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Interessenvertretung

Waldbesitzerverband - 100 Jahre eine gemeinsame Stimme

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Karola Meeder, Wochenblatt
am
29.03.2018

Vor 100 Jahren wurde mit dem Bayerischen Waldbesitzerverband eine Institution gegründet, die die Interessen der Waldbesitzer vertritt. Das Ziel: Eigentum schützen – damals wie heute ein Thema, das die Branche umtreibt.

Es sind die Irrlehren der Umweltschützer, die den Waldbesitzern das Leben schwer machen – Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hielt sich nicht lange mit der Begrüßung der Gäste auf und startete direkt mit dem Thema, das nicht nur sie, sondern die gesamte Branche beschäftigt.

Es sei sehr schade, das die Umweltverbände nicht mit den Waldbesitzern im Sinne des Umweltschutzes zusammenarbeiten, sondern als Verhinderungsorganisationen agieren. Denn eine Stilllegung der Wälder – die Seitens der Umweltschützer gefordert wird – sei alles andere als Umweltschutz, „die wahren Umweltschützer sind doch wir Waldbesitzer“ machte sie deutlich – die Gäste, die zum 100-jährigen Jubiläum des Bayerischen Waldbesitzerverbandes im Marstall der Fürstin in Regensburg zusammengekommen waren, stimmten ihr mit kräftigem Beifall zu.

Berechnungen die zeigen, wie viel CO2 die Branche Forst und Holz einsparen kann, würden bei Umweltschützern nicht zählen. In Wirklichkeit gehe es nämlich auch nicht um den Klimaschutz und CO2, sondern um den „ideologischen Kampf gegen den Besitz“. Der Schutz des Eigentums – und damit auch das Recht, Eigentum zu nutzen – ist nicht nur ein aktuelles Thema, sondern gab 1918 auch Anlass zur Gründung des Bayerischen Waldbesitzerverbandes. Damals entstanden als Vertretung des Nichtstaatswaldes, vertritt er heute als einziger Verband in Deutschland die Interessen des privaten, kommunalen, kirchlichen und staatlichen Waldbesitzes.

In den 100 Jahren, die  seit der Gründung vergangen sind, hat der Waldbesitzerverband einiges mitgemacht, wie der Präsident des Verbandes, Josef Ziegler, betonte. Mit einem Vortrag zu seinen ganz persönlichen Eindrücken der Verbandsgeschichte, bereicherte der 92-jährige Ruprecht von Butler den Festakt.

Früher stärker genutzt

Tagung Waldbesitzerverband

Und auch Doktor Joachim Hamberger blickte in die Vergangenheit: Um 1800 waren Bayerns Wälder licht und deren Produkte wurden stark genutzt, von den Waldfrüchten, über das Holz bis hin zum Nadel- und Laubstreu als Einstreu für die Ställe. Doch den Bauern gehörten die Wälder nicht, wie Hamberger erklärte. Sie hatten lediglich das Recht der Waldnutzung als Lehen von den Landesherren.

Etwa bis 1850 stand bei der Waldbewirtschaftung die Eigenversorgung im Vordergrund, aufgeforstet wurde hauptsächlich mit Laubholz. Dann nahm die Nachfrage nach Holz stetig zu. Selbst die Wurzelstöcke wurden ausgegraben, sie waren beliebt als Brennholz und brachten gutes Geld. Um dem „kaum noch zu stillenden Holzbedarf“ gerecht zu werden, wurde dann fast ausschließlich mit Kiefer und Fichte aufgeforstet.

Rund um die Revolution von 1918 waren auch die Waldbesitzer in Aufruhr, denn sie befürchteten, enteignet zu werden. Und so wurde am
11. Februar 1918 der Bayerische Waldbesitzerverband als Interessensvertretung gegründet. Mit der noch heute gültige Verfassung des Freistaaates Bayern  von 1919 wurde dann das Eigentum staatlich geschützt.

Wiederaufforstung mit Fichten

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Waldgeschichte ist die umfangreiche Wiederaufforstung mit Fichten nach dem zweiten Weltkrieg – und damit befinden wir uns auch schon wieder in der Gegenwart: Denn die Bestände, die damals begründet wurden, stehen heute im Fokus – über die Anbauwürdigkeit der Fichte angesichts des Klimawandels wird nicht nur in der Forstbranche diskutiert. „Das was damals gut und richtig war, wird heute verteufelt“, erklärte Josef Ziegler. Das mache deutlich, dass sich mit den Zeiten auch die Bedürfnisse ändern.

Auch er kam bei seiner Festrede nicht um das Thema Stilllegungen herum. Er versicherte, dass sich der Verband aktiv gegen Stilllegungen wehren wird und betonte, dass Waldbesitzer schon seit jeher in Generationen denken und nachhaltig wirtschaften. Schließlich sei die Nachhaltigkeit, die heutzutage in aller Munde ist, in der Forstwirtschaft entstanden.

Gerade weil die Nachhaltigkeit in aller Munde ist, hat sich Gerd Wegener entschlossen, dieses „abgenutzte“ Wort nicht mehr zu verwenden. Der ehemalige Sprecher des Clusters Forst und Holz hat sich stattdessen für das Wort Zukunftsvorsorge entschieden – und für genau diese Zukunftsvorsorge ist der Wald und die Holznutzung unverzichtbar, führte Wegener weiter aus.

Die Erde besteht aus zwei Drittel Wasser und einem Drittel Land – davon wiederum ein Drittel ist mit Wald bestockt. Das sind rund 4 Milliarden Hektar Wald mit etwa 3 Billionen Bäumen. Und diese Wälder entsprechen rund 85 % der weltweiten pflanzenlichen Biomasse – alleine diese Zahlen müssten jedem deutlich machen, wie unverzichtbar unsere Wälder sind, sagte Wegener. Sie reinigen Wasser und Luft, binden CO2, schützen vor Erosion und bieten vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Hinzu kommt, dass der Wald vor allem im ländlichen Raum ein wesentlicher Wirtschaftsmotor ist.

Und auch auf jede der sieben Fragen der Menschheit – Rohstoffe, Energie, Klima, Boden, Wasser, Biodiversität und Lebensraum – biete der Wald eine Antwort. Vor allem könne der Wald einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Menschheit nicht weiter in das Dilemma des Kliamwandels rutsche. „Denn kein anderes System erfüllt den Klimaschutz so deutlich wie die Branche Forst und Holz“, fasste er zusammen.

Bleibt zu hoffen, dass noch viele Menschen zu dieser Erkenntnis kommen und die Branche in diesen stürmischen Zeiten nicht in Schieflage gerät – eine starke Stimme, die für die Interessen der Waldbesitzer eintritt, leistet dazu einen wichtigen  Beitrag.

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