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Messen

Branchentreff der Spezialisten

Vorführung
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
19.01.2017

Stuttgart - Alles rund um Wein-, Obstbau und neu auch für Sonderkulturen konnte man auf der Intervitis, Interfructa, Hortitechnica erfahren und Technik auch live erleben.

Insgesamt zogen die Veranstalter und Aussteller mit dem erweiterten Messekonzept eine positive Bilanz, wenn auch die Hortitechnica noch ausbaufähig ist. Diese internationale Technikmesse für Wein, Saft und Sonderkulturen hat die Angebotsschwerpunkte Anbau- und Erntetechnologie, Verarbeitung und Prozesssteuerung, Abfüll- und Verpackungstechnologie sowie Organisation und Vermarktung. Dieser Branchentreff findet alle zwei Jahre auf der Messe Stuttgart statt. 2014 konnte die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) als fachlicher Träger für den Bereich Sonderkulturen gewonnen werden.
Vom 27. bis 30 November kamen insgesamt  25.437 Besucher aus 57 Ländern, um sich u. a. über die neueste Technik zu informieren. Ein Großteil der Fachbesucher zeigte sich investitionsfreudig, das ergab eine entsprechende Messe-Umfrage: 44 % planen  einen Kauf  bzw. Investition in den nächsten sechs Monaten (2013 waren es 41 %). Dabei waren 70 % der Messebesucher im Weinbau tätig, 19 % im Obstbau und 14 % bewirtschaften Sonderkulturen.  Auch neue Besucher konnten gewonnen werden, denn  rund 30 % kamen zum ersten Mal. Und die Internationalität steigt, 19 % der Besucher kamen aus 56 Ländern: Vornehmlich aus Österreich, Frankreich, Schweiz, Italien und Ungarn.
Die bei Besuchern beliebten Maschinenvorführungen zählen neben einer erweiterten Verkostungszone, dem DLG-Special „Smart Horticulture“ und dem 62. Deutschen Weinbaukongress zu den Highlights des diesjährigen Rahmenprogramms.

Verschiedene Live-Vorführungen

Kein Vergleich zur Agritechnica, wo man an den überfüllten Messeständen die Technik kaum zu Gesicht bekommt und auch kaum entsprechende Ansprechpartner. Nein, auf der Intervitis, Interfructa, Hortitechnica ist es übersichtlicher und man hat Zeit für Fachgespräche. Zudem konnten die Besucher unter dem Motto „Technik live erleben“ an täglich zwei Vorführungen die neuesten Maschinen im Einsatz bestaunen – jeweils mit dem Schwerpunkt Sonderkulturen und Wein. Die Maschinenvorführungen wurden dabei durch zwei Sonderschauen in Halle 1 ergänzt: Hier konnte man erstmals den kompletten Salat-Anbauprozess von der Aussaat bis zur Ernte nachvollziehen. Ein weiteres Technik-Highlight  waren die Demonstrationen bzw. der Einsatz von Drohnen und Robotik im Weinbau mit Hindernisparcours und spezielle Erntetechnologie.
Die Veranstaltung am Vormittag drehte sich rund um das Thema Anbau und Ernte von Sonderkulturen. In einer praxisnahen Präsentation stellten Hersteller wie Lemken und Case IH ihre Produkte in einem Parcours auf die Probe. Dabei befuhren die Pflanzenschutzspritzen eine Art Holperstrecke und zeigten, dass sie den Anforderungen an die Gestängestabilität und -balance sowie an die Federung und Dämpfung gewachsen sind.
Rund um den Anbau, die Pflege und die Ernte von Trauben präsentieren verschiedene Aussteller täglich ab 14 Uhr rund eine Stunde lang ihre neuesten Maschinen. Den fachlichen Hintergrund lieferten Martin Strauß von der LVWO Weinsberg und Harald Kramer von der Landwirtschaftskammer NRW. Besucher erhielten so einen guten Eindruck über die Neuheiten und eine Einschätzung zur deren Praxistauglichkeit.
Darüber hinaus gab es in Halle 1 eine weitere Sonderschau. Das diesjährige Partnerland Italien präsentierte unter dem Motto „Italians take the Field – Technology and Innovation in Horticulture“ den kompletten Anbauprozess unterschiedlicher Salatsorten. Besucher erhielten so tiefergehende Informationen über Bodenbearbeitung, Saat, Umpflanzen, Unkrautbeseitigung sowie Ernte auf einer Gesamtfläche von 300 m2 anhand von sieben verschiedenen Maschinen für Bodenbearbeitung, Umpflanzung und Ernte.

Drohnen und Robotik im Einsatz

Ein Besuchermagnet in der gleichen Halle war die Sonderschau zum Thema „Drohnen und Robotik“. Hierzu war auf über 500 m2 ein mit Netzen gesicherter Vorführbereich präpariert worden. In diesem Special wurden Prototypen einer fortschreitenden Automatisierung im Anbau von Sonderkulturen, wie Weintrauben, Spargel oder Hopfen, demonstriert. Die Schwerpunkte bildeten dabei Themen wie Pflanzenschutz im Steillagenweinbau mithilfe von Spritzdrohnen sowie der automatisierte Rebschnitt und die Nährstoffanalyse von Anbauflächen durch Robotik. Organisatoren dieser Sonderschau waren der Deutsche Weinbauverband und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der DLG, der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg sowie die Hochschule Geisenheim.
Neben technischen Lösungen für den intelligenten Sonderkulturanbau standen die Themen Bewässerung, Sensortechnik, Robotik, Spritzeninnenreinigung sowie DLG-anerkannte Lenksysteme im Rampenlicht der Hortitechnica. Dabei waren auch rein mechanische Weiterentwicklungen, die einen Nutzenzuwachs für den Anwender bringen, gefragt. Dennoch zeigten sich manche Gemüseerzeuger bzw. Obstbaubetriebe enttäuscht, dass die Aussteller in diesem Bereich sehr überschaubar waren. Auch waren z. B. nicht alle Hersteller von Spezialtraktoren vor Ort.
Eine internationale Jury hatte die besten Neu- und Weiterentwicklungen prämiert: So erhielt der neue Steillagen-Vollernter von Carl Hoffmann Landmaschinen aus Piesport eine Goldmedaille in der Kategorie Anbau- und Erntetechnologie. Die zweite Goldmedaille ging an die italienische Firma TMCI Padovan für die Entwicklung eines leistungsstarken Crossflow-Filters.

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