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Schleppertechnik

LED am Traktor nachrüsten - was ist zu beachten?

Arbeitsscheinwerfer
Gernot Raiser
am
08.03.2018

Umrüsten hat seine Tücken, denn nicht alle Bastelarbeiten sind erlaubt. Unter Umständen erlischt die Betriebserlaubnis.

Während der Eins-zu-eins-Austausch der vorhandenen Beleuchtung durch LED-Scheinwerfer unproblematisch ist, kann es durchaus kritisch werden, wenn in die Schlepper-Systemkomponenten eingegriffen wird. Darauf weist Andreas Fehr hin. Er ist Fachlehrer an der Gewerbeschule im südbadischen Breisach und Co-Autor für den Europa-Lehrmittelverlag im Fachbereich Land- und Baumaschinentechnik.

In Schleppern werden immer mehr elektrische Bauteile installiert. Das Potenzial von Akku und Lichtmaschine ist aber begrenzt. Wenn die Beleuchtung verstärkt werden soll, ist das ein Aspekt, der klar für eine Nachrüstung mit stromsparenden LED spricht statt mit herkömmlichen Xenon- oder Halogenscheinwerfern. Es sind aber auch Aspekte der Fahrzeugzulassung und -sicherheit zu beachten, was manchem Bastler vielleicht nicht bewusst ist.

StVZO setzt den Rahmen

Andreas Fehr

Die Vorschriften in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung StVZO sind für Arbeitsscheinwerfer nicht so streng wie für andere Leuchtmittel. Denn diese dürfen nur auf dem Feld oder dem eigenen Grundstück, nicht aber im öffentlichen Verkehr während der Fahrt benutzt werden. Deshalb ist man bei der eigentlichen Positionierung des Arbeitsscheinwerfers relativ frei, wenn Rumpf- und Rahmenelemente außen vor bleiben.

Bauartbedingte Zulassung

Doch eine Beleuchtungsnachrüstung wird schnell zu einem ganz heißen Eisen, sobald die bauartbedingte Zulassung ins Spiel kommt. Den hierfür gültigen rechtlichen Rahmen gibt die EU-Richtlinie 2003/37/EG vor. Sie definiert im Detail, wie eine zugelassene landwirtschaftliche Zugmaschine aufgebaut sein muss, damit die Sicherheit von Fahrer und Umwelt gewährleistet ist.

Auf der sicheren Seite ist man, wenn man bei einer sogenannten Eins-zu-eins-Lösung Halterungen und Kabelsteckverbindungen der herstellerseitigen Erstausstattung für den Scheinwerfer-Umrüstsatz nutzen kann. Eine solche Umbauarbeit kann im Grunde jeder selbst durchführen.

Sobald man aber in Systemkomponenten eingreift, kann es kritisch werden. So muss man bei der Montage von Schweinwerfern auf die erforderliche und zulässige Stromstärke achten. Denn die im Fahrzeug schon verbauten Kabel haben einen bestimmten Leiterdurchmesser, der den Stromdurchfluss begrenzt. Man darf die Kabel nicht zum „Anzapfen“ auftrennen, sonst kann der Strom zu Überlastungen führen.

Und wenn man auch noch vorhandene Sicherungen gegen stärkere austauscht, bis sie bei eingeschalteter Lampe nicht mehr durchbrennen, ist der Kabelbrand praktisch vorprogrammiert. Durch nicht fachkundige Elektroinstallationen gehen immer wieder Traktoren auf in Flammen auf.

Auf der sicheren Seite bleiben

Wenn Scheinwerfer-Umbausätze an ein landwirtschaftliches Fahrzeug angebaut werden, dann haben sie oft, sofern es sich um ein hochwertiges Produkt handelt, eine bauartbedingte Zulassung für den betreffenden Schlepper und eine EG-Typgenehmigung. Mit der schriftlichen Bestätigung „passend für“, die vom Hersteller der Lampen auszustellen ist, ist die Betriebserlaubnis für den Anbau oder Umbau gegeben.

Eine andere Option sind Nachrüstsätze, die die Traktorenhersteller anbieten. Auch in diesem Fall bleibt die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges erhalten.

Außerdem geben seriöse Hersteller von Scheinwerfer-Nachrüstsätzen dem Kunden eine Anbauanleitung an die Hand, in der genau beschrieben ist, welche Schraube, zum Beispiel im Einstiegsbereich, gelöst werden darf, um den Halter eines Scheinwerfers zu montieren. Zusätzliche Schweißpunkte, Gewinde und anderes sind nicht ohne Weiteres zulässig.

Schwierig wird es immer, wenn Kabelbäume aufgetrennt oder elektrische Anschlüsse und Verbindungen geöffnet werden, die man dann aufteilt oder umnutzt. Unter diesen Umständen kann tatsächlich die Betriebssicherheit der Maschine in Gefahr geraten. Auch wenn Kabel frei verlegt werden, kann das unter Umständen dazu führen, dass die Betriebserlaubnis der ganzen Maschine erlischt.

Hintergrund dieser gravierenden Konsequenzen ist, dass die Bestimmungen der bereits erwähnten Maschinenrichtlinie der Europäischen Union von A bis Z eingehalten werden müssen.

Professionelle Hilfe sinnvoll

Was vielen nicht bewusst und vielleicht nicht unmittelbar einleuchtend ist: Es reicht beispielsweise, ein Loch in den Rahmen – ein tragendes Teil – der Schlepperkabine zu bohren, um einen Haken zum Aufhängen eines Kleiderbügels anzuschrauben, dass die Betriebserlaubnis für die komplette Maschine erlischt. Für Zusatzscheinwerfer bedeutet dies: Sowohl Leuchtmittel als auch Gehäuse müssen eine Zulassung für das umzurüstende Fahrzeug haben.

Sobald tragende Rahmen- und Rumpfelemente für die Befestigung von Zusatzscheinwerfern angebohrt, mit einem Gewinde versehen oder sonstwie verändert werden, ist die Betriebserlaubnis in Gefahr. In diesem Fall sollte ein Landmaschinenmechaniker-Meister eines Fachbetriebes die Selbstmontage anschließend untersuchen und schriftlich bestätigen, dass die Betriebssicherheit weiter gegeben ist. Um diesen Schritt kommt man beim Eigeneinbau oft nicht herum. 

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