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Landesausschuss der Landfrauen

Regionalität – Die Zukunft liegt vor der Haustür

pd
am
04.11.2016

München - Der Landesausschuss der Landfrauen stand heuer ganz im Zeichen der Regionalität.

Landfrauenausschuss

Auf seiner jährlich stattfindenden Veranstaltung beschäftigte sich das oberste Gremium der Bäuerinnen im Bayerischen Bauernverband im Schwerpunkt mit den Chancen, die sich der Landwirtschaft durch das Thema bieten. „Regionalität ist im Trend. Das verschafft uns zusätzliche Wertschöpfungspotenziale in der Erzeugung regionaler Produkte und ihrer Vermarktung über den Einzelhandel, die Direktvermarktung, Gemeinschaftsverpflegung oder Gastronomie“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller vor den rund 80 Delegierten.

Anregungen holten sich die bayerischen Bäuerinnen dabei aus dem Nachbarland Österreich. Helga Brunschmid, Vizepräsidentin der Tiroler Landwirtschaftskammer, gab einen Einblick in die Vermarktung der Tiroler Landwirtschaft. „Für uns ist Regionalität Chance und Notwendigkeit zugleich. Das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber der Herkunft und der Produktionsweise von Lebensmitteln wächst stetig. Wir nutzen diese wertvolle Basis und setzen auf Qualität statt Masse“, sagte Brunschmid.

Vom Gütesiegel bis zur Schmankerl-App

In ihrem Vortrag stellte die Tirolerin verschiedene Projekte vor, die in Österreich und Tirol dafür sorgen, dass mehr regionale Lebensmittel auf den Tisch kommen: von der Initiative Agrarmarketing Tirol, die verschiedene Gütesiegel vergibt oder im Handel und in der Gastronomie platziert über Projekte mit Schulen und Kindergärten bis hin modernen Apps wie einem Schmankerl-Navi. „Regionalität geht uns alle an. Vieles ist dem Globalisierungsgedanken zum Opfer gefallen und muss mühsam revitalisiert werden, aber: eine Trendwende ist erkennbar. Die Landwirtschaft ist der Motor des ländlichen Raumes und wir müssen aufpassen, dass dieser Motor nicht ins Stocken gerät“, betonte Brunschmid und ermunterte die bayerischen Bäuerinnen, das Thema Regionalität weiter voranzubringen.

Regionalität – Forderungen an die Politik

In der Diskussionsrunde mit Vertretern von Landwirtschaft und Gastronomie, darunter Rosmarie Böswirth von Böswirths Bauernmarkt, Nikolaus Gschwendtner vom Rinser Natureis und Wolfgang Heinzel vom Regionalbuffet Franken, ging es unter anderem um die Frage, wie sich eine höhere Wertschöpfung durch Regionalität erzielen lässt. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe, verbunden mit der Vermarktung hochwertiger Produkte vom Bauernhof, ein Erfolgsfaktor für die Zukunft ist. Aus ihren praktischen Erfahrungen baten die Diskussionsteilnehmer die Politik, das Thema Regionalität weiter voranzubringen.

Wichtig dabei sei:

  • Ernährungsbildung von klein auf: Schon in der Schule müssen Alltagskompetenzen vermittelt werden.
  • Regionalität als Leitmaßstab: Regionalität muss im Mittelpunkt stehen – weniger wichtig ist die Erzeugungsart.
  • Umsetzbare Lösungen: Regelungen müssen auch für kleine Erzeuger praktikabel sein.
  • Reichweite erhöhen: Regionale Produkte sollen auch in der Außer-Haus-Verpflegung stärker zum Einsatz kommen.

Um dem Wunsch der Verbraucher nach regionaler Ernährung besser gerecht zu werden, forderte der Landesvorstand die Bayerische Staatsregierung auf, Regelungen zu schaffen, dass auch in der Gemeinschaftsverpflegung regionale Produkte verstärkt auf den Teller kommen. Dazu müssten die Vergaberichtlinien überdacht werden – nicht der billigste Anbieter, sondern der beste Anbieter sollte bei Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten, betonte der Landesvorstand der Landfrauen.

Am Vormittag hatte Landesbäuerin Anneliese Göller den Rechenschaftsbericht vor dem obersten Gremium der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband abgelegt. Die Landesbäuerin würdigte die engagierte Arbeit der Kreis- und Bezirksverbände und wies auf die Erfolge in der politischen Interessenvertretung hin. Sie lieferte einen Überblick der geleisteten Arbeit in den Gremien, der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, der Erwachsenenbildung, im Erzeuger-Verbraucher-Dialog, in der Öffentlichkeitsarbeit und ging auf weitere Aktivitäten ein.

Ein Hauch von Afrika in Herrsching

Bei aller Konzentration auf das Thema Regionalität warfen die Landfrauen aber auch einen Blick weit über den Tellerrand – nämlich nach Afrika. Die im Saal aufgebaute Videoinstallation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gab Einblicke in das Leben afrikanischer Bäuerinnen und Bauern. Bei der Installation stellen sich drei Menschen aus Afrika vor: ein Landwirt aus Äthiopien, einer aus Kenia und eine Feldarbeiterin als Burkina Faso. Bei ihren Schilderungen erhält man den Eindruck, dass man einem Gesprächspartner aus Fleisch und Blut gegenüber sitzt. Sie erzählen von ihrem Leben und fragen die Zuhörer um Rat. Diese können die existenziellen Fragen der Afrikaner beantworten, indem sie auf dem Tisch mit Touchscreen-Funktion einen von drei Knöpfen drücken. Je nach Auswahl geht die Geschichte dann unterschiedlich weiter - bis die vermeintlichen Bauern aus Afrika sagen, dass das 'Speed-Dating' nun vorbei sei. Die Entscheidungsmöglichkeiten in der Videoinstallation sollen zeigen, dass es nicht die eine Lösung gibt, die überall funktioniert. Manchmal geht es eher um soziale Innovationen – etwa die Ausbildung der Bauern oder den Aufbau von Genossenschaften, manchmal um bessere Technik bei der Bodenbearbeitung, aber auch bei der Vermarktung. Die Ausstellung ist Teil der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ – ein Kernstück des BMZ in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). In diesem Rahmen engagieren sich auch Landfrauen im Bayerischen Bauernverband mit einem Projekt in Kenia.

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