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Wirtschaftswald

Schützen durch Nützen

buchenwald
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
15.02.2018

Schützen durch Nützen – das bayerische Credo wird ein weiteres Mal wissenschaftlich bestätigt.

Untersuchungen zeigen, dass der Wirtschaftswald nicht nur artenreich, sondern deutlich artenreicher als ein naturnaher Wald ist. Prof. Dr. Gerhard Hofmann vom Waldkunde-Institut Eberswalde, das Revier Hausen aus dem bewirtschafteten Fürst Oettingen-Spielberg’schen Waldbesitz mit einem plenterartig bewirtschafteten Wald in Thüringen verglichen. Im Thüringer Plenterwald wurden 269 Pflanzenarten gefunden. Von 1963 bis 1993 hat sich die Artenzahl um 39 Arten erhöht. Im bayerischen Wirtschaftswald wurden 1992 exakt 402 Pflanzenarten gefunden und bis 2015/16 hat sich ihre Zahl noch einmal um 32 Arten erhöht. Hofmanns Fazit dazu:

  • Nach guter forstlicher Praxis bewirtschaftete Waldreviere gewährleisten über ihre vielfältigen wirtschaftlichen und landeskulturellen Aufgaben hinaus einen unverzichtbaren Beitrag zur Erhaltung der Pflanzenartenvielfalt in der Kulturlandschaft.
  • Die Pflanzenartenvielfalt auf Waldflächen wird durch Störungen gefördert, die durch Bewirtschaftung auf der gesamten Waldfläche permanent erzeugt wurden und werden. Diese fördern vor allem den Lichteinfall in die Bestände und auf den Waldboden. Mehr Licht ist der wichtigste Faktor für höhere Artenvielfalt in Wirtschaftswäldern.
  • Bewirtschaftung schafft auch eine erhöhte Vielfalt an Vegetationsstrukturen und Kleinstlebensräumen. Das fördert das Gedeihen einer Vielzahl von Pflanzen und die von diesen abhängigen Kleintier- und Wildarten.
  • Bewirtschaftung gefährdet oder vernichtet keine typischen Waldpflanzenarten, sondern bewahrt die gesamte genetische Vielfalt. Wälder werden auch zu Rückzugs-, Auffang- und Erhaltungsflächen für typische und bedrohte Pflanzen des Offenlandes.
  • Ungestörte natürliche Vegetationsentwicklung führt unter den Klima- und Bodenbedingungen Deutschlands zu dichten, oft den gesamten Bestandesraum ausfüllenden, dunklen Waldstrukturen und damit zu weniger Pflanzenartenvielfalt auf der Fläche als unter standortgerechter nachhaltiger Waldbewirtschaftung

 

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