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BLW-Stammtisch

Wie kann man moderne Landwirtschaft vermitteln?

Stammtisch des Wochenblattes auf dem ZLF
Elisabeth Jahrstorfer
am
20.09.2016

München - Am ersten Stammtisch des Wochenblattes auf dem ZLF haben Vertreter verschiedener Sparten das Thema diskutiert: „Fortschritt und Tradition: Wie soll sich die Landwirtschaft präsentieren? Die Moderation hatte der stellvertretende Chefredakteur Simon Michel-Berger.

Viele Menschen haben heute keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und wissen nicht, wie ihre Nahrungsmittel produziert werden. Dazu kommt, dass moderne Landwirtschaft oft ein schlechtes Image hat.

Um das Image der Landwirtschaft zu verbessern, wurde im September der Verein „Unsere Bayerischen Bauern e.V.“ gegründet. Dafür haben sich Vereinigungen aus vielen Bereichen der Landwirtschaft zusammengetan. Geschäftsführerin Eva-Maria Haas erklärte das Ziel der Aktionen: „Mit der Kampagne „Für alle nah – Unsere Bayerischen Bauern“ wollen wir die reale Landwirtschaft in ihrer ganzen Vielfalt darstellen und mehr Nähe und Verständnis zwischen Verbraucher und Erzeuger schaffen.“

Die Landwirte stellen ihre Arbeit auf Plakaten selbst vor. Im Internet finden sich dann Filme, die die Produktion genauer zeigen. „Es gibt keine besseren Kommunikatoren als die Landwirte selbst“, sagte Eva-Maria Haas. Sie ermunterte die Landwirte, auch mit den Medien zusammenzuarbeiten und nach vorne treten. „Wir unterstützen sie dabei“, sagte sie.

Die Chefredakteurin der Zeitschrift „echt Bayern“ Beate Strobel glaubt, dass das Interesse daran wie Lebensmittel produziert werden noch nie so groß war, wie jetzt. Gleichzeitig habe eine gewisse Romantisierung ihre Berechtigung, da sich die Menschen an einer heilen Bilderwelt erfreuen. Auch wenn sie wissen, dass das nicht echt ist. Die Journalistin und Psychologin ist überzeugt, dass sich auch High-Tech Landwirtschaft mit schönen Wörtern gut verkaufen lasse. Nach dem Motto: Medizin muss auch schmecken. Im Konflikt zwischen Landwirtschaft und Verbraucherinteresse müsse der Journalist beide Seiten darstellen und Verständnis für jede wecken. Er dürfe nicht Partei ergreifen. „Unsere Leserschaft möchte das Authentische.“

Auf der letztjährigen Agritechnica präsentierten sich die Maschinenringe mit einem Film, der die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft aufzeigte. „Wir erhalten die Kulturlandschaft und produzieren einwandfreie Lebensmittel. Darauf können wir Landwirte stolz sein“, sagte MR-Präsident Leonhard Ost. Landwirte seien immer in der Verteidigungsrolle, das interessiere niemanden. Die Menschen wollten Emotionen. „Wir müssen noch viel besser werden, uns darzustellen“, sagte er. Dabei ist ihm bewusst, dass die Landwirte teils an ihrem schlechten Image mitschuld sind. Um hier gegenzuwirken haben die Maschinenringe den Fahrer-Knigge für Biomassetransporte entwickelt. Mit dem Vortrag „Vom Bauerndorf zum Dorfbauern“, versuche der MR, den Landwirten ihre veränderte Rolle näher zu bringen. Landwirte müssten bei ihrer Arbeit auf die Nachbarn Rücksicht nehmen. Das bedeute zum Beispiel: mit den riesigen Fahrzeugen maximal mit 30 km/h durch den Ort fahren, um 22 Uhr mit dem Arbeiten aufhören und nicht am Freitag nachmittag neben der Siedlung Gülle fahren. „Wir müssen die veränderten Bedingungen akzeptieren“, sagt er und rät, die Nachbarn zu informieren, wenn man Mais siliert. Und sie einfach mal einzuladen und ihnen die Biogasanlage zu zeigen. „Wir haben produzieren gelernt, aber nicht, uns zu verkaufen.“

Jörg Migende leitet den Bereich digital Farming bei der BayWa. Er erinnerte daran, dass der technische Fortschritt in der Landwirtschaft zu einer enormen Arbeitserleichterung geführt hat. Die digitale Landwirtschaft sei nur die konsequente Weiterentwicklung. Sie werde beitragen die Arbeitsbelastung weiter zu senken, die Kosten zu reduzieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Familienbetriebe stärken. Dabei habe alles Vor- und Nachteile. Man müsse diese sehen, die Chancen und Risiken diskutieren und abwägen. Und man  müsse nicht alles machen, was technisch möglich sei.

Einig war sich das Podium, dass niemand Landwirtschaft dem Verbraucher besser näher bringen kann als die Bäuerinnen und Bauern selbst und dass es hier noch Defizite gibt. Wichtig sei in die Schulen zu gehen und die Kinder auf den Hof zu holen. „Ich möchte, dass die Landwirtschaft so gesehen wird, wie sie ist. Wir müssen uns nicht verstecken.“, betonte Eva-Maria Haas und Leonhard Ost ergänzte, dass die ganze Gesellschaft den technischen Fortschritt nutze. Entsprechend habe auch die Landwirtschaft ein Recht darauf. Schade nur, dass der Verbraucher die Vorteile nicht kenne.

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