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Familienbetriebe

Reizwort

Vater mit Kindern
Anna Knon, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
am
21.09.2017

München - Das Miteinander der Generationen ist ein Reizwort in der Landwirtschaft. Es gibt kaum ein Thema, das die Gemüter so erhitzt und es ist ein Thema, das nie alt wird. Warum?

Anna Knon

Weil jede Generation wieder vor der gleichen Herausforderung steht: die enge Verzahnung von Beruf und Familie zu meistern.

Dort, wo das gelingt, entstehen unbezahlbare Ressourcen für den Betriebserfolg und für ein gelingendes Leben in der Familie – das zeigen die Preisträger des Wettbewerbs „Agrar-Familie 2017“ beispielhaft.

Wer gute Beziehungen innerhalb einer bäuerlichen Großfamilie als altmodisch abtut oder als mangelnde Selbstverwirklichung interpretiert, liegt falsch. Wer meint, das Miteinander würde von selbst laufen oder sich in möglichst viel Gemeinsamkeit ausdrücken, liegt auch falsch; es müssen Grenzen abgesteckt und eingehalten werden. Dann bleibt Luft zum Atmen und Freude am gemeinsamen Tun. Dass dabei alle Beteiligten auch mal schlucken, wegschauen und schweigen müssen, ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Denn dort, wo das Miteinander nicht gelingt, kann die Nähe zur Hölle werden und auch betriebswirtschaftlich ins Desaster führen.

Der Psychologe und Familienberater Prof. Dr. Hans Goldbrunner sagt dazu: „Die Bindungen zwischen den Generationen haben durch den rasanten Wandel im Agrarsektor nicht an Bedeutung verloren, sondern sind noch viel wichtiger geworden. Der hohe Umstrukturierungsdruck, der von der Landwirtschaft zu bewältigen ist, wirft ein besonderes Licht auf das Verhältnis zwischen den Generationen.“ Untersuchungen der Landesanstalt für Landwirtschaft haben außerdem ergeben, dass sich Unternehmer in einer intakten Familie so auf die Betriebsführung konzentrieren können, dass es zu keiner wirtschaftlichen Schieflage kommt.

Nur wer Rückendeckung hat, hat die Kraft und den Mut, Veränderungsbedarf zu sehen und anzugehen.

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