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Schafzucht

Bayern stellt vier Sieger

FleischsiegerSchleich
Helga Gebendorfer
am
21.03.2018

Bayerische Züchter überzeugten bei der Merinolandschaf-Elite-Auktion in Ansbach mit ihren Böcken. Oft entschieden nur Kleinigkeiten über die Platzierungen.

Alles, was Rang und Namen in der Schafzucht hat, versammelte sich bei der Merino-Elite in der Rezathalle in Ansbach, die den jährlichen Höhepunkt in der Zuchtarbeit darstellt und von den Züchtern als beliebter Treffpunkt geschätzt wird.

Schon am Vortag der Versteigerung zeichnete sich die überragende Klasse der bayerischen Schafzüchter bei der Prämierung der bereits gekörten Böcke ab. Insgesamt wurden von 21 Züchtern 73 Böcke aus den Zuchtverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgetrieben.

Das Preisrichteramt übernahmen Andrea Burg, Merinolandschaf-Züchterin aus dem rheinland-pfälzischen Kandel, und Jens-Uwe Otto, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Thüringer Schafzüchter, aus Rohr.

 

Spannend bis zum Schluss

Oft entschieden nur Kleinigkeiten über die Reihenfolge der Platzierung. Nicht selten musste intensiv um einen Konsens gerungen werden, wenn die Meinungen auseinandergingen. So gab es bei der abschließenden Reihung der Böcke zum Teil noch erhebliche Umstellungen, bis das Ergebnis feststand.

Die 73 Tiere waren in acht Altersklassen eingeteilt, wobei von jeweils zwei ein Sieger und Reservesieger gekürt wurden. Am Ende des Tages hatten die bayerischen Züchter Grund zur Freude: Mit der Schafzucht Schleich, Alexander Füller, Otto Bader und Kurt Thorwart stellte Bayern alle vier Siegerböcke. Darüber hinaus kamen drei Reservesieger aus bayerischen Ställen und auch die sonstigen vorderen Plätze waren häufig mit bayerischer Genetik besetzt.

Dem nicht genug. Herausragend war der Bock mit Katalognummer 19 aus der Schafzucht Schleich, der zugleich als Fleischsieger und Reserve-Wollsieger glänzte.

Aufregend ging es weiter mit der Auktion am Tag darauf, zu der zahlreiche Besucher aus  Nachbarländern, wie Österreich und Frankreich, zu Gast waren. „Die Stimmung war erwartungsvoll und die Versteigerung lief gut“, fasste der bayerische Zuchtleiter Dr. Christian Mendel zusammen. So betrug der Durchschnittspreis aller Böcke 1780 € und der Durchschnittspreis der bayerischen 2140 €. Es blieben nur vier Böcke stehen.

Besonders freute sich Alexander Füller, der mit der Nr. 10 den teuersten Bock des Tages stellte. Der Hammer fiel bei 5000 € und der zweitplatzierte Bock der ältesten Klasse wird künftig seine Qualitäten im Bestand des thüringischen Zuchtverbandsvorsitzenden Jens-Uwe Otto unter Beweis stellen. Zudem erzielten fünf weitere Böcke einen Erlös über 4000 €.

Der Zuchtleiter zollte den Züchtern Respekt und Anerkennung und wies darauf hin, wie unterschiedlich die vier erfolgreichen Schafzuchtbetriebe mit den prämierten Eliteböcken aufgestellt sind.

 

Schafzucht Schleich: auf allen Eliten dabei

So ist die Schafzucht Schleich im oberbayerischen Brunnthal der älteste Merinolandschafzuchtbetrieb in Bayern. Er ist im Herdbuch seit 1920 eingetragen und die Zucht wird nun schon in der vierten Generation betrieben. Christian Schleich war lange Jahre Vorsitzender der Bayerischen Herdbuchgesellschaft und des Landesverbandes Bayerischer Schafhalter und hat sich in den letzten Jahrzehnten mit seiner hervorragenden Genetik in Bayern und darüber hinaus einen Namen gemacht.


Aus seinem Stall stammte der 2008 geborene Vater des Ansbacher Elitebocks Nr. 19, der ein Spitzenvererber war und von dem 87 gekörte Böcke hervorgingen. Eine Besonderheit ist, dass der Betrieb Schleich bisher auf allen 51 Merino-Eliten mit Böcken aus seiner Zucht vertreten war – ein Zeichen von kontinuierlich hoher Qualität.

Besonders freut es den erfolgreichen Züchter, dass seine Tochter Barbara – inzwischen eine verheiratete Plabst – in seine Fußstapfen getreten ist und als Landwirtschaftsmeisterin den elterlichen Ackerbaubetrieb mit 350 Herdbuch-Mutterschafen in ganzjähriger Stallhaltung weiterführt. Sie bringt ein absolutes Händchen für die Zucht mit, sodass ihre Erfolge bei Prämierungen und Versteigerungen aufhorchen lassen.

 

Füller: größter Zuchtbetrieb in Bayern

Altersklassen III und IV

Mit 750 Zuchttieren stellt Alexander Füller im unterfränkischen Stettbach mit Abstand den größten Zuchtbetrieb in Bayern. Füller ist seit 20 Jahren Mitglied bei der Bayerischen Herdbuchgesellschaft. Der Schäfermeister betreibt Landschaftspflege im Truppenübungsplatz Hammelburg und vermarktet die anfallenden Lämmer über Direktvermarktung. Drittes Standbein ist die Zucht.

So sorgt Füller für die stärksten Umsätze bei den Auktionen. 2017 verkaufte er beispielsweise in Dettelbach den mit 9100 € bisher teuersten Bock. Sein Mitarbeiter Jürgen Paulus, ehemaliger Lehrschäfermeister der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, unterstützt ihn bei der Hüte- und Zuchtarbeit.

 

Bader besticht mit solider Genetik

Merino_zweitälteste_OttoBader

Einen klassischen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchvieh- und Schafhaltung bewirtschaftet Otto Bader im schwäbischen Neuburg-Kammel. Er gehört seit 2002 der Bayerischen Herdbuchgesellschaft an und aktuell sind im Herdbuch 130 Mutterschafe eingetragen. Seine beiden Söhne Markus und Christoph unterstützen den Vater mit aller Kraft. Die Tiere bestechen mit guter und solider Genetik. Bader bringt viel Ehrgeiz mit und beteiligt sich oft an Ausstellungen. Das bisher beste Abschneiden mit einem Elite-Bock in Ansbach zeigt eindrucksvoll, dass sich dessen Zucht im Aufstieg befindet.

Thorwart wartet mit Spitzentieren auf

Kurt Thorwart aus Reichenberg in Unterfranken führt die Schafhaltung im Nebenerwerb. Seit 1994 widmet er sich der Zucht – mit derzeit 100 im Herdbuch eingetragenen Mutterschafen. In seiner Arbeit kooperiert er sehr erfolgreich mit seinem Züchter-Kollegen Anton König, Burgebrach. Thorwart besticht bei seinen Zuchttieren mit einem echten Merinolandschaf-Typ, was maßgeblich zu seinem Erfolg beiträgt. Immer wieder ist er für Überraschungen gut und wartet mit Spitzentieren auf.

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