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Precision Farming

Immer in der gleichen Spur

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
17.11.2016

München - Max Stürzer legt Wert auf eine intakte Bodenstruktur, daher bewirtschaftet er seit Jahren seine Flächen mit dem Controlled Traffic Farming-Verfahren. Dazu braucht man ein exaktes Spurführungssystem und möglichst gleiche Arbeitsbreiten.

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Das Prinzip des Controlled Traffic Farming (CTF) ist, dass alle Fahrzeuge und Maschinen bei der Landbewirtschaftung immer die vorgegebenen Fahrwege benutzen und das jedes Jahr. Ziel ist es, den Anteil befahrener Fläche möglichst gering zu halten. Dabei wird ein Anteil von mehr als 60 bis 80 % der Fläche nicht mehr überrollt. Damit man mit dem Traktor-Geräte-Gespann immer exakt auf die gleiche Spur kommt, braucht man entsprechend genaue automatische Spurführungssysteme (RTK-DGPS mit +/–2,5 cm Genauigkeit). Und auch kompatible Arbeits- bzw. Spurweiten aller Fahrzeuge und Geräte machen natürlich Sinn (wie zum Beispiel 3, 6, 12 oder 24 m oder 4,5 bzw. 9 und 18 m Arbeitsbreite).
Diese Bewirtschaftungsart wurde auch in Weihenstephan und Tänikon (Schweiz) schon wissenschaftlich untersucht. Aber es gibt auch eine Reihe von praktizierenden Betrieben auf der ganzen Welt (siehe Kasten), einige davon auch in Bayern. Max Stürzer hat südwestlich von München einen 330 ha-Ackerbaubetrieb. Und wie er erzählt, sind seine Böden sehr druckempfindlich: „Von Sand- bis Tonböden ist alles auf meinen Äckern vertreten. Die überwiegende Boden­art ist aber sandiger Lehm. In Kombination mit den relativ vielen Niederschlägen von 900 bis 1100 Liter pro Jahr und den besonderen klimatischen Bedingungen durch die Alpennähe beziehungsweise Grünlandgrenze, ergibt sich ein sehr enges Zeitfenster zur Arbeitserledigung. Allgemein sind starke Ertragsunterschiede erkennbar, die aber mit Schwierigkeiten in der Bewertung belegt sind.“
Seinen Ansatz, mehr standortspezifisch zu wirtschaften, startete er, nachdem er mehrere Jahre Ertragskartierungsdaten vorliegen hatte.

Nachhaltiger und präziser wirtschaften

Der technikaufgeschlossene Landwirt suchte nach Lösungen. „Zunächst habe ich es mit einfachen pflanzenbaulichen Maßnahmen probiert: Saatstärke variieren, unterschiedliches Andüngen, also Verringerung des Inputs. Ich wollte Zonen mit niedrigerem Ertrag nicht einfach so akzeptieren. Meine Priorität war die Suche nach den Ursachen.“ Aber mit der Weiterentwicklung der GPS-Technik hat sich für Stürzer, wie er es bezeichnet, „eine neue Türe geöffnet! Denn nun gab es neue Möglichkeiten mit Lenkunterstützung, automatische Lenksysteme sowie Teilbreitenschaltungen.“ Ab 2008 kaufte er die entsprechende Technikausstattung für automatische Lenkung. Und 2010 hatte er, um exakter zu arbeiten, das System dann mit eigener RTK Station aufgerüstet. „Heute habe ich eine konsequente Spurplanung für die schweren Arbeitsmaschinen wie Mähdrescher umgesetzt, also Con­trolled Traffic Farming Light.“ So machte Stürzer in seinem Büro einmal die Spurplanung für den Mähdrescher, die er dann jedes Jahr wieder verwendet.
„Der Mähdrescher ist eigentlich die Schlüsselmaschine im Con­trolled Traffic Farming. Danach richtet sich auch die Spurplanung für die folgende Stoppelbearbeitung. Dabei habe ich so weit es geht die verschiedenen Arbeitsgeräte auf die gleichen Arbeitsbreiten entsprechend angepasst.“ Auf die Frage, welche unmittelbaren Vorteile sich daraus ergeben, zählt Stürzer ohne zu zögern eine Reihe seiner konkreten Erfahrungen auf: „Bessere Arbeitsqualität, gleichmäßige Tiefe über die Breite, weniger Verstopfungen, weniger Verschleiß, geringerer Kraftstoffaufwand. Das sind konkret bei der Stoppelbearbeitung fünf statt sechs Liter pro Hektar.“ Gibt es auch Nachteile? „Ja“, meint Max Stüzer, „Bewirtschaftungsfehler können nicht mehr kaschiert werden. Der Teppich, unter den der Dreck gekehrt werden kann, ist weg“, wie er sagt. „Aber für mich ist das Controlled Traffic-Verfahren kein Dogma. Wenn es aus pflanzenbaulichen Gründen oder aufgrund der Wetterlage nötig ist, arbeite ich auch schon mal außerhalb der Fahrspuren wie zum Beispiel heuer bei der Saatbettbearbeitung diagonal zur sonstigen Arbeitsrichtung, um die Spuren der feuchten Ernte zu unterfahren.“  
Laut den wissenschaftlichen Untersuchungen sind in erster Linie bessere Bodenstrukturen zu beobachten. Das kann Stürzer auf seinen sehr unterschiedlichen Flächen bestätigen: „Das Niederschlagswasser kann auf den nicht befahrenen Flächen besser einsickern und gespeichert werden. Der Zugkraftbedarf und Treibstoffverbrauch ist geringer, da die Bodenstruktur besser erhalten beziehungsweise aufgebaut werden kann. Die Veränderung der Bodenstruktur dauerte aber rund drei Jahre.“

Welchen Nutzen haben permanente Fahrwege?

Zu den weiteren Vorteilen des Controlled Traffic Farming, welche die Wissenschaftler ausführen und aufgrund der  Untersuchungen auch  belegen können, zählen verbesserte Feldaufgänge, intensivere Durchwurzelung, ein hohes Maß an Erosionsschutz, stabilere und höhere Erträge (+10 %), hohe Wirtschaftlichkeit (Mehrerträge, Energieeinsparung), geringere Emissionen von klimarelevantem Lachgas, ausreichende Entwicklung der Kulturpflanzen in den Fahrwegen! Die Mindererträge in dem befahrenen Bereich werden durch Mehrerträge außerhalb der Fahrwege mehr als kompensiert. Auch sind sichere Erträge in Trockenphasen zu erwarten (effizientere Wassernutzung in Trockenphasen).  
Aber Stürzer hat auch Wünsche an die Landtechnikfirmen: „Eine bessere Kombinierbarkeit verschiedener Systeme der Hersteller wäre toll. Und auch die Abstimmung der tatsächlichen Arbeitsbreiten wäre eine Erleichterung. So habe ich den Leichtgrubber durch Eigenbaulösung entsprechend verbreitert. Auch wäre es sinnvoll, wenn man unterschiedliche Arbeitstiefe im Fahrspurenbereich einstellen könnte.“ Denn auch hier hat er seine Kurzscheibenegge modifiziert. Im Bereich der Fahrspuren arbeiten die Scheibenelemente tiefer, damit die Verdichtungen beseitigt und die Bodenoberfläche gleichmäßig eben wird. Denn im Gegensatz zur wie Stüzer sagt, aus­tralischen CTF-Version, wo die Fahrspuren nicht bearbeitet werden und regelrechte Wege im Feld sind, lockert und sät er auch in den jeweiligen Fahrspurbereichen.
Aber auch in der Spur achtet Max Stürzer auf Bodenschonung. So ist nicht nur der Mähdrescher mit Raupenlaufwerk ausgestattet, sondern auch der Großtraktor, die Challenger-Raupe. Die vergrößerte Aufstandsfläche schont die Krume und bringt mehr Traktion. Das entlastet natürlich auch den Boden.

Feste Fahrspuren auch im Grünland?

Diese Controlled Traffic Farming Light-Version, also feste Fahrspuren nur für schwere Fahrzeuge und Maschinen, wie Selbstfahrer oder Traktorgespanne mit vollen Güllefässern, könnte für viele Praktiker ein sinnvoller erster Schritt sein für mehr Bodenschonung. Große Lasten immer in der gleichen Spur, leichtere Gespanne (mit geringem Verdichtungsrisiko) auch außerhalb. Das wäre insbesondere auch fürs Grünland interessant. Häcksler, Transportgespanne und Güllefahrzeuge bleiben dann stets in der gleichen Spur. Die leichteren Traktor-Geräte-Kombinationen wie zum Beispiel fürs Mähen, Zetten, Schwaden können sich frei bewegen.

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