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Traktortechnik

LED-Scheinwerfer nachrüsten: Billig- gegen Markenprodukt

Externer Autor
am
12.03.2018

Lohnt sich das Geld für einen teureren LED-Schweinwerfer oder fährt man mit der billigen Konkurrenz aus Fernost genauso gut?

LED Leuchten

Dazu haben wir uns mit Unterstützung durch Fachoberlehrer Elmar Branz von der Matthias-Erzberg-Schule im baden-württembergischen Biberach/Riss einen Fendt 822 Favorit, Baujahr 1998 vorgenommen. Ziel: die vorhandenen, rückwärtigen Halogen-Arbeitsscheinwerfer durch LED-Strahler zu ersetzen.

Im Vergleich treten an: das Arbeitslicht 27 F-SQ-02 des chinesischen Herstellers Sailun als Vertreter des Billigsegments und der Hella Power Beam 1800 compact als Premiumprodukt. Beide Kandidaten haben auf dem Papier eine Lichtleistung von rund 1800 lm und sind etwa gleich groß.

Beim Sailun erfolgt die Befestigung am Kotflügel über einen Schwenkfuß mit einer 50 x 22 mm großen und 1,0 mm starken Grundplatte sowie einer mit Federring gesicherten M8-Schraube – alles in Edelstahlausführung. Außer einem einseitigen Datenblatt gibt es keinerlei Hinweise zu Montage, Betrieb oder etwaigen Typprüfungen.

Beim Hella Power Beam 1800 compact ist das anders: Hier bekommt man als Käufer eine sehr detaillierte Montageanleitung, die im 18-seitigen, deutschsprachigen Teil alles für den Einbau Wichtige bis hin zur Verkabelung und Drehmomenten für das Anziehen der Befestigungsschrauben in Skizzen abbildet.

Die Lichtleistung von 1850 lm wird von sechs Hochleistungs-LED erzeugt und über einen Multi-Facettenreflektor verteilt. Je nach Streuscheibenvariante sorgt der Power Beam für eine weitreichende Ausleuchtung oder, wie der von uns verbaute, für die Nahfeld-Illumination.

Die Befestigung am  Traktor erfolgt über einen sehr massiven Kunststoff-Schwenkfuß mit einer 13 mm starken, 55 x 40 mm großen Grundplatte und einer selbstsichernden M10-Schraube samt Federscheibe. 

Wichtig sind solide Baukomponenten

Hinsichtlich der äußeren Qualitätsanmutung spielt der Power Beam – wie angesichts der Preisdifferenz von rund 140 € nicht anders zu erwarten – in einer anderen Liga als der Sailun. So erweist sich der deutlich kleiner ausgeführte Schwenkfuß beim Sailun als weit weniger stabil und daher schwingungsanfälliger im Feldeinsatz als beim Hella-Strahler. Gleiches gilt für die Fixierung des Scheinwerfers in einem bestimmten Neigungswinkel.

Das kurze Anschlusskabel des Sailun zwingt zu Anbaukompromissen beziehungsweise es sollte ein Stromanschluss am Montageort vorhanden sein. Die Kabeldurchführung ins Innere des Strahlers macht zumindest bei unserem Modell nicht den Eindruck einer hohen Spritzwasserdichtigkeit. Ein weiterer potenzieller Nachteil: Wird das Kabel beim Arbeitseinsatz etwa durch streifende Äste ab- oder ausgerissen, ist eine vernünftige Reparatur nicht möglich. Beim Power Beam lässt sich ein defektes Kabel dank Steckverbindung hingegen problemlos auswechseln.

Um die vom Fahrer wahrgenommene Ausleuchtung der Strahler zu vergleichen, haben wir diese nach­einander an unseren Umrüstschlepper angebaut und Fotos des ausgeleuchteten Bereichs aufgenommen. Drei Pylone im Abstand von 8,0 m beziehungsweise von 12,0 m hinter dem Traktor dienen als Orientierungspunkte. Die Arbeitsscheinwerfer wurden mit rund 17 Grad Neigung zum Boden eingestellt und so seitlich justiert, dass ein möglichst guter Überlappungsbereich, beginnend ab cirka 2,0 m hinter dem Traktor, gegeben ist.

Die Fotos oben mit identischer Kameraeinstellung aufgenommen; bei einem Bild musste eine längere Belichtungszeit gewählt werden, um eine vergleichbare Darstellung zu ermöglichen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch der Halogen-Scheinwerfer lieferte eine brauchbare Ausleuchtung des Arbeitsbereichs.

In Relation dazu bringt aber die LED-Lichttechnik gravierende Zugewinne, wie sie in den Bildern zum Ausdruck kommen. Das zeigen bereits die Sailun-Strahler. Gegenüber dem H3-Strahler, der insgesamt eine gleichmäßige Ausleuchtung des Arbeitsbereiches ermöglicht, enthält das fotografisch dokumentierte Lichtbild des Sailun mehrere Übergangsbereiche zwischen hell und dunkel. Diese nimmt das Auge des Fahrers allerdings nicht gleichermaßen ausgeprägt wahr.

Versucht man eine breitere Ausleuchtung durch Verdrehen der Scheinwerfer zu erreichen, entsteht im mittleren Bereich eine störende Dunkelzone. Außerdem bietet der Randbereich nur einen kleinen Übergang von „hell“ zu „dunkel“ und wirkt so vergleichsweise scharf abgegrenzt. Bei langer Nachtarbeit dürfte das der Ermüdung Vorschub leisten. Für eine breite Nahfeldausleuchtung sind damit die Sailun-Strahler nur bedingt geeignet. Ferner ließ deren Lichtleistung bei fortschreitender Betriebsdauer etwas nach.

Die Leistung überzeugte

Derlei Schwächen leisten sich die Hella-Power-Beam-Scheinwerfer nicht. Bei nahezu gleicher Lichtleistung auf dem Papier sind sie dem Sailun in allen Belangen um Längen voraus. Sie bieten dem Fahrerauge eine perfekte Nahfeldausleuchtung, die weit über jene des Sailun hinausgeht.
Die verwendeten Materialien hinterlassen durchweg einen hochwertigen Eindruck.

Einmal angebaut, können Strahler und Traktor gleichermaßen alt werden. Das würden wir beim Sailun so nicht unterschreiben wollen. So kann in diesem kleinen Praxistest das Sailun Arbeitslicht nur mit seinem Preis punkten. Zu wenig, um sich für mehrstündige Arbeitseinsätze zu empfehlen. Für spezielle Anwendungen hingegen, etwa zum Beleuchten des Futtermischers während des Befüllens, könnte es eine Überlegung wert sein.

Die Billigversion

LED Sailun

Der Sailun Arbeitsscheinwerfer wird als Zweierset verkauft und kann laut Datenblatt des Herstellers im Spannungsbereich von10 bis 30 V betrieben werden. Das Aluminiumdruckgussgehäuse wirkt insgesamt ordentlich verarbeitet. Als Lichtquelle fungieren neun ringförmig angeordnete LED, die in Klarglasoptik die ansonsten zur Lichtverteilung strukturierte Frontscheibe unterbrechen. Zum Anschluss an die Schlepperelektrik dient ein 30 cm langes, mit einem Gummistopfen ins Gehäuse eingegossenes Kabel.

 

Das Markenprodukt

Hella LED

Der Hella Power Beam 1800 compact besitzt ein Thermo-Pro-Kunststoffgehäuse. Er ist für Fahrzeuge mit 12 und 24 V Bordnetzspannung ausgelegt und verträgt laut Datenblatt Spannungen von 10,5 bis 32 V. Die Zuleitung für die Spannungsversorgung wird mit einem Deutsch-Stecker mit Gummischutzmantel im Strahlergehäuse fest verklippst. Spritzwasser hat hier keine Chance. Entsprechende 2,0 m lange Adapterkabel gibt es im Zubehör. Ebenso wie verschiedene Befestigungssockel für besondere Einbaubedingungen.

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