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Oldtimer-Treffen

Bärenstarke Demonstration

Schlüter-Ausstellung
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
06.06.2019

Schlüter-Grünlandtag in Voglried bei Scheyern beeindruckte Oldtimerfans

SChlüter-besucher

Der Parkplatz war bereits am Vormittag schon fast voll, denn das Wetter war gut und die zahlreichen Schlüterfans konnten Hunderte von bärenstarken Schlüter-Traktoren auf der Ausstellungsfläche bestaunen und jeder hatte seine persönlichen Highlights: besonders sehr alte Modelle, natürlich die EuroTracs oder die Super-Serie bzw. ganz seltene Modellraritäten, die es nur ein paarmal gibt bzw. gebaut wurden. Zwischen allen diesen schön aufgereihten Schlüter-Bären konnte man mit anderen Oldtimerbegeisterten über alte Zeiten, alte Modelle etc. fachsimpeln oder Geheimtipps austauschen.

Organisiert haben diesen Schlüter-Grünlandtag die Schlüterfreunde Hallertau, und bei Alois Wolf aus Voglried liefen alle Fäden zusammen.

Große Fangemeinde

SChlüter-Alois-Wolf

Es gibt unzählige Schlüter-Vereine nicht nur in Bayern, sondern auf der ganzen Welt. Dabei sind es nicht nur alteingesessene Landwirte oder Landtechnikmechaniker, sondern quer durch die Gesellschaftsschichten. Sie versuchen in historischen Feldtagen oder Oldtimertreffen mit ihren geschichtsträchtigen Vehikeln die alte Ära zurückzuholen bzw. wiederaufleben zu lassen.

Schlüter-1938

So haben auch vor 15 Jahren zehn eingefleischte Schlüter-Fans und Landwirte einen Verein ins Leben gerufen. Ihr Ziel: den Erhalt der Tradition der Marke Schlüter in der Region zwischen der Hallertau und dem Spargelland Schrobenhausen. Dabei haben sie viele Schlüter-Vorführungen besucht und tatkräftig unterstützt. Und im Jahr 2006 organisierten sie eine erste eigene Großveranstaltung in Form eines Grünlandtages in Voglried. Zum 10-jährigen Vereinsjubiläum 2014 wurde das damalige Projekt nochmals aufgegriffen und sie veranstalteten wieder ein Schlütertreffen mit Vorführung in guter alter Tradition.

SchlüterEurotrac

Und vorletzten Sonntag war beim großen Schlüter-Grünlandtag der Besucheransturm noch gewaltiger. Es hat sich scheinbar in der Szene rumgesprochen, dass in Voglried der Schlüter-Praxistag besonders toll ist. Denn die verschiedensten Schlüter-Modelle konnte man nicht nur im Ausstellungsgelände unter die Lupe nehmen, viele Schlüter-Tracs konnte man mit den entsprechenden Geräten auch live erleben: Im Praxiseinsatz beim Mähen, Zetten, Schwaden, Häckseln und als Transportgespann. So wurde auf rund 20 ha Grünfläche vormitttags das Gras gemäht und gewendet und am Nachmittag geschwadet und geerntet mit Landtechnik von damals bis heute. Das Ganze natürlich mit den bärenstarken Schlüter-Schleppern aus der Traktorenschmiede Freising.

Besondere Modelle

Schlüter spezialisierte sich seit 1964 auf den Bau von Großschleppern. Dazu zählten die Baureihen Super (bis 280 PS), Super Trac mit vier gleich großen Rädern (bis 300 PS) und Profi Trac ebenfalls mit vier gleich großen Rädern (serienmäßig bis 320 PS). Die Baureihe kleinerer Modelle trug den Namen Compact. Im Jahre 1978 wurde als Unikat der stärkste Schlepper Europas, der Profi Trac 5000 TVL mit 500 PS gebaut. 1989 wurde als neue Baureihe der Euro Trac mit bis zu 200 PS und verschiebbarem Front-Ballastgewicht vorgestellt.

Schlüter-Super-200-V

Alle Altersschichten von ganz jung bis zu den Senioren waren von den verschiedenen Schlüter-Bären begeistert. Die besondere Faszination, die von dieser Traktorenlegende ausgeht, scheint nach wie vor ungebrochen.

Zur Geschichte der Schlüter-Traktoren

„Die deutsche Traktorenlandschaft ohne den bayerischen Hersteller Anton Schlüter, das konnte man sich über Jahrzehnte hinweg nicht vorstellen. Auf allen Landtechnikausstellungen präsent, stets von Menschentrauben umlagert, setzten die Schlüter-Traktoren unübersehbare Akzente.“ So beschreibt Klaus Herrmann im Buch „Traktoren von 1907 bis heute“ das Unternehmen. Dabei verwirklichte Schlüter viele neue Ideen, wie Großtraktoren und geräuschisolierte Fahrerkabinen oder Trac-Fahrzeuge und Schnellläufer. Denn bereits 1986 präsentierte Schlüter auf der Agritechnica den ersten 50-km/h-Schnellläufer oder 1992 den weltweit einzigen Schlüter-Bio-Trac 1700 LS mit Pflanzenölmotor DMS MF-4 RTA mit 170 PS.

Schlüter-Kind

Ein besonderes Ereignis war der von Dr. h. c. Anton Schlüter (dritte Generation) ins Leben gerufene Schlütertag. Doch rückläufige Verkaufszahlen und unwirtschaftliche Fertigung brachten das Aus, und so wurde 1993 Schlüter an LTS (Landtechnik Schönebeck) verkauft. Doch LTS kam wenig später ebenfalls in wirtschaftliche Schieflage. Die Anfänge der Schlüter-Traktoren liegen im Jahr 1937, als Kommerzienrat Anton Schlüter den 14-PS-Traktor konstruierte. Dabei hatte Schlüter im Motorenbau schon Erfahrung, da er in München ab 1898 und später ab 1915 in Freising Motoren fertigte.Gerade im Bau von Großtraktoren konnten die Wettbewerber Schlüter damals nicht das Wasser reichen. Im Jahre 1960 wurde der S 60 vorgestellt, mit der Werbeaussage: „Schlüter spezialisiert sich auf starke Schlepper“. So folgte 1964 die S-Reihe mit Traktoren von 34 bis 80 PS. Der Slogan „Bärenkräfte in Vollendung“ wurde geboren und wurde Synonym für diese Marke mit dem Motto: „Schlüter baut Schlepper für Landwirte, die sich nur mit dem Besten zufriedengeben“. Nach oben schien es für Schlüter keine PS-Grenze zu geben, so baute er eine 500-PS-Version, den stärksten jemals in Europa gebauten Ackerschlepper, den Schlüter 5000.

Ein Meilenstein in der Landtechnik war sicherlich der auf der Agritechnica 1989 vorgestellte Euro-Trac: Vier An- und Aufbauräume, hydraulisch verschiebbares und ganz abnehmbares Gewicht zur gleichmäßigen Belastung der Hinter- und Vorderräder zur größtmöglichen Bodenhaftung, hydraulisch gefederte kippbare Kabine. Die Modelle 90 bis 110 PS besaßen ein stufenloses Kettenwandlergetriebe (von Schlüter zusammen mit den Firmen Hurth und Reimers entwickelt). Die Euro Tracs 135 bis 200 PS hatten dagegen ein ZF-Lastschaltgetriebe.

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