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Tüftler

Der erste Pflug, der säen kann

Alternative Pflug-Saat
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
21.03.2019

Pfiffige Eigenbaulösung am Pflug: Beim Pflügen werden die Feinsaaten in obere und die Leguminosen in tiefe Saathorizonte gezielt und separat eingesät.

  • Die selbst gebaute Säeinheit am Pflug kombiniert das Pflügen und das gleichzeitige Säen von Zwischenfrüchten.
  • Das Besondere ist, dass Feinsaaten in obere und die Leguminosen in tiefe Saathorizonte separat verteilt werden.
  • Der Fronttank hat diesbezüglich zwei separate Behälter.
  • Vielfältige Zwischenfruchtmischungen sorgen für Erosionsschutz und für Futter für die Bodenlebewesen.
Transportwagen

Mathias Maier aus Sitzing im Landkreis Mühldorf hat an seinem Pflug eine differenzierte Säeinheit selbst gebaut. Damit kann er nach der Getreideernte beim Pflügen gleichzeitig seine Zwischenfrucht ausbringen. Das Besondere ist, dass Feinsaaten in obere und die Leguminosen in tiefe Saathorizonte separat verteilt werden. Schon seit vielen Jahren verwendet Mathias Maier Leguminosen in seiner Zwischenfruchtsaatmischung. Doch die großkörnigen und kleinkörnigen Komponenten der Saatmischung brauchen unterschiedliche Saathorizonte.

6-Feld

„Früher bin ich daher im Herbst mehrfach über den Acker gefahren. Heute erledige ich das in einer Überfahrt mit meiner selbst gebauten Säeinheit am Pflug. Der erste Pflug, der gleichzeitig säen kann“, erzählt Maier schmunzelnd. „Zwischenfrüchte sind für unsere maisbetonte Region sehr wichtig. Sie sorgen in erster Linie für Erosionsschutz. Insbesondere die Bohnen bleiben auch nach dem Winter stehen. Über die verschiedenen Zwischenfrüchte bekommen auch die Bodenlebewesen so die ganze Zeit Futter. Die vielschichtigen Wurzeln der verschiedenen Komponenten und die vielen Regenwürmer lockern zudem den Boden.“

Wichtig: vielfältige Zwischenfruchtmischung

3-Verteilerkopf

Mathias Maier ist hierbei in engem Kontakt mit Max Stadler vom Landwirtschaftsamt Pfaffenhofen. Dieser empfiehlt für die großkörnige Komponente 50 bis 60 kg Ackerbohnen plus 5 kg Wicken bzw. 40 kg Ackerbohne plus 20 kg Erbsen und 5 kg Wicken. Die Feinsaatmischung (insgesamt rund 10 kg/ha) besteht aus Phacelia, Senf, Ölrettich, Kresse, Ramtillkraut, Öllein, Alexandrinerklee sowie Perserklee und Sorghum.

Vor zwei-drei Jahren kam Maier beim Pflügen auf die Idee, das Verfahren mit der Zwischenfruchtsaat zu kombinieren. Nachdem kein Landtechnikhersteller eine derartige Kombination anbietet, hat der Landwirt die Idee selbst realisiert. Heute hat seine Pflugsaat die Bewährungsprobe in der Praxis bestanden. „Es funktioniert einwandfrei, wobei prinzipiell die Säeinheit auch auf Grubber anbaubar ist“, ergänzt Maier: Die Säeinheit besteht aus dem Fronttank mit zwei getrennten Kammern, für die feinen und großen Saatkörner. Über den Luftstrom bzw. große Pneumatikleitungen gelangt das Saatgut getrennt in die zwei Verteilerköpfe am Pflugturm sowie dann an die Verteilorgane am Pflugrahmen. Dort wird das jeweilige Saatgut in die unterschiedlichen Saathorizonte gezielt und dosiert eingeblasen.

Unterschiedliche Saathorizonte

2-Pflug

Schattenkeimer wie die Bohnen oder Erbsen gelangen in einen tieferen Saathorizont. Lichtkeimer wie Senf und Phacelia oben drauf. Gesteuert bzw. bedient wird die jeweilige Saatmenge über das Terminal. „Die Firma Horsch hat mich da sehr gut unterstützt“, berichtet Maier und betont, dass doch viel Arbeit, Zeit und Hirnschmalz in seiner Pflugsaat verbaut sind. Aber es habe sich gelohnt. Er verweist auf die vielen Vorteile seines Systems: „In zehn Minuten ist die ganze Einheit abgebaut. Ich habe auch einen speziellen Transportwagen dafür gebaut. Das Verfahren ist eine sehr wirtschaftliche Technik, da in einem Arbeitsgang mehrere Arbeitsschritte bewältigt werden. Auch Getreide säen mit gleichzeitiger Grunddüngung oder auch Raps säen mit Ausbringung von Schneckenkorn ist mit dem geteilten Fronttank und einer Säeinheit möglich.“

Bodenbearbeitung und Saat kombinieren

Alternative-Maier-Monitor

Durch diese Kombination sind weniger Überfahrten nötig, das verringert den Bodendruck, reduziert den Kraftstoffbedarf sowie den Zeit- bzw. den Maschinenaufwand. Auch die Wasserersparnis wird immer wichtiger, denn jeder Arbeitsgang führt zur Wasserverdunstung. Mit dem Verfahren wird auch das Wetterrisiko zwischen Ackern und Aussaat verringert und es besteht keine bzw. geringe Windanfälligkeit beim Aussäen. „Je schneller der Boden mit Zwischenfrüchten bedeckt ist, desto weniger Unkraut oder Ungräser können keimen, fügt Mathias Maier hinzu: „Die raue Scholle bleibt erhalten, dadurch erfolgt ein niedriges Abschwemmen beziehungsweise kein Verschlämmen des Bodens. Über den Winter ist bei der Pflugfurche eine bessere Frostgare und ein schnelleres Abtrocknen des Bodens im Frühjahr festzustellen.“

Im letzten Jahr hat er auf 20 ha mit diesem System seine Zwischenfrüchte gesät. „Von Berufskollegen sind inzwischen Anfragen eingegangen, auch ihre Felder mit der Technik zu bearbeiten“, berichtet Maier: „Das System ist nicht nur für meinen Betrieb geeignet. Vielleicht ist das Säen am Pflug für einen Landtechnikhersteller interessant“, ergänzt Mathias Maier. „Meine Eigenbaulösung hat sich betriebswirtschaftlich schon nach zehn Jahren amortisiert, da sind die pflanzenbaulichen Vorteile oder der Erosionsschutz nicht miteingerechnet.“ Letztes Jahr war ja bekanntlich sehr trocken, das Maier-Systemsäen beim Pflügen habe aber super funktioniert. Denn wichtig war hierbei der Bodenkontakt der Saat mit dem noch feuchten Boden. „Humus erhalten hat Priorität, daher der Erosionsschutz über vielfältige Zwischenfrüchte. Und die Leguminosen in der Mischung haben viele Vorteile: die gute Wurzelleistung der Bohnen, Erbsen und Wicken und ihre Eigenschaft als Stickstoffsammler und besonders die stabilen Pflanzenreste bis in den Frühling“, betont Maier.

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