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Landtechnik

Bodenbearbeitung - die Arbeitsqualität entscheidet

Afrika Gruppe
Norbert Bleisteiner, Markus Heinz, Annette Schmid, Bildungszentrum Triesdorf
am
18.07.2019

Der Praxistag in Triesdorf informierte über Bodenbearbeitungsgeräte und wie man diese gezielt einsetzt wie etwa zur Unkrautregulierung ohne Glyphosat.

Versuch Simulation Bodendruck

Alle Landwirte spüren den Wind und die Turbulenzen von Markt und gesellschaftlichen Diskussionen. Markus Heinz, Leiter der Abteilung Pflanzenbau sieht Unkrautregulierung als Thema mit hoher Präsenz. Deutlich wurde dies auch auf dem Praxistag „mechanische Unkrautregulierung“ Anfang Juli in Triesdorf. Es kamen 150 Teilnehmerinnen zu den Fachvorträgen und praktischen Vorführungen auf dem Feld.

Prof. Dr. Bernhard Bauer erläuterte die Ziele der mechanischen Unkrautbehandlung: 1. flächige Bodenbearbeitung, um Unkräuter und auflaufendes Getreide flach zu unterschneiden; 2. die Enterdung der Wurzeln; 3. die mechanische Schädigung des Sprosses; 3. Verschüttung der Vegetationskegel und 5. die Verhinderung der Wiederetablierung.

Bei der in Triesdorf im letzten Jahr konzipierten Versuchsanstellung wird, nach Vorfrucht Getreideganzpflanzsilage, eine spezielle Ansaatmischung zu zwei unterschiedlichen Terminen ausgesät. Der anschließende Aufwuchs stellt dabei die Unkrautproblematik vieler Betriebe gut dar: Hafer als „Ungras“ ist schwer zu bekämpfen, Phacelia steht für die eher leicht zu bekämpfenden Unkräuter und die Wicke für Unkräuter, die sich schlecht schneiden lassen. Bei ausreichendem Pflanzenbestand erfolgt die Bearbeitung mit verschiedenen Geräten. Der Erfolg wird mit Hilfe verschiedener Parameter bewertet. Ziel ist, die Unterschiede der verschiedenen Werkzeuge, Stellungen und Anordnungen der Elemente und Nachläufer zu quantifizieren. Dabei werden folgende Kriterien beachtet: flächige Bodenbearbeitung, Anzahl der noch verankerten Pflanzen, Enterdung und Einmischungsgrad der Pflanzen.
Gleich nach der Überfahrt kann mit diesen Parametern das Arbeitsergebnis beurteilt werden. 13 verschiedene Geräte wurden während des Praxistages am Versuchsfeld vorgeführt und die Arbeitsergebnisse vor Ort in Augenschein genommen und bewertet. Prof. Bauer erläuterte in seinem Vortrag die Kernproblematik, wie sieht das bearbeitete Feld nach ein, zwei oder drei Wochen aus? Wie viele Pflanzen und Unkräuter stehen dann? Im vergangenen Jahr hat man in dem Versuch erstmalig mit Hilfe von RGB-Luft-Aufnahmen die Bedeckungsgrade in definierten Abständen zum Bearbeitungstermin gemessen. Auf dieser Basis können die Grünanteile (= Biomasse) der Flächen festgestellt und Rückschlüsse auf den Wirkungsgrad der Bodenbearbeitung gezogen werden.

Zwischenfruchtanbau
ohne Glyphosat

Landwirt Bernhard Reischl aus dem Landkreis Dachau und Markus Heinz (LLA Triesdorf) berichteten über ihre Erfahrungen im Zwischenfruchtmanagement ohne Glyphosat. Ganz entscheidend ist, zu welchem Zeitpunkt die Bodenbearbeitung durchgeführt wird. Die Zukunft der nächsten Kultur beginne mit dem Mähdrusch der Vorkultur. Der Bodendruck ist nach Reischl das A und O. Anhalten und mehrfache Überfahrungen gelte es unbedingt zu vermeiden. Entscheidend ist ein gutes Stoppelmanagement. Deshalb mulcht er die Stoppel, arbeitet sie flach ein und achtet auf eine gute Durchmischung. Bei Flächen, die im Folgejahr für Zuckerrüben oder Mais vorgesehen sind, setzt er auf den Anbau von Zwischenfrüchten. Die Mischungen werden unmittelbar eingesät. Für ihn sind winterharte Komponenten in der Mischung unerlässlich, da in vielen Wintern eine „echte Wintergare“ ausbleibt. Ziel ist, eine gute Durchwurzelung und Nährstoffspeicherung zu erreichen. In seinem Betrieb werden zu Zwischenfrüchten ca. 15 bis 20 m3 Gülle eingeschlitzt. Kalken ist für Rieschl eine wichtige Maßnahme. Dies geschieht aber nur nach vorheriger Prüfung der zu kalkenden Flächen und ausschließlich mit kleinen Mengen eines reaktiven Kalkes. Nach Beendigung der Vegetation werden auf seinem Betrieb bei ausreichender Trockenheit die Zwischenfrüchte mit einer Messerwalze zerkleinert bzw. zerquetscht. Die verbleibende Biomasse bleibt dann über den Winter an der Oberfläche.

Hacken und striegeln, aber richtig

Mit Manfred Weller referierte ein erfahrener Biolandwirt und Berater zu seinen Erfahrungen mit Hacke und Striegel. Pflanzenbau habe in jedem System, egal ob ökologisch oder konventionell das gleiche Ziel: Es soll geerntet werden, was gesät wurde. Niemand will Durchwuchs oder grüne Bestände bei denen die eigentliche Kulturpflanze fast nicht mehr zu erkennen ist. Für Weller sind beim Hacken und Striegeln drei Faktoren entscheidend.
  • Schüttfähige Böden: Beim Striegeln ist es wichtiger, das Unkraut verschütten, als nur auszureißen. Das Unkraut soll bekämpft und die Aussaat in Ruhe gelassen werden. Dafür ist eine exakte Tiefenführung entscheidend. Vorteilhaft für die genaue Anpassung und Bearbeitung ist es, wenn der Striegel einzeln aufgehängte Zinken hat.
  • Keine bis wenige Steine auf den Flächen: Sonst kann es zu mehr Beschädigungen kommen, vor allem beim Hacken.
  • Der richtige Zeitpunkt: Bei Durchwuchs lassen die Wetter- und Bodenbedingungen oft nur ein kleines Zeitfenster für eine Bodenbearbeitung zu. Je nach Wärme keimen Saat und Unkräuter nach fünf bis sieben Tagen. Jetzt ist der Zeitpunkt zum blind striegeln. Entscheidend ist, kann ich genau dann auf den Acker fahren – stimmen Bodenverhältnisse und Wetter?
Grenzen des Striegelns liegen nach Wellers Erfahrungen in den jeweiligen Stadien von Kulturpflanzen und Unkraut, in der Witterung, in den Bodenverhältnissen (z. B. bei feinschluffigen Böden), in der Menge der zu bewegenden Erde und bei Unkräutern wie Kamille, Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Hederich, Flughafer, Kornblume, Wicken und Hohlzahn. Das Hacken wird bei seitlichen Hanglagen erschwert.
Dieser Praxistag war der Auftakt zu einer Reihe von Bodenbearbeitungstagen mit insgesamt ca. 300 Teilnehmern (Gruppen von Fachschulen, Fachkraft Agrarservice, Anwärter Agrarservicemeister bis zu Studierenden der HSWT und des Postgraduiertenkurses „Food Chains in Agriculture“). Für alle ist es beeindruckend, die Auswirkungen von Gewicht und Bodenverdichtungen, die auf dem Acker mit Bodensonden simuliert und visualisiert werden, selbst zu erleben. Die Versuchsanordnung mit der Ansaat für die Bodentage hat sich bewährt und die Bonitur der Wiederergrünung wird fortgesetzt. Die Auswertung der Ergebnisse wird im Herbst 2019 veröffentlicht.
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