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Gebührenpflicht

Mautpflicht für schnelle Traktoren

Traktor auf Straße
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Hans Dreier, Wochenblatt
am
15.06.2018

Ab 1. Juli gilt die Maut auch für Bundesstraßen. Traktoren über 7,5 t, die schneller als 40 km/h fahren können, sind von der Gebührenpflicht betroffen.

Zum 1. Juli 2018 wird die bestehende Mautpflicht für Fahrzeuge ab 7,5 t zulässiges Gesamtgewicht auf alle Bundesstraßen ausgedehnt. Besteht die Mautpflicht bislang auf allen Bundesautobahnen und 2300 km autobahnähnlichen Bundesstraßen, so kommen jetzt 38.000 km Bundesstraßen dazu.

Ausgenommen von der Mautpflicht sind land- oder forstwirtschaftliche Fahrzeuge im geschäftsmäßigen Güterverkehr mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von maximal 40 km/h. Darauf weist Helmut Menner von der BBV-Rechtsabteilung hin. Der Bauernverband hatte sich zusammen mit den Lohnunternehmerverbänden und den Maschinenringen seinerzeit erfolgreich für diese Ausnahme eingesetzt.

Zu den lof-Zugmaschinen/lof-Fahrzeugen, die bislang von der Mautpflicht befreit sind, gehören u.a. Ackerschlepper mit der Schlüsselnummer 891000 bzw. 871000 und die Geräteträger mit der Schlüsselnummer 892000 bzw. 872000, auch wenn ihre bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit mehr als 40 km/h beträgt (sogenannte Schnellläufer), sofern sie „für eigene Zwecke unterwegs sind und keinen gewerblichen Güterverkehr“ betreiben. Nach aktuellen Urteilen erscheint die bislang praktizierte Mautbefreiung für Schnellläufer nicht mehr möglich und das Bundesamt für Güterverkehr hat sich der neuen Rechtslage angeschlossen. 

Drosselung auf 40 km/h ist sinnvoll

Damit werden, so Menner, auch land- oder forstwirtschaftliche Fahrzeuge, soweit sie mit einer „bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h“ die mautpflichtigen Straßen nutzen, mautpflichtig. Die rechtlichen und politischen Möglichkeiten, dagegen anzugehen, werden derzeit geprüft – der Ausgang ist offen. Halter von land- oder forstwirtschaftlichen Fahrzeugen mit höheren Geschwindigkeiten sollten daher darüber nachdenken, ob nicht eine Drosselung auf die 40 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit sinnvoll wäre. Die Mautpflicht wäre dann kein Thema mehr, so Menner.

Landwirtschaftliche Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 50 oder 60 km/h unterliegen ab Juli 2018 aber voll der Mautpflicht – auch dann, wenn man gar keine Güter transportiert oder privat unterwegs ist. Die 7,5-t-Grenze bezieht sich nicht nur auf die Zugmaschine, sondern auch auf die Kombination mit einem Transportanhänger.

Landwirte, die weiterhin mit Schnellläufern über 7,5 t auf die Bundesstraße wollen, müssen dann wohl oder übel Mautgebühren bezahlen. Zuständig dafür ist die Organisation Toll Collect, die die Mautgebühren für den Staat eintreibt.

Einbaugerät bucht automatisch ein

Landwirte, die ab 1. Juli neu am Mautsystem teilnehmen, sollten frühzeitig entscheiden, wie sie die Gebühr bezahlen wollen. Wer häufig die mautpflichtigen Straßen nutzt, für den ist die Bezahlung über das automatische Einbuchungsverfahren sinnvoll. Die Einbuchung erfolgt hier über ein fest im Schlepper eingebautes Gerät, die sogenannte On-Board-Unit (OBU). Dieses Gerät erfasst mithilfe von Satellitensignalen (GPS) die Position und zurückgelegte Strecke, errechnet automatisch die Höhe der Maut und sendet die Daten per Mobilfunk an das Toll-Collect-Rechenzentrum.

Damit die OBU eingebaut werden kann, registriert sich der Landwirt online über das Kunden-Portal bei Toll Collect. Dann können die Fahrzeuge angemeldet werden. Es folgt der Besuch beim Servicepartner, der die OBU einbaut. Toll Collect stellt das Gerät kostenfrei zur Verfügung, der Einbau ist vom Landwirt zu bezahlen.

Per App auf dem Handy einbuchen

Wenn man sich keine On-Board-Unit in den Traktor einbauen lassen möchte und flexibel von unterwegs einbuchen will, ist die Handy-App eine gute Wahl. Grundsätzlich kann man sich mit der App ohne Registrierung bei Toll Collect einbuchen. Als registrierter Kunde hat man den Vorteil, dass die Zugangsdaten für das Kunden-Portal auch für die App genutzt werden können. Dadurch stehen in der App auch die Fahrzeugdaten aus dem Portal zur Verfügung.

Als nicht registrierter Kunde hat man die Möglichkeit, ein Einbuchungskonto anzulegen. Damit kann man Fahrzeuge und Strecken in der App speichern und auch für die Einbuchung am Terminal und online nutzen.

Ein kurzer Überblick: Vor Fahrtbeginn gibt man die Traktor-Daten, die Startzeit und das Fahrtziel ein. Das System berechnet die Strecke und bezieht dabei auch nicht mautpflichtige Strecken mit ein. Einbuchungen sind bis zu 24 Stunden im Voraus möglich.Per App eingebuchte Strecken können in der App, online oder an einem der neuen Mautstellen-Terminals storniert werden. 

Wie hoch sind die Kosten für die Maut?

Die Mauttarife sind im Bundesfernstraßenmautgesetz festgeschrieben. Der Gesamtbetrag ergibt sich aus der Strecke, die ein Fahrzeug oder eine Fahrzeugkombination auf mautpflichtigen Straßen zurücklegt, und einem Mautsatz je Kilometer. 

Der Maut-Teilsatz für die Infrastrukturkosten unterscheidet zwischen Fahrzeugen mit zwei Achsen, drei Achsen, vier Achsen und fünf oder mehr Achsen.

Der Maut-Teilsatz für die Kosten der verursachten Luftverschmutzung richtet sich nach der Schadstoffklasse. Dabei wird jedes Fahrzeug aufgrund seiner Schadstoffklasse einer der sechs Kategorien A, B, C, D, E und F zugeordnet.

Aufgrund der verschiedenen Fahrzeug- und Schadstoffklassen ergibt sich beim Mautsatz eine Spannbreite von 8,1 bis 21,8 ct pro Kilometer.

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