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Spezialtraktoren

Kommunalschlepper - orange Alleskönner

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
17.07.2018

Der Kommunaltraktor wird neben den Arbeiten im Winterdienst auch im Sommer für diverse Pflegearbeiten eingesetzt. Was braucht so ein oranger Traktor? Kann man dafür einen Standardschlepper mit Zusatzequipment einsetzen?

Kommunal-Unitrac-Kehren
Die Traktoren in den Kommunen sind nicht einfach orange lackierte Standardschlepper, das ist nicht nur für Landwirte wichtig, die z. B. über den Maschinenring kommunale Dienstleistungen übernehmen bzw. planen. Denn im Kommunalbereich steht den eingesetzten Trägerfahrzeugen ein breit gefächertes Einsatzspektrum gegenüber. Grundsätzlich sind zwar die Fahrzeuge und Geräte in ihrem Einsatz mit Fahrzeugen der Landwirtschaft vergleichbar. Dennoch haben Kommunaltraktoren vielfältigere Aufgaben.
Aufmacher-Kommunal
Das Aufgabenspektrum lässt sich grob in die zwei Bereiche Winter- und Sommerdienst gliedern:
  • Im Winter stehen hauptsächlich das Schneeräumen, -kehren und das Streuen im Vordergrund.
  • Der Sommerdienst hat ein vielfältigeres Spektrum. Dazu zählen neben den verschiedenen Arten des Kehrens und den Aufgaben der Abfallbergung insbesondere die Grünflächenpflegearbeiten (Straßenbegleitgrün, Bahntrassen und Dämme von Wasserstraßen) und die Landschaftspflege mit ihren breit gefächerten Einsatzgebieten. Hecken, Streuwiesen, Halbtrockenrasen, Heiden, Streuobst- und Buckelwiesen sind beispielsweise Biotope, die es zu pflegen und zu erhalten gilt. Kann man einen Standardschlepper mit Zusatzequipment einsetzen oder eignen sich nur Spezialfahrzeuge?

Anforderungen

Kommunal-Straßenbereifung-Valtra
Für dieses breite Aufgabenspektrum ergeben sich zwangsweise ebenso viele spezielle Anbaugeräte. Und wie sieht es mit den Trägerfahrzeugen aus? Hinsichtlich der Geländetauglichkeit und der An- und Aufbauräume werden an das Trägerfahrzeug verschiedene, teilweise recht gegensätzliche Anforderungen gestellt. So ist beispielsweise bei großen Raddurchmessern die Bodenschonung besser und die Bodenfreiheit höher, bei kleineren Rädern dagegen sind Schwerpunkt und Ladekante tiefer. Bei einem langen Radstand ist die Gewichtsverteilung, insbesondere mit angebauten Geräten, in der Regel günstiger, die Wendigkeit wiederum schlechter.
Im Straßendienst ist die Frontanbauplatte (DIN 76060) die gängige Schnittstelle für Frontgeräte wie z. B. für Auslegergeräte. Zudem ist in der Landschaftspflege der Frontkraftheber nahezu unentbehrlich.
Für das Fahren auf den Straßen haben sich stufenlos regelbare hydrostatische Geräteantriebe in Verbindung mit einfachen mechanischen Fahrantrieben vermehrt durchgesetzt. Aber in der Landschaftspflege findet man auch häufig Fahrzeuge mit hydrostatischem Fahrantrieb und mechanischen Zapfwellen.
Welche Bauarten kommunaler Trägerfahrzeuge gibt es? Um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, entstanden die unterschiedlichen Bauarten kommunaler Trägerfahrzeuge. Einige Bauarten sind aus der Landwirtschaft bekannt (siehe Kasten). Aus einigen Typen der aus der Landwirtschaft stammenden Fahrzeuggattungen wurden von einigen Herstellern (Fendt, Steyr, Lindner, Kubota etc.) spezielle Kommunaltraktoren entwickelt (Schmalspur-Kommunalfahrzeug) oder eigene modifizierte und standardisierte Modellreihen mit entsprechender Zusatzausstattung etc.
Welche zusätzlichen technischen Parameter bzw. Ausstattungen sind dabei gefordert? Auffälligstes bzw. augenscheinlichste Kennzeichen sind natürlich die orange Farbe (Farbe RAL 2011 Kommunalorange) und die Rundumkennleuchten. Zudem sind zwei vollwertige Sitzplätze in der Kabine erwünscht bzw. für bestimmte Arbeiten gefordert (zweisitzige Frontlenkerkabine).
Der folgende Leistungskatalog für den Kommunalbereich liest sich wie eine nicht enden wollende Wunschliste aller technisch machbarer Features. Der Leistungsbereich ist je nach Einsatzgebiet verschieden, aber wichtig ist die Erfüllung der aktuell geltenden Abgasnorm (mind. Stufe Tier IV final). Weitere Features sind Kraftstofffilterheizung, Vorwärmpaket (Vorwärmung von Motor-Getriebe-Hydrauliköl muss möglich sein), stufenloses Wendegetriebe ohne Kraftflussunterbrechung mit einem Fahrbereich mind. 0,02 bis 50 km/h, automatisierte Abstimmung von Getriebe und Motor (lastabhängig) und Tempomat.
Der Radstand bzw. die Traktorbreite können beim Winterdienst z. B. Gehwege eingeschränkt sein. Wichtig sind zudem eine Kommunalbereifung bzw. Straßenbereifung und ein ausreichendes zulässiges Gewicht für die Vorder- und Hinterachse. Oft sollte die Vorderachse hydraulisch gefedert und abschaltbar sein sowie einen bestimmten Federweg aufweisen. Kotflügel müssen schwenkbar sein. Es sind auch spezielle Anforderungen an die Zapfwelle gegeben wie Zapfwellenautomatik, elektrohydraulische Drehzahlvorwahl etc. und der Heckkraftheber sollte elektronisch regelbar sein sowie einen elektronisch geregelten Schwingungsdämpfer besitzen. Insbesondere an die Hydraulik werden hohe Ansprüche gestellt: mind. vier Steuergeräte, doppelt wirkend, freier Rücklauf vorn und hinten. Die Hydraulikkupplungen müssen unter Druck kuppelbar sein, und bei der hydraulischen Mehrfachkupplung seitlich sollte sie korrespondierend mit den Heckventilen sein. Insgesamt wird eine Bedienung über Kreuzschalthebel gefordert. Die Steuerventile sollten elektrisch verstellbar in der Ölmenge, frei belegbar und über ein Terminal individuell einstellbar sein.

Rund um die Kabine

Für lange Arbeitstage wünschen sich nicht nur Landwirte einen Komfortfahrersitz mit Luftfederung, Sitzheizung und Drehadapter, pneumatische Kabinenfederung, Klimaanlage mit automatischer Temperaturregelung sowie eine Halterung für verschiedene Terminals.
Für bessere Sichtverhältnisse bei Arbeiten mit Frontanbaugeräten haben sich Freisichtkabine mit Panoramafrontscheibe bewährt. Zum zusätzlichen Ausstattungspaket zählen: abschließbarer Tankdeckel, Zusatzarbeitsscheinwerfer am Dach (nach vorne, zur Seite und nach hinten), beheizbare Heckscheibe und Außenspiegel, elektrisch verstellbarer Spiegel, elektronische Wegfahrsperre sowie eine Druckluftbeschaffungsanlage.
Schließlich wird oft auch ein entsprechendes Sicherheitspaket gefordert, bestehend aus Verbandskasten, Warndreieck und Feuerlöscher. Eine Bedienungsanleitung zweifach in Deutsch und ein entsprechendes TÜV Gutachten/ABE oder COC Bescheinigung sollten selbstverständlich sein und runden das Anforderungspaket ab. Helmut Süß

Unterschiedliche Bauarten kommunaler Trägerfahrzeuge

Welche technischen Bauarten kommunaler Trägerfahrzeuge gibt es?

Da die Anforderungen ein sehr breites Spektrum aufweisen, müssen auch die Fahrzeuge entsprechend angepasst sein. So entstanden sehr unterschiedliche Bauformen und -arten kommunaler Trägerfahrzeuge.

Einige Bauarten sind aus der Landwirtschaft bekannt wie:

Nicht aus der Landwirtschaft stammen folgende Trägerfahrzeuge:

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