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Herbstbestellung

Direktsaat ist mehr als pfluglos

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Veronika Fick-Haas
am
19.06.2019

Statt Pflug, Grubber oder Tiefenlockerer übernehmen Bodenlebewesen und Zwischenfrüchte die Arbeit.

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Es ist ein kurioser Anblick: Die Quetschwalze am Schlepper vorn knickt den Grünroggen. Gleichzeitig wird mit der angehängten Direktsaatmaschine in den nun liegenden und abgetöteten Bestand der Zwischenfrucht der Mais gedrillt. Fasziniert beobachten die Teilnehmer des Infotags zur Direktsaat im MR-Tirschenreuth das Ganze. Landwirt Georg Schmid hat zusammen mit zwei Kollegen in die neue Saattechnik investiert und demonstriert sie auf seiner Versuchsfläche.

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Schnell wird klar: Direktsaat ist mehr als der Einsatz einer neuen Maschine. Direktsaat heißt sich auf ein ganz neues Bewirtschaftungssystem umstellen. Statt Pflug, Grubber oder Tiefenlockerer übernehmen Bodenlebewesen und Zwischenfrüchte die Arbeit. Sie sorgen im Rahmen einer weiten Fruchtfolge für Nahrung, Düngung, Pflanzenschutz und vor allem für ein stabiles Bodengefüge.

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„Wer in dieses Verfahren einsteigt, der braucht nicht nur eine entsprechende Maschine, sondern vor allem detaillierte Informationen und eine gute Beratung“, betont Referent Christophe de Carville aus der Bretagne. Rund 70 Interessierte – Landwirte und auch Berater – sind zum Fachseminar des MR-Tirschenreuth gekommen. Hier zeigt der Produktchef von Sky Agriculture, ein französischer Hersteller für Direktsaattechnik, Zusammenhänge auf, verweist auf weltweite wissenschaftliche Studien und berichtet von eigenen Erfahrungen. Gleich zu Beginn stellt er jedoch fest: „Es gibt keine universale Lösung. Jeder Betrieb muss sich seine Strategie selbst erarbeiten.“

Thema Bodenschutz

Auf dem Weg zum Veranstaltungsort in der Oberpfalz sind Christophe de Carville viele abgeschwemmte Flächen aufgefallen. Schließlich hatte es Mitte Mai zum Teil heftig geregnet. Abhilfe verspricht die Direktsaat. „Je weniger das Feld bearbeitet wird, umso größer ist die Aktivität im Boden und umso widerstandsfähiger ist es gegen Niederschläge. Ein gut strukturierter, stabiler Boden wird Wasser von oben aufnehmen und verteilen. Und bei Dürre sorgt er für Speicherung und Weiterverteilung“, erklärt der Fachberater. Das haben Langzeitversuche an vielen Instituten auf der Welt bestätigt. Zudem wirken die Pflanzenrückstände am Feld als natürlicher Puffer gegen das Aufprallen der Regentropfen.

Mit der Erosion verliere man wertvollen Humus, aber ebenso Dünger und Pflanzenschutzmittel. Wenn man also den Boden schütze, dann mache man viel für die Nachhaltigkeit und gleichzeitig für die Umwelt und das Image der Landwirtschaft.
Christophe de Carville appelliert an die Landwirte, die von der Natur zur Verfügung gestellten Ressourcen zu nutzen. Damit meint er als Erstes die „Gratis-Bodenbearbeitung“ durch Regenwürmer und Milliarden von Bodenorganismen. Daneben könne der „Gratis-Stickstoff“ aus der Luft von Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Bohnen mittels Knöllchenbakterien oder Rhizobien gebunden und im Boden gespeichert werden. Zwischenfrüchte nutzen jedoch nicht nur den Stickstoff aus Luft und organischer Masse, sondern helfen obendrein bei der Unkrautregulierung. Versuche belegen – je mehr Zwischenfrüchte, umso schlechter entwickeln sich Unkräuter und Ungräser. Im Herbst sind Zwischenfrüchte besonders leicht zu integrieren. Da gebe es eine ausgeprägte Freisetzung von pflanzenverfügbarem Stickstoff. Zwischenfrüchte wie z. B. Weißklee binden ihn. „Die Zwischenkulturen werden ansonsten in einer Tiefe von vier bis sechs Zentimetern gefräst und gemulcht“, erzählt er. Mechanisch können Zwischenfrüchte außerdem mit Quetschwalzen vor der Saat geknickt und verletzt werden. Zu beachten ist die N-Mineralisierung und das C/N-Verhältnis. Letzteres ist umso ungünstiger, je entwickelter die Zwischenfrucht ist.

Gemeinsame Sätechnik

Die Landwirte Josef Weiß, Matthias Neumann und Georg Schmid sind von den Vorzügen der Direktsaat angetan. Ihre angeschaffte Technik ist mit einem dreifachen Dosiersystem ausgerüstet. Damit können verschiedene Saatgutarten in unterschiedlicher Ablagetiefe ausgebracht und mit Mikrogranulaten oder Schneckenkorn ergänzt werden. Da für die Maschine über 50 000 € zu investieren sind, haben sie sie gemeinsam angeschafft und sich als Nutzergruppe in der Maschinengemeinschaft Kreis Tirschenreuth eG, einer eingetragenen Genossenschaft unter dem Schirm des MR-Tirschenreuth, organisiert. Seit vier Jahren engagiert sich der dortige MR sehr stark. Mit dem neuen Verfahren sieht man gute Chancen für die Zukunft der Landwirtschaft – mit weniger Dünger und Pflanzenschutz bei gleichen Erlösen. Für die Landwirte ist die gemeinsame Maschine mehr als die Aufteilung der Kosten. Sie schätzen jetzt schon den regen Austausch. „Das Ganze ist Neuland, das wir uns gemeinsam erschließen. Von den Erfahrungen jedes Einzelnen lernen zugleich die anderen“, hebt Josef Weiß hervor. Die Teilnehmer des Infotages sind auf die Entwicklung des in den Grünroggenbestand gesäten Maises gespannt. Langzeittests besagen, dass die Erträge bei Direktsaat stabil bleiben. Veronika Fick-Haas
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