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Waldbau

Die Wuchshülle neu erfunden

Josef Guggemoser
Rainer Soppa
am
17.10.2017

Josef Guggemos war sein Leben lang Sägewerker mit Herz und Blut. Nach der Einstellung des Sägebetriebs im Jahr 2004 konzentrierte sich der Unruheständler auf seinen Wald und dessen Pflege. Dabei zeigte sich sein Erfindergeist.

Wuchshüllen

Mittlerweile bewirtschaftet Guggemos über 80 ha Wald in Bayern und Niedersachsen. Besonders die später zugekauften Flächen waren zum Teil in sehr schlechtem Zustand, sodass er sich Gedanken um eine Erneuerung bzw. Verjüngung machte. Dabei kam der naturverbundene und sparsame Schwabe schnell dazu, Wuchshüllen zu verwenden, anstatt Zäune zu bauen. An dieser Form des Einzelschutzes schätzt er Folgendes:

Jungpflanzen können schnell und ohne viel Aufwand geschützt werden.

Aufwendiges Freischneiden kann dabei weitgehend entfallen und die Natur hat die Gelegenheit, sich auf den Flächen ungestört zu entwickeln.

Die Krautvegatation lockert den Boden auf und bietet dem Wild Äsung, ohne das es die Pflanzen verbeißen oder verfegen kann.

Durch den Ablauf von Regen- und Kondenswasser erhalten die Pflanzen zusätzliche Feuchtigkeit.

In den Wuchshüllen finden sich sehr häufig Nester von Wespen, die der Waldbauer gerne sieht, erbeuten sie doch das ein oder anderen Schadinsekt.

Die ersten Wuchshüllen kaufte Guggemoos bei einem Händler. Nach dem einmaligen Einsatz sind die bisher am Markt befindlichen Hüllen jedoch in aller Regel beschädigt oder vollständig kaputt. Auch von den sich selbst auflösenden Varianten hält Guggemos nichts, da der Kunststoff zwar zerfällt, aber noch auf Jahre als Mikroplastik die Natur belastet. Guggemos machte sich also Gedanken, wie er die am Markt befindlichen Systeme verbessern konnte, damit sie seinen Vorstellungen von Wirksamkeit, Ergonomie und Naturverträglichkeit entsprachen.

Nach einigen Versuchen in Eigenregie gründete Guggemos 2015 gemeinsam mit der Baumschule Sailer die „Die Wuchshülle SG GmbH“. Ganz bewusst wird auf ein UV-beständiges Polypropylen gesetzt. Selbst nach mehrmaliger Verwendung zerfällt das Material nicht und es ist recycelbar. Auch bei der Versandverpackung wurde nachgedacht: Es gibt die Wuchshüllen in zwei Größen, sodass immer zwei ineinander gesteckt in die Versandkartons kommen.

Vom Karton ist das Umfüllen in die eigens angefertigten Ausbringhilfen ohne fremde Hilfe schnell möglich. Die können wie ein Rucksack oder wie eine Tragetasche getragen werden. Auch für die Stäbe gibt es eigene Tragetaschen. Bei allem wurde konsequent darauf geachtet, dass die Arbeit möglichst ergonomisch erfolgen kann und sich die Arbeiter nicht unnötig bücken müssen. Die Hüllen sind im unteren Bereich mit Belüftungslöchern ausgestattet, die für ein wachstumsförderndes Klima ohne Zugluft sorgen. Befestigt werden die Hüllen bisher mit Holzstäben (Robinie) an der Innenseite der Wuchshüllen. Inzwischen gibt es auch einen Fiberglasstab. Der soll länger halten und eine stabilere Wurzelentwicklung auslösen. Der Stab ist flexibler als die Holzvariante und die ganze Hülle schwankt bei Wind leicht mit. Zum Einschlagen der Stäbe gibt es Einschlaghülsen und einen eigenen Hammer. Beim Öffnen der Hülle, ohne dass der Kunststoff aufreißt, hilft ein spezielles Werkzeug aus Metall. Man könnte meinen, das System wäre endgültig zu Ende entwickelt, aber Josef Guggemos hat bestimmt bald wieder eine Idee, wie er seine Wuchshüllen noch weiter verbessern kann.

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