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VDMA Landtechnik

Milchviehbetriebe melden sich nach langer Durststrecke zurück

Melken
pd
am
20.02.2017

Frankfurt - Die Milchwirtschaft hat Zukunft, eine gute sogar. Zu diesem Schluss kamen die im VDMA organisierten Agrartechnikhersteller im Rahmen ihres traditionellen Milchforums, das in der vergangenen Woche in Kassel stattfand.

„Nach einer fast dreijährigen Durststrecke meldet sich die Milchbranche zurück. Denn das Preisniveau steigt wieder“, sagte VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer. Und es gebe handfeste Indizien dafür, dass es sich dabei keinesfalls um ein Strohfeuer handle.

Der Milchpreis habe sich in den vergangenen Monaten bereits deutlich stabilisiert; der Dezemberwert 2016 bewegte sich um satte 13 Prozent über dem Vorjahresniveau. „Die gute Botschaft lautet: Der Milchpreis wird im Laufe dieses Jahres auf Vorkrisenniveau steigen und sich bei 35 bis 40 Cent pro Kilogramm einpendeln. Magermilch und Butter sind die ersten Frühindikatoren“, sagte Dr. Torsten Hemme, Direktor des Kieler IFCN Dairy Research Center. Die „Wachstumsstory der Milchbranche“ werde sich fortsetzen. Man müsse allerdings lernen, dass sich die Märkte zyklisch verhalten. „Der nächste Preiszyklus mit Hochphase wird im Übergang zum kommenden Jahr starten“, prognostizierte der Milchmarktexperte.

Europa wird größter Milchproduzent der Welt

Doch das ist noch längst nicht alles. Innerhalb der nächsten zehn Jahre erwartet Hemme ein starkes Wachstum der globalen Milchproduktion um 200 Millionen Tonnen. „Das entspräche dem Zweieinhalbfachen der aktuellen US-amerikanischen Jahresproduktion. Europa dürfte davon am meisten profitieren und in den kommenden Jahren zum größten Milchproduzenten der Welt werden“, sagte Hemme.

Die globale Entwicklung kommt, so die Expertenrunde, in erster Linie innovativen Betrieben zugute. Denn moderne Agrartechnik erhöht die Prozesseffizienz auf dem Acker und im Stall ganz erheblich.

Digitale Vernetzungslösungen, die den Fokus auf jedes einzelne Tier legen, wirkten „buchstäblich als Effizienzverstärker“. Damit lasse sich das Ertragspotential und die Aktionsfähigkeit eines Milchviehbetriebs überaus günstig beeinflussen.

Vernünftiges Risikomanagement unverzichtbar

Diese für die heimische Landwirtschaft ausgesprochen erfreulichen Aussichten sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Volatilität der Milchmärkte weiter an Brisanz gewinnt. Um auch in Zukunft sicher navigieren zu können, müsse „unser Frühwarnsystem aktiviert bleiben“.  Die Erlösentwicklung der Betriebe, deren Stimmungslage, aber auch der Fortgang des Strukturwandels und der Zugang zu Finanzmitteln seien unter den Bedingungen schwankender Milchmärkte entscheidende Indikatoren.

„Erzeugerpreise langfristig abzusichern, also ein vernünftiges Risikomanagement zu betreiben“, sei insofern eine zunehmend wichtige Aufgabe, „nicht nur für Molkereien, sondern auch für die Landwirtschaft selbst“, sagte Florian Hildebrandt, Analyst und Milchmarktexperte beim Börsen- und Handelsmakler H. J. Kiefer. Milchviehhaltern sei es dadurch möglich, einen zukünftigen Preis abzusichern. Dabei verkauft der Landwirt einen bestimmten Teil seiner Produktion kontraktgebunden über die Börse.

„Zur Absicherung kann bis zu 18 Monate in die Zukunft gehandelt werden“, resümierte Hildebrandt.

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