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Notfall

Ein Drama mit Happy End

Mobiler Melkstand
Hannelore Summer
am
03.11.2017

Der Maschinenring mittlerer Bayerischer Wald hat einen mobilen Melkstand vorgestellt. Er kann bei Umbauten oder im Notfall auf den Hof rollen.

Geschafft! Am Sonntag, den 22. Oktober, hat Staatsminister Helmut Brunner auf dem Betrieb von Michael Liebl in Rinchnach-Gehmannsberg (Lks. Regen) den mobilen Melkstand, offiziell in Betrieb genommen. Der Melkstand zeige, dass man mit Zusammenhalt und Gemeinschaftsleistung vieles auf die Beine stelle könne, sagte Brunner.

Als 2013 an der Donau Bauernhöfe unter Wasser standen und Milchkühe evakuiert und untergestellt werden mussten, überlegte Roland Graf, Kreisobmann der BBV Kreisgruppe Regen, mit Josef Hofbauer, Geschäftsführer des MR mittlerer Bayerischer Wald, wie man dem Bauern in Zukunft besser helfen könne. Es stehen immer mehr Kühe in den Ställen. Wenn etwas passiert, wird es immer schwieriger die Kühe unterzustellen und täglich zu melken. Die Idee war, einen mobilen Melkstand anzuschaffen, der zum provisorischen Quartier gebracht werden kann. Doch so etwas gibt es nicht von der Stange.

Graf kümmerte sich mit Hilfe des Bauernverbands um die Finanzierung. Hofbauer suchte lange im Internet, informierte sich und führte stundenlang Gespräche. Die Lösung war: Zwei Spezialfirmen für Maschinenbau und Melktechnik und eine Metallbaufirma aus dem Bayerischen Wald bauen den mobilen Melkstand passgenau selber.

Es war ihm schon ein wenig mulmig, als er im Oktober 2016 den Vertrag mit den drei Firmen unterzeichnet hat, gestand Hofbauer. Für über 100 000 € sollten sie etwas bauen, was es so noch nicht gab. Doch er kannte die Firmen und hatte Vertrauen.
Hannelore Summer

Heraus kam eine hochmoderne Melkanlage

Mobiler Melkstand

Rund ein Jahr haben sich die Maschinenbauspezialisten Xaver Spannmacher aus Auerbach, Ludwig Fischl und Josef Zißler aus Viechtach immer wieder mit den Metallbauern Rudolf Achenbrenner jun. und sen. in Arnbruck getroffen, und getüftelt, geschweißt, ausprobiert und zusammengebaut. Heraus kam eine hochmoderne Melkanlage, die side by side acht Kühe melken kann und die so kompakt ist, dass sie auf einen Lkw passt.

Zur Ausstattung gehören ein Stromaggregat, welche mit der Zapfwelle eines Traktors mit einer Leistung von 130 PS betrieben wird, und ein mobiler Tank. „Wir haben jetzt eine Melkanlage mit Top-Technik und die modernen Anforderungen an Arbeitssicherheit und -ablauf entspricht“, ist Hofbauer begeistert.

Über die Heckklappe können bis zu acht Kühe in den Melkstand gehen. Wenn die Absperrgitter geschlossen sind, fährt der Boden auf dem sie stehen 80 cm in die Höhe, sodass man bequem das Melkzeug anstecken kann. Wenn die Kuh fertig gemolken ist, werden die Melkbecher automatisch abgenommen. Nach acht bis zehn Minuten sind alle acht Kühe gemolken, der Boden mit den Kühen senkt sich, das Absperrgitter öffnet sich und die Kühe verlassen den Melkstand.

Ungefähr zwei Drittel der Kosten hat der Milchförderfonds beigesteuert, ein Viertel das Landwirtschaftsministerium, den Rest teilen sich die Goldsteig-Molkerei und der Maschinenring, das AELF Regen unterstützte fachlich und beim Ausfüllen der Förderanträge.

Der MR mittlerer Bayerischer Wald wird Betreiber des Melkstands sein, der mobile Stand steht allen Landwirten in Bayern zur Verfügung. Wer den Melkstand ausleiht, muss sich pro Kuh und Tag mit 2 € an den Unkosten beteiligen, mindestens mit 70 €, maximal mit 120 € pro Tag. Hofbauer ist es wesentlich lieber, wenn der mobile Melkstand dann zum Einsatz kommt, wenn ein Betrieb seinen Stall renoviert oder die Melkanlage modernisiert als bei einem Katastrophenfall.

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