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Jubiläum

Maschinenring - Fair-netzt in die Zukunft

MR-60-Jahre
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
21.06.2018

60 Jahre ist es her, dass Dr. Erich Geiersberger in Buchhofen den ersten Maschinenring gründete – das ist eine in der Landwirtschaft einmalige Erfolgsgeschichte. Das große Vertrauen der Mitglieder ist die Basis für diesen Erfolg.

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Der Schlüssel zur flächendeckenden Mechanisierung in der Landwirtschaft der 50er und 60er-Jahre war der Gedanke, Maschinen zu nutzen statt zu besitzen. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe waren in den Anfangsjahren des Maschinenrings zu klein, um beispielsweise einen Traktor überhaupt wirtschaftlich betreiben und auslasten zu können, denn die Größe der Betriebe richtete sich nach dem, was mit Arbeitspferden und immer noch viel harter Handarbeit bewirtschaftet werden konnte. Der technische Fortschritt in der Landwirtschaft nahm dann rasant Fahrt auf und Geiersbergers Grundidee, die gemeinschaftliche und überbetriebliche Nutzung über den Maschinenring zu organisieren, ermöglichte es bis heute 192 000 Landwirten, an dieser technischen Entwicklung teilzuhaben. Sie sind in über 245 lokalen Maschinenringe organisiert und bewirtschaften gemeinsam knapp die Hälfte der Agrarfläche Deutschlands. Aber am Tag der Maschinenringe 2018 letzte Woche in Unterschleißheim wurde beim Jubiläum nicht nur zurückgeblickt – symbolisch mit einem 60 Jahre alten Traktor – sondern auch zukünftige Lösungsansätze präsentiert.

Vertrauen als Basis für Erfolg

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Denn auch heute ist das gemeinsame Nutzen von großen landwirtschaftlichen Maschinen ein wichtiger Pfeiler der Gemeinschaft. Es sichert die Unabhängigkeit vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Seit 60 Jahren verändert der Maschinenring den Zugang zu modernen landwirtschaftlichen Maschinen. Die gleiche Rolle nimmt der Maschinenring auch in der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung der Landwirtschaft ein. „Für unsere Landwirte arbeiten wir an hochmodernen digitalen Lösungen, um die Effizienz der landwirtschaftlichen Betriebe zu steigern“, so Erwin Ballis, Geschäftsführer des Bundesverbands der Maschinenringe e.V. Starke Partner mit den gleichen Wertvorstellungen sind nötig, um den Maschinenring als Vorreiter in der Digitalisierung der Landwirtschaft zu positionieren. Ende 2017 unterzeichnete der Maschinenring einen Vertrag mit SAP,zur gemeinsamen Entwicklung von Anwendungen, um das Kerngeschäft der Maschinenringe zu digitalisieren. „Wir entwickeln gemeinsam den digitalen Maschinenring, den Maschinenring 4.0.“, so Ballis. Stefan Meinhardt, Vizepräsident bei SAP ergänzt: „SAP deckt mit seinen Softwarelösungen bereits große Teile der Wertschöpfungskette in der Lebensmittelproduktion ab. Für uns macht es Sinn, diese Erfahrungen zu nutzen, um dem Landwirt effiziente Lösungen für seinen unternehmerischen Alltag zu bieten.“ In Unterschleißheim wurden die ersten Anwendungen gezeigt. „Memo am Schlag“ ist der Projektname einer Anwendung, die es ermöglicht, Informationen zum Schlag mit Notizen und Sprachnachrichten zu verbinden, zu archivieren oder auch weiterzugeben. Dies erleichtert die Informationsweitergabe an andere Landwirte, an den örtlichen Maschinenring, oder auch an Jagdpächter. So kann man beispielsweise extrem einfach und effizient auch die Dokumentation erledigen.

Maschinenring 4.0: Fair vernetzt

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Ergänzt wird diese Anwendung durch ein modernes Dokumentenmanagement, das es möglich macht, alle relevanten Dokumente revisionssicher und GoBD-konform abzulegen. Auch hier ist das Smartphone das Werkzeug, das es möglich macht, alle Informationen und Dokumente gleich an Ort und Stelle zu erfassen und professionell zu archivieren. Der Grundgedanke von beiden Anwendungen ist, Informationen dort zu erfassen, wo sie auftauchen und nicht erst im Büro. „Was die landwirtschaftlichen Maschinen für den Maschinenring 1.0 waren, wird in Zukunft für den Maschinenring 4.0 die Kombination aus Maschinen und landwirtschaftlichen Daten sein“, erklärt Erwin Ballis. „Um diesen evolutionären Schritt ins digitale Zeitalter zu vollziehen, hat der Maschinenring ein Konzept aufgestellt mit dem Ziel, landwirtschaftlichen Betrieben – unabhängig von ihrer Betriebsgröße – den Zugang zum technischen und digitalen Fortschritt zu ermöglichen.“

Zum ersten Mal Betriebshilfe -Award

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Der Maschinenring ist eine Gemeinschaft von Landwirten für Landwirte. Solidarität und das Einstehen füreinander, wenn es mal nicht so läuft, ist ein weiterer Pfeiler der Gemeinschaft. Betriebshelfer springen ein, wann immer ein Landwirt z. B. durch Krankheit oder Unfall ausfällt. Zum ersten Mal wurde im Rahmen des Tages der Maschinenringe der Betriebshilfe-Award vergeben. Die Betriebshelfer/innen leisten jeden Tag großartige Arbeit, die leider oft nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient. Genau das soll der Award ändern. „Gerade in der Tierhaltung muss es schnell gehen. Hier reden wir nicht von Tagen, sondern von Stunden, in denen die Betriebshilfe einfach funktionieren muss“, so der MR-Präsident Leonhard Ost, „ohne lange Einarbeitung, sondern jetzt – sofort. Denn im Stall stehen Kühe, die gemolken werden müssen.“ Gerade hinter den Notfalleinsätzen der Betriebshelfer stecken oft dramatische Geschichten und Schicksale. Genau diese Geschichten soll der Betriebshilfe Award erzählen und auch zeigen, dass hinter der unscheinbaren Bezeichnung Betriebshilfe großartige Menschen, gut ausgebildet und voller Empathie stehen. Die Betriebshilfe ist einzigartig. Vergleichbares gibt es in keiner anderen Branche.

Die Gewinner

50 Bewerbungen von Betriebshelfern sind in den letzten Monaten eingegangen. Die Gewinner sind:

  • Klara Daum, MR Aichach (Bayern): Sie ist Dorfhelferin mit Herz und Seele. „Klara übernimmt jeden Einsatz und kann mit allen Menschen, ob Jung, ob Alt, gleichermaßen gut umgehen“, erzählt Eva Schade, MR-Geschäftsführerin in Aichach, begeistert: „Klara ist ein absoluter Haushaltsprofi. Sie gibt immer alles. Für den Beruf der Dorfhelferin ist keiner besser geeignet als Klara. Viele der Familien kennt Klara bereits in der dritten Generation. Ein Nein gibt es für Klara nicht.“ Das überzeugte auch das Präsidium des Bundesverbands der Maschinenringe.
  • Alfons Mönstermann, MR Ahaus (Münsterland, NRW): Er ist schon seit über 40 Jahren in der Betriebshilfe tätig und so zu einem beliebten Aushängeschild des Maschinenrings geworden. Ein Landwirt, bei dem Mönstermann als Betriebshelfer auf dem Hof war, bekundet begeistert: „Alfons Mönstermann hat im Jahr 2005 nach dem plötzlichen Tod meines Vaters für mehrere Monate auf unserem Betrieb geholfen. Und zwar weit über das zu erwartende Maß hinaus mit einer Kompetenz, Ruhe, Freundlichkeit und Empathie, die uns gezeigt hat, dass wir zwar traurig sein dürfen, aber keine Angst vor der Zukunft haben müssen! Er hat uns Wege gezeigt, wie der Hof weitergeführt werden kann.“
  • Der MR Nordwest (Ostfriesland, Niedersachsen): Gemeinsam mit den beiden Betriebshelfern Imke Loerts und Thomas Möllenkamp hat dieser Maschinering nicht nur zwei Bewerbungen eingereicht. Das gemeinsame Bewerbungsvideo ist darüber hinaus ein sympathisches Porträt der Betriebshilfe. Das Engagement und den aufwendigen Videoclip belohnte die Jury mit einem Sonderpreis.

Volles Vertrauen

Ost-Leonhard

Leonhard Ost wurde einstimmig in das Amt des Präsidenten des Bundesverbands der Maschinenringe wiedergewählt. Alle Stimmberechtigten sprachen ihm damit das Vertrauen aus, weitere drei Jahre den eingeschlagenen Kurs des Maschinenrings fortzuführen. Als Vizepräsidenten wurden Gerhard Steitz und Friedrich Schäfer gewählt. Präsidiumsmitglieder sind Norbert Hofnagel und Rolf Zobel.

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