Sonderpreis in der Kategorie Öffentlichkeitsarbeit bekam Familie Herzog, Oberschwaningen 7, 91743 Unterschwaningen (Mittelfranken).  Sie bietet „Landwirtschaft erleben“ an und  hat den Mut bewiesen, auch mit einem großen Milchviehstall mit 200 Kühen in die Öffentlichkeit zu gehen. Der Familie ist es ein Anliegen, den Verbrauchern ein realistisches Bild von der umfangreichen Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb zu geben.
Überzeugt hat die Jury, dass bei den einzelnen Maßnahmen genau zwischen den Zielgruppen differenziert wird, von den Berufskollegen, bis hin zu Schulklassen, Auszubildenden und Studenten. Das große Interesse der Besucher motiviert die Familie, die zukünftige Palette ihrer Aktivitäten weiter zu entwickeln, wozu zum Beispiel eine Webcam gehören soll, die die Geburt eines Kalbes im Stall übers Internet einsehbar macht. Feste Besuchszeiten auf dem Betrieb, der Ausbau von Führungen für allgemeine Besuchergruppen bzw. für Fachbesucher sind weitere Planungen. Dabei sind drei Generationen eingebunden. Ein detailliertes Werbekonzept für die Aktivitäten und Angebote ist im Aufbau.

Soziales Engagement

Der 1. Preis in der Wettbewerbskategorie Soziales Engagement ging an Familie Hindelang, Höldern 1, 82249 Uffing-Schöffau, (Oberbayern), www.hoimahof.de. „Miteinand am Hoimahof“ lautet das Familien- und Betriebsmotto. Milchviehhaltung mit 50 Kühen ist die wirtschaftliche Grundlage für den Hof. Zugleich ist es der Familie wichtig, Außenstehenden bei Führungen Einblick in die heimische Landwirtschaft zu ermöglichen. Mit der Weiterentwicklung des Hofes zu einer Begegnungsstätte für Menschen verschiedenster Altersstufen soll ein weiteres Standbein aufgebaut werden. Dabei geht es auch um Inklusion, denn mit den Angeboten auf ihrem Hof möchte Familie Hindelang zum Beispiel Schulen und Kindergärten einen Ort bieten, wo Kinder mit und ohne Handicap zusammen spielen, miteinander lernen und gemeinsam die Welt entdecken können.

Überzeugend ist, dass das Projekt auf den betrieblichen Gegebenheiten aufbaut und die Bedürfnisse der angesprochenen Zielgruppen berücksichtigt. Die Familie – mit dem Betriebsleiterehepaar Anni und Josef Hindelang, den drei Kindern im Alter von 17, 15 und 13 Jahren sowie Oma und Opa – ist in die Entwicklung des Konzeptes und in die Umsetzung eingebunden und steht voll dahinter.

Den Sonderpreis in der Kategorie Soziales Engagement bekam Familie Sedlmair, Lodergasse 2, 85247 Puchschlagen (Oberbayern) mit ihrem „Erlebnisbauernhof Sedlmair GbR“. Zwei Generationen, Simon Sedlmair sen. und die beiden Söhne Mathias und Simon bewirtschaften den Hof mit rund 300 Milchkühen. Für die Arbeitserledigung wird voll und ganz auf den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit innerhalb der Familie gesetzt. Der Familie ist es außerdem sehr wichtig, Verbrauchern zeitgemäße Landwirtschaft nahe zu bringen. Dazu werden Aktivitäten für verschiedene Zielgruppen angeboten, wie Führungen für Schulkinder, Vereinsgruppen und Senioren. Auch Seminare werden durchgeführt, zum Beispiel wie man selbst Brot und Käse herstellen kann. Diese Aufgaben übernimmt zum größten Teil Anni Sedlmair, unterstützt von ihren Söhnen sowie den Schwiegertöchtern und der Tochter.

Nicht zuletzt durch bauliche Maßnahmen, durch die der Melkbereich und der Stall für die Besucher einsehbar sind und die verschiedenen Betriebsabläufe mitverfolgt werden können, zieht der Hof viele Besuchergruppen an.

Jungunternehmerpreis

Den Jungungernehmerpreis bekam Familie Gramsamer, Ollerding 2, 84529 Tittmoning, (Oberbayern), www.huber-hof.de. „Optimale Wertschöpfung aus drei Betriebszweigen“ ist ihr Betriebsmotto. Der Milchviehbetrieb wird bereits in der zweiten Generation ökologisch bewirtschaftet. Ein zweites Standbein ist „Urlaub auf dem Bauernhof“ mit 10 Ferienwohnungen. Hinzu kam die Energiewirtschaft mit Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, einer Holzvergaseranlage für die Wärme- und Stromerzeugung sowie eine Hackschnitzelheizung. Alle drei Betriebszweige sollen sich ergänzen bei bestmöglicher Wertschöpfung in jedem Bereich.

Das Projekt überzeugt, da die Betriebszweige nicht einfach nebenei­nander her laufen, sondern für jeden Zweig Kosten und Arbeitsbedarf genau kalkuliert werden. Auch die wöchentlichen Betriebsführungen für die Gäste zur nachhaltigen Landwirtschaft auf dem Hof fließen in die Projektplanungen ein. Ganz entscheidend bei allen Maßnahmen ist, dass die eingesetzte Arbeitszeit so bemessen ist, dass auch noch Zeit für das Familienleben bleibt.

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