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Krumenverdichtung

Boden unter Druck

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
03.11.2016

München - Schwere Maschinen, zu hoher Reifeninnendruck oder Befahren bei Nässe kann zu Bodenschäden führen.

Güllefass

Gerade jetzt im Herbst sind zum Teil gigantische Erntemaschinen unterwegs. Aber auch ganz normale Traktoren mit zu hohem Luftdruck im Reifen und schweren Dreipunkt-Aufbauten können Schäden im Boden verursachen.
Die Landtechnikhersteller nehmen jedes Jahr viel Geld in die Hand, um noch professionellere, neue Maschinen zu entwickeln. Das Resultat sind noch größere und leistungsfähigere Fahrzeuge, die allerdings meist auch schwerer sind. Besonders bei den Traktoren ist die PS-Leistung ständig gestiegen und damit meist auch das Gewicht. So kann man noch leistungsfähigere Anbaugeräte einsetzen. Insgesamt gerät der Boden sprichwörtlich noch stärker unter Druck. Gerade die Herbstzeit ist meist feucht und dann solch schwere Fahrzeuge, das ist keine gute Kombination für die Bodenstruktur. Damit der Boden keine (allzu großen) Schäden nimmt, sollten einige altbekannte Maßnahmen beachtet werden:

  • Befahren zu feuchter Böden vermeiden.
  • Reifeninnendruck anpassen.
  • Fahrwerke mit großer Aufstandsfläche nutzen.
  • Niedrigere Radlasten bevorzugen.
  • Bodentragfähigkeit verbessern.

Denn die Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion sind unsere Böden. Ihre Bewirtschaftung muss langfristig einen guten Bodenzustand gewährleisten. Die bodenschonende Nutzung leistungsfähiger Landtechnik erfordert bewusstes Handeln und intelligente Lösungen, denn die mechanische Belastbarkeit der Böden hat Grenzen. Ziel muss es sein, die Gewichts- und Zugkräfte von Landmaschinen auf tragfähigen Böden mit möglichst geringer Spurbildung einzusetzen.

Bodenschonend arbeiten

Immer mehr PS unter dem Fahrersitz ermöglichen das Arbeiten in z. T. feuchten, oft auch schon nassen Feldern, wo es früher technisch gar nicht möglich war. Wichtig: man sollte eine ausreichende Abtrocknung des Bodens abwarten! Zur Kontrolle ist die Spatenprobe sicherlich bekannt. Es schadet nicht, vom Traktor abzusteigen und ins Feld zu laufen, dann bemerkt man, ob der Boden an den Gummistiefel klebt oder nicht.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist das Bodengefüge. Mit einer ausgewogenen Fruchtfolge, mit der  Durchführung gefügestabilisierender und -verbessernder Maßnahmen kann man die Bodenstruktur positiv beeinflussen. Dazu zählen organische Düngung, Kalkung, Zwischenfruchtanbau bzw. Humusaufbau (siehe letztes Wochenblatt, Seite 42).
Es ist bestimmt nicht selbstverständlich, wenn man beim Kauf von Landmaschinen Bodenschutzaspekte in die Entscheidung mit einfließen lässt. Hier spielt eine bodenschonende Bereifung eine zentrale Rolle. Dabei muss der Hersteller die für die Bodenbeanspruchung maßgeblichen Fahrzeug- und Reifendaten (Radlast, Stützlast, erforderlicher Reifeninnendruck für unterschiedliche Bereifungs- und Ausstattungsvarianten, Überrollmuster) in der Maschinenbeschreibung offenlegen. Nur so kennt man je nach Maschinen- und Gerätekombinationen die wahren Lasten im praktischen Einsatz.
Aber auch im Bereich Arbeitsverfahren gibt es einige Ansätze. So begrenzen Fahrgassensysteme die Bodenbelastung auf Teilbereiche des Ackerschlages. Dabei sollte man sie so breit anlegen, dass bodenschonende Reifen eingesetzt werden können. Durch GPS-gestützte Parallelfahreinrichtungen ist es möglich, einmal festgelegte Fahrgassen jedes Jahr wieder zu finden und zu benutzen (Controlled Traffic Farming). Das Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung verhindert die Entstehung einer oft schädlichen Pflugsohle. Bodenexperten plädieren dafür, denn die Stabilität des Bodengefüges wird allgemein verbessert, wodurch mechanische Belastungen besser aufgefangen werden können. Und schließlich soll das Onlandpflügen den Unterboden schonen, weil alle Traktorräder auf der Bodenoberfläche fahren.

Hohe Radlast – noch breitere Kontakfläche

Es ist ein einfaches physikalisches Gesetz: Man kann die Radlast zum einen durch Verringerung des Leer- und Ladungsgewichtes oder durch eine Erhöhung der Aufstandsfläche bzw. Achsenanzahl reduzieren. Dabei führt eine sehr hohe Radlast bei vergleichsweise kleiner Kontaktfläche (Reifenaufstandsfläche) zu einem hohen Bodendruck an der Oberfläche und auch zu einer starken Tiefenwirkung. Seit Jahren gibt es in der Praxis Lösungsansätze, die Kontaktfläche zu vergrößern: wie z. B. durch Einsatz von Reifendruckregelanlagen und von Breit- und Terrareifen, Zwillingsreifen, Gitterrädern oder Bandlaufwerken (Raupen). Dabei ist zu beachten, dass eine Erhöhung der Radlast nur durch überproportionale Vergrößerung der Kontaktfläche kompensiert werden kann! Eine Verringerung des Reifeninnendruckes bei gut verformbaren Reifen führt erwiesenermaßen durch die gleichmäßigere Lastabstützung und Reifenverbreiterung zu verringerten Bodendrücken. Hier bieten die Reifenhersteller bereits ein breites Sortiment an Reifen, die mit sehr geringem Luftdruck im Feld gefahren werden können. Reifendruckregelanlagen machen vor allem dann Sinn, wenn oft zwischen Straßen- und Feldfahrten gewechselt wird. Typisches Beispiel hierfür ist die Gülleausbringung. Ebenfalls wissenschaftlich erwiesen ist die negative Auswirkung von Überrollhäufigkeit und Belastungsdauer: Denn häufiges Überrollen und lange Belastungen erhöhen das Verformungsrisiko des Bodens. Was kann man hier tun? Zum einen der Verzicht oder die Einsparung von Überfahrten, z. B. durch Kombination von Arbeitsgängen. Zudem sollte  schwere Transporttechnik nicht auf dem Acker abstellt werden. Versetzte Achsen oder Dreiräder vermindern ebenfalls die Überrollhäufigkeit von Spuren. Das haben die Hersteller von Selbstfahrern schon in vielen Bereichen realisiert (Rüben- und Kartoffelroder bzw. Gülle-Selbstfahrer etc.).
Im Acker oder auf der Wiese  spielt dann der Schlupf eine wichtige Rolle: Allradantrieb, Differenzialsperren, große Kontaktflächen bzw. geringer Reifeninnendruck, optimale Ballastierung sowie effizientere Zugkraftübertragung reduzieren das Schlupfrisiko. Dabei verringern bekanntlich zapfwellengetriebene Werkzeuge den Zugkraftbedarf. Hohe Reifenstollen bringen im Acker gute Traktion, aber sie begünstigen auch Scherungen an der Wiesen­oberfläche. Positiv sind hier spezielle Grünlandreifen, um die Grasnarbe besser zu schonen.

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