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landtechnik

Mit Monitor motormähen

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Helmut Süß, Wochenblatt
am
03.08.2017

Lenggries - Sein über Funk ferngesteuerter Motormäher kann per Kamerasystem exakt ge­steuert werden, aber Jakob Rauchenberger hat noch mehr zu erzählen.

Mäher, Motormäher, ferngesteuert

Bei dem internationalen Grünlandtag in Rodeneck (Südtirol) hatte der Landwirt Jakob Rauchenberger eine besondere Weltneuheit im praktischen Einsatz vorgeführt: Der funkgesteuerte Köppl-Motormäher konnte auch ohne direkten Blickkontakt per Kamera-system exakt gesteuert werden. Rauchenberger arbeitet seit Jahrzehnten schon daheim mit Motormäher bzw. Motorschwader von Köppl. Die renommierte niederbayerische Firma bietet u. a. eine vollfunktionsfähige Funkfernbedienung an. Rauchenberger sollte das im Auftrag der Firma Köppl bei der Maschinenvorführung in Rodeneck vorstellen und hatte das mit einer Kamera erweitert. Nach dem Erstkontakt in Rodeneck hat das Wochenblatt den Tüftler aus Lenggries daheim besucht, um weitere Einzelheiten zu erfahren. Der 58-jährige Rauchenberger wollte nicht „mehr oder weniger“ nahe neben dem Motormäher herlaufen, um ihn per Funk zu steuern.  Seine Idee: Man müsste das doch über ein Kamerasystem auch möglich machen. Er hatte vor einem Jahr eine Oktokopter-Drohne mit Kamera erworben, um seine Kühe auf der Alm leichter zu finden, da er seit 30 Jahren keine Kuhglocken mehr verwendet. So nutzt er diese 4K-Kamera (sie ist in alle Richtungen frei beweglich und schwingungsgedämpft) auch fürs Mähen und montierte sie an den Motormäher mit 3,1m Arbeitsbreite. Über den Überwachungsbildschirm der Drohne empfängt er ein exaktes Bild, wie wenn er selbst hinter dem Motormäher stehen würde.  So hat er das Köppl-Funkbedienerpult und das Drohnen-Steuerungspult mit integriertem Monitor kombiniert: „So habe ich das Live-Bild von der zu mähenden Fläche und steuere den Mäher mit der Fernbedienung. Dabei hat das Köppl-System alle Funktionen auf die Fernbedienung gelegt: Vorwärts-, rückwärtsfahren, wenden, Messerbalken ein oder aus und so weiter.“ Rauchenberger ist stets in enger Abstimmung mit der Firma Köppl. So will das Unternehmen diese Art der Live-Bild-Funk-Fernbedienung möglichst bald zur Serienreife bringen. Dazu meinte Rauchenberger: „Ich sage es überspitzt – ich kann mit meinem alkoholfreien Weißbier auf dem Hochstand sitzen und steuere den Motormäher unten über die Kamera beziehungsweise per Funk.“  Eine wirklich elegante Lösung. Dabei betont Rauchenberger: „Bei Funkfernbedienung ist es wichtig, dass alle Funktionen am Motormäher auch per Funk steuerbar sind. Nur so kann man eben auch wenden.“ Eine automatische verschiebbare Achse mit Neigungssensor ist dabei ebenso entscheidend. 20 mm sind Minimum und am Hang braucht man mindestens eine 6-reihige Stachelwalze, so Rauchenberger: „Gut finde ich am Köppl-Gekko, dass er keine Seilzüge mehr hat. Denn das Ende am Seilzug, die Nippel, reißen früher oder später ab, meist zum ungünstigsten Zeitpunkt.“
Er hat Wiesen mit Steillagen bis zu 50 % Hangneigung, die in sich hügelig sind und nicht mehr mit dem Traktor befahren werden können. Hier habe sich der handgeführte Motormäher bewährt, erzählt Rauchenberger weiter. Dabei hat er seit 2004 nur noch die Marke Köppl. Damals hatte er von Köppl den ersten Hydrostad  bzw. den Prototypen der späteren Köppl-Serie „Berg-Athlet“ zu Testzwecken bekommen. Auch für die Recharbeit setzt er den handgeführten Köppl-Motor-Rake ein.

Kühe extensiv halten

Rauchenberger

Den Hintergraberhof, so der Hausname seit über 200 Jahren, mit 52 ha Wald und 57 ha Grünland bewirtschaften Jakob Rauchenberger und seine Frau Marianne biologisch und bieten erfolgreich Urlaub auf dem Bauernhof an (siehe Kasten). „Bei uns ist kein sinnvoller Ackerbau möglich, deshalb werden die Wiesen und Weiden für Mutterkuhhaltung genutzt. Die Tiere auf meinem Hof werden schon seit 1988 nicht mehr angebunden. Der erste Laufstall im ganzen Umkreis. Ich habe nicht mal 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar. Schon früh war mir klar, dass ein Streben nach immer mehr Tieren bei Weltmarktbedingungen für uns nicht machbar ist.“ So hat Bauer Jakob Rauchenberger die eigene Quote 1997 verkauft und mit dem Geld die „Urige Hütte“ ausgebaut: „Eine meiner besten betriebswirtschaftlichen  Entscheidungen bisher!“ Er hat sich bewusst entschieden, die Tierhaltung sehr extensiv zu betreiben. „Mit geringem Aufwand nur das ernten, was die Natur freiwillig wachsen lässt. Das hat den Vorteil, dass die Tiere gesund sind, weil sie keine Höchstleistungen erbringen müssen. Trotzdem haben wir natürlich keinen Gnadenhof, das heißt, dass der bestehende Tierbestand in etwa gehalten wird. Neu geborene Tiere werden nach einer Zeit auch wieder weiterverkauft.“
Seine alten MB-Trac-Traktoren haben bereits alle weit über 30 000 Betriebsstunden erreicht und sind seine wertvollen Helfer. Er ist leidenschaftlicher MB-Trac-Fahrer: „Der MB-Trac ist der einzige bezahlbare Traktor, der trotz fest aufgebauter Doppelseilwinde uneingeschränkt für landwirtschaftliche Arbeiten zur Verfügung steht. Und ich kann vieles noch selber reparieren.“ Der Wald ist über die nahen Berge verteilt, es sind fast immer Streifen vom Tal bis zu den Almen oder Bergkämmen. Auch die Wälder bewirtschaftet er alleine. Beim Großteil der Flächen kann er bis auf 210 m Seillänge zu den Bäumen hinfahren, der Rest wird dann extern vergeben.
 

Die Natur erhalten

Zum Bauernhof gehören auch zwei große Hochmoore. Hier gewinnen die Rauchenbergers die Einstreu für die Wintermonate. „Um keine Fahrspuren zu generieren, können diese Flächen auch nur mit Hand oder handgeführten Maschinen bearbeitet werden. Solche Flächen sind in Naturschutzprogrammen mit entsprechenden späten Schnittzeitpunkten. Dort leben zwei wirklich seltene, fast ausgestorbene Arten: Die Hochmoormosaikjungfer – eine Libellenart – und die Quellbergschnecke. Neben den Weiden, die ein Stück hinter dem Bauernhof liegen, grasen die Tiere auch die zwei eigenen Almen wechselweise ab“, berichtet er.
Für die nächste Zukunft hat Jakob Rauchenberger noch weitere Ideen: „Ich plane eine Heutrocknung für die Rundballen beziehungsweise eine Lattenrosttrocknung fürs lose Heu. Ich will Folien vermeiden, zudem stinkt Silage einfach – auch aus Rücksicht auf meine Urlaubsgäste. Außerdem lassen sich getrocknete Heuballen von Almwiesen mit vielen Kräutern sehr gut verkaufen.“

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