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Politischer Appell

Agritechnica - klare Forderungen an die Politik

Eröffnung der Agritechnica
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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
16.11.2017

Der Präsident der DLG hat dazu aufgerufen, die global innovative und kreative Agrarbranche nicht abzuwürgen.

„Sie sind in der Debatte um die Ausrichtung der Landwirtschaft nicht die Moderatoren, sondern die verantwortlichen Entscheider“. Das ist nur eine der klaren Aussagen von Carl Albrecht Bartmer beim Max-Eyth-Abend.

Der Präsident der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat sich für offene Märkte sowie für eine sachgerechte Risikobewertung und Technikfolgenabschätzung von Innovationen ausgesprochen. Beim Max-Eyth-Abend, mit dem die Agritechnica traditionell eröffnet wird, rief er angesichts der weiter zunehmenden Weltbevölkerung dazu auf, die global innovative und kreative Agrarbranche nicht abzuwürgen. Die weltweite Zivilgesellschaft solle der Innovation eine Chance geben, forderte Bartmer. Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, sei sie zu erfinden. Natürlich müssten die Innovationen einem risikobasierten Diskurs standhalten. Wenn der aber erfolgreich durchlaufen sei, sollten die Grenzen offen sein, damit alle weltweit die Chance hätten, am Nutzen von Technologien teilzuhaben.

Wachsende Weltbevölkerung ernähren

agrarheute Stand

Ausreichende Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung herstellen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen erhalten, diese Herausforderung kann die globale Landwirtschaft nach Ansicht des DLG-Präsidenten nur durch den Einsatz neuester Technologien und Verfahren bestehen. Einer Intensivierung der Produktion komme essenzielle Bedeutung zu, allerdings muss diese Intensivierung nachhaltig sein. Für Bartmer bedeutet Nachhaltigkeit eine bessere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit bei gleichzeitigem Schutz von Umwelt und Natur zum Erhalt der Lebensgrundlage kommender Generationen.

Der Blick in die Praxis zeigt, dass Nachhaltigkeitsziele konkurrieren können. Nährstoffüberhänge in vielen Regionen weltweit, Erosion, Resistenzen in eingeschränkten Fruchtfolgen und Verluste an Biodiversität seien Entwicklungen, die man weltweit erkennen könne, so Bartmer selbstkritisch. Die Nachhaltigkeit des einen oder anderen Entwicklungspfades globaler Landwirtschaft lasse Wünsche offen. „Hier müssen wir Lösungen finden“, fordert der DLG-Präsident.

Man dürfe aber keinesfalls aus den Augen verlieren, dass in 30 Jahren vermutlich zehn Mrd. Menschen zu ernähren sind. Die Zukunftsfähigkeit der globalen Land- und Ernährungswirtschaft dürfe deshalb nicht gefährdet werden. „Unsere Debatten drehen sich heute um eine industriell wahrgenommene Landwirtschaft mit Diskussionen um Pflanzenschutzmittel, neue Züchtungstechnologien und um den Handel mit Agrarprodukten. Diese Auseinandersetzungen sind vielfach getragen von in-stitutionellem Misstrauen, das eine sachgerechte Risikobewertung und Technikfolgenabschätzung von Innovationen kaum möglich macht“, sagte Bartmer. Er forderte daher einen Rechtsrahmen, der im Umgang mit Innovationen ein Risikomanagement auf einer wissenschaftlich abgesicherten, transparenten und für die Gesellschaft nachvollziehbaren Risikobewertung gründet.

Der Politik komme bei der gesamten Debatte eine wichtige Rolle zu, so der DLG-Präsident. Die gesellschaftliche Debatte sei die hohe Schule der Demokratie, aber die Beteiligten müssten sich auch ihrer Rolle bewusst sein. „Sie sind in der Debatte nicht die Moderatoren, sondern die verantwortlichen Entscheider“, rief er den Politikern zu. Dabei müssten sie auch die  Unabhängigkeit und Arbeitsfähigkeit wissenschaftlich arbeitender Institutionen sicherstellen. „Auf Basis von deren Expertise genehmigen wir schließlich Medikamente, prüfen wir die Tragfähigkeit von Brücken, aber eben auch die Unbedenklichkeit von Lebensmitteln und Agrartechnologie“, so der DLG-Präsident.

Daten als Machtfaktor

Auf diesen Punkt ging Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium
(BMEL), nicht ein. Er teilte aber in vielen Punkten die Einschätzung Bartmers. So müsse die Landwirtschaft künftig mehr Nahrungsmittel mit weniger Ressourcen erzeugen. Dass dies gelingen kann, dazu könne die sogenannte smart technology einen großen Beitrag leisten.

Dass damit Daten auch zu einem Machtfaktor werden und dass der Zugriff darauf weltweit sehr unterschiedlich diskutiert wird, ist Aiekens durchaus bewusst. Auch um hier Klarheit und Sicherheit zu schaffen, habe das BMEL eine Digitalstrategie entwickelt. Darin wurde zum Beispiel ein Kompetenzzentrum für Digitalisierung geschaffen, die Forschungsaktivitäten wurden ausgeweitet.

Das reicht aber anscheinend noch nicht aus, denn Christian Dreyer, Vorsitzender des VDMA Landtechnik, forderte eine Digitalagenda für die europäische Landwirtschaft. Darin müsse der Breitbandausbau auf dem Land sichergestellt werden. Es müsse klargestellt werden, dass die Datenhoheit beim Landwirt liegt und dass beim Datenaustausch bzw. der -weitergabe das Vertragsrecht Grundlage ist. Weiter forderte Dreyer industriegemeinsame Standards und offene Schnittstellen.

Mit Material von DLG
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