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Bauer Willi

Wer melkt eigentlich das Heu?

Bauer Willi
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Karola Meeder, Wochenblatt
am
27.07.2017

Veitshöchheim - Eine junge Mutter die nach Kartoffelsamen fragt, eine Studentin die keine Kuhmilch mehr, sondern nur noch Heumilch trinkt und ein Familienvater der den Landwirt fragt, wann er die 1,5-prozentige und wann die 3,5-prozentige Milch melkt – was sich nach einem Scherz anhört, sind wahre Geschichten. Erzählt wurden sie von „Bauer Willi“ auf der Generalversammlung des Verbandes Fränkischer Zuckerrübenanbauer in Veitshöchheim.

Auch wenn er mit seinen Anekdoten für viele Lacher sorgte, so erzählte er sie nicht um sich über die Menschen lustig zu machen, sondern um den rund 350 Anwesenden Landwirten vor Augen zu führen, wie wenig der Großteil der Bevölkerung heutzutage von der Landwirtschaft versteht.

Dr. Willi Kremer-Schillings, seit einigen Jahren als „Bauer Willi“ bekannt, bewirtschaftet selbst einen Ackerbaubetrieb im Rheinland und sein Steckenpferd ist die Kommunikation zwischen Verbrauchern und Landwirten. Er betont, dass die meisten Menschen keine Berührungspunkte mehr mit der Landwirtschaft haben. Alles was sie über Ackerbau und Tierhaltung wissen, wüssten sie aus den Medien und dort stehe die Landwirtschaft meist in einem schlechten Licht.

Für Kremer-Schillings ist es höchste Zeit, dass die Landwirte selbst aktiv werden, denn „Meinung macht der, der den Mund aufmacht“. Es sei eine riesige Chance, dass die Verbraucher nur wenig darüber wissen, wie ihre Lebensmittel produziert werden. „Wir Bauern können ihnen die Wahrheit erzählen“, erklärte er. Kremer-Schillings appellierte an die Landwirte, jede Möglichkeit im Alltag zu nutzen um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben. Nicht immer sei dazu ein tiefgründiges Gespräch nötig, erklärte Kremer-Schillings. Denn es sei nicht zu unterschätzen, was man bei einem Kind erreiche, das auf dem Schlepper mitfahren darf.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen das Gegenüber weder Schlepper fahren noch Tiere streicheln will, sondern auf Konfrontation aus ist. Auch dafür hat Kremer-Schillings wertvolle Tipps: Niemals in die Verteidigungsposition bringen lassen. Das bedeutet, dass man auf den Vorwurf: „Die Landwirtschaft verpestet die Umwelt“ nicht mit „Das stimmt doch gar nicht“ antworten soll, denn damit nehme man automatisch eine Verteidigungsposition ein.

Kremer-Schillings rät stattdessen – frei nach dem Motto „Wer fragt, der führt“ – die Aussage des Gegenübers als Frage zu wiederholen. Allgemeine Formulierungen wie „Die Landwirtschaft“ sollten personalisiert werden – Also: „Du denkst ich verpeste die Umwelt?“. Vielen würde man auf diese Weise schon den Wind aus den Segeln nehmen. Für die harten Fälle rät Kremer-Schillings immer auf der sachlichen Ebene zu bleiben, nicht emotional zu werden und konkrete Sachfragen zu stellen. Früher oder später komme man dann an einen Punkt, wo dem Gesprächspartner das Fachwissen fehle. Und dann sei es die Aufgabe des Landwirts, die Hintergründe verständlich zu erklären.

Die Zeit, um mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen, sollte keinem Landwirt zu schade sein, denn Öffentlichkeitsarbeit ist für die Landwirtschaft eine tragende Säule, die künftig wohl noch wichtiger werden wird, betonte Kremer-Schillings und verabschiedete sich mit einem Zitat: „Auf einem schwankenden Schiff fällt nur der nicht um, der sich bewegt“. K. M.

Willi Kremer-Schillings: „Viele Verbraucher wissen wenig über Landwirtschaft. Für uns Landwirte ist das eine riesige Chance, denn wir können ihnen die Wahrheit erzählen.“

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