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Kommentar

Zurück zur Natur

Feldweg in Dorfnähe
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Ulrich Graf, Wochenblatt
am
22.03.2018

Sensibles Thema: Bauschutt und Ausbauasphalt für die Sanierung von Feld- und Waldwegen - hier braucht es das richtige Augenmaß.

Ulrich Graf

Die Idee ist bestechend: Ressourcen schonen durch Kreislaufwirtschaft. Wir leihen uns die Dinge nur von der Natur, um sie ihr später wieder zurückzugeben. Dazu holen wir uns beispielsweise die Steine und den Ton aus der Region, brennen aus ihm Ziegel, bauen daraus Häuser und lassen das Material nach deren Abriss in einer sinnvollen Form wieder zurückfließen, beispielsweise, um damit Feldwege instand zu halten. Soweit die Theorie.
In der Praxis schaut es dann etwas komplizierter aus. Wer mit einer Partie handverlesener Dachziegeln einen Feldweg ausbessern will, hat eine ganze Latte an Auflagen zu erfüllen. So muss er das Ausgangsmaterial zerkleinern und den Bruch untersuchen lassen. Allein für die Probenahme gibt es ein dickes Schriftstück. Da entsteht schnell der Eindruck, dass hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Aber Vorsicht: Von dieser durchaus berechtigten Kritik gibt es auch Ausnahmen – beispielsweise beim Rückbau oder Sanieren von Straßen. Hier können gefährliche Altlasten zutage kommen. So fand bis Anfang der 80er-Jahre stark schadstoffbelasteter Steinkohlenteer im Straßenbau Verwendung. Da lohnt es sich durchaus, das Fräsmaterial danach untersuchen zu lassen, ob es sich um harmlosen Asphalt oder gefährlichen Teer handelt.
Bislang galt bei den öffentlichen Trägern die Devise, beim Abbau anfallendes Material wieder in den Straßen zu verwerten. Bund und Freistaat Bayern haben diesen Kreislaufgedanken nun aber insoweit aufgeweicht, dass teerhaltiges Material grundsätzlich nicht mehr eingebaut werden soll. Vorhandene Bestände sind zu entsorgen. Die Verantwortung dafür liegt zunächst einmal bei Bund und Freistaat. Aber man weiß ja nie zu 100 Prozent, wo ein Lastwagen seine Fuhre ablädt. Sollten Teile davon in der Landwirtschaft landen, wäre das fatal. Also Finger weg von Teer.

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