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Gülle ausbringen

Der Pflanze ins Maul düngen

Fliegl-Gülletechnik
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
24.05.2017

Triesdorf - Mais oder Grünland effizient mit Güllenährstoffen versorgen und das schlag­kräftig und mit geringem Bodendruck – der Tries­dorfer Gülletag hat diese Schlag­worte sehr gut mit fachlichem Inhalt gefüllt und auch Techniklösungen gezeigt.

Dass der Triesdorfer Gülletag den Besuchern die Gelegenheit gibt, sich umfassend zu informieren bzw. Techniklösungen selbst im Praxiseinsatz zu begutachten, hat sich auch in diesem Jahr wieder mit über 800 Teilnehmern eindrucksvoll bestätigt.
Zunächst skizzierte Norbert Bleisteiner, Leiter der Landmaschinenschule Triesdorf, kurz den aktuellen Sachstand bei der Düngeverordnung (siehe Wochenblatt, Heft 17, Seite 42). „Die Nährstoffe in organischen Düngern müssen zukünftig innerhalb kurzer Zeit gezielt in den Boden oder an die Pflanze gebracht werden, wobei sowohl der Boden als auch der Geldbeutel geschont werden sollen, das ist die zukünftige He­rausforderung“, hob Norbert Bleisteiner in seinem Fachreferat hervor. In der betrieblichen Umsetzung müsse man seine individuellen Hausaufgaben machen. „Was muss zuerst gelöst und umgesetzt werden?“, fragte Bleisteiner und stellte sein sogenanntes Ranking mit folgenden fünf Punkten vor:

  1. Die Sperrfristverlängerung bedeutet, man braucht Lagerraum für sechs bzw. neun Monate.
  2. Die Stickstoff-Obergrenze von 170 kg/ha bzw. 60 kg/ha im Herbst sind einzuhalten. Das bedeutet eine Begrenzung der Überschüsse  von N und P.
  3. Eine Nährstoffeffizienz sollte aufgrund standardisierter Düngebedarfsberechnung erreicht werden.
  4. Eine Dokumentation der Stoffstrombilanzierung muss erfolgen.
  5. Schließlich ist die Technik an die Anforderungen bodennah und streifenförmig anzupassen.

Praxisnahe Umsetzung

Auch wenn es den „Bayerischen Weg“ im Bereich Gülleverordnung so noch nicht gibt bzw. beschlossen wurde, wird das Thema Gülle und Gülleverordnung und deren Umsetzung innerhalb der Politiker bzw. im Ministerium heiß diskutiert. Manuel Westphal (CSU) sitzt im Landtag für die Region Ansbach-Süd, Weißenburg-Gunzenhausen und versuchte, diesen möglichen „Bayerischen Weg“ beim Gülletag aufzuzeigen. Es gibt folgende Ausgestaltungsmöglichkeiten der Düngeverordnung durch den Freistaat Bayern:

  • Festlegung der „roten“ Gebiete,
  • Festlegung von zusätzlichen Auflagen in roten Gebieten,
  • Ausnahmen bei der Ausbringung von organischen Dünger bei natürlichen/agrarstrukturellen Besonderheiten und
  • Entlastung der Betriebe in wenigen belasteten Gebieten,
  • Sonstige begleitende Maßnahmen z. B. Wasserpakt in Bayern.

Neben einer umfangreichen Information für die Landwirte will man laut Westphal eine praxisnahe Auslegung der Düngeverordnung. Insbesondere die Beratung durch Lfl und den ÄELF sowie zusätzliche Wasserberater stehen dabei im Vordergrund, aber auch unterstützende EDV-Programme. In Sachen Gewässerschutz  könnten zusätzliche Gelder für das Kulap bereitgestellt werden. Auch möchte man einen Wasserpakt mit einem konkreten Maßnahmenpaket schnüren nach dem Motto: Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht. Damit wolle man auch eine entsprechende positive Außendarstellung erreichen.

Güllekalender

„An der Landmaschinenschule Triesdorf ist man seit Jahren daran, die veränderten Rahmenbedingungen im Bereich Gülle und Gärrestausbringung praxisnah zu analysieren und Lösungsansätze zu erarbeiten. Ein aktuelles Ergebnis ist der Güllekalender“, so Michael Tröster von der Landmaschinenschule. Dieses fertige  Exel-Programm kann man ab sofort von der Triesdorfer Homepage runterladen. Schritt für Schritt stellte Tröster den Besuchern das Erstellen eines Gülleausbringkalenders mit konkreten Zahlen vor. Das Modell will rechnergestützt Hilfestellung dazu geben, um die jährlich anfallende Gülle optimal im Vegetationsablauf auszubringen. Mit einbezogen ist die Güllelagerkapazität, d. h. am Ende des Jahres sollte die Grube leer sein. Auch sind die in der Düngeverordnung verankerten Obergrenzen zu beachten. Aber auch noch weitere Restriktionen werden beim Triesdorfer Modell miteinbezogen: der pflanzenbaulich optimale Ausbringzeitpunkt, Fruchtfolge, natürlich die einzuhaltenden Sperrfristen sowie die maximale Ausbringkapazität bzw. das verfügbare Zeitfenster zur Gülleausbringung.
Markus Heinz (Leiter der Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen Triesdorf) stellte die Frage: Ist bei der Düngung schon alles wirklich smart? „Zu den zukünftigen Anpassungsstrategien beziehungsweise Lösungsansätzen gehören kulturspezifische Planung und Düngung. Separierte Gärreste werden zukünftig an Bedeutung gewinnen, erfordern aber Anwendungsversuche“, so Heinz weiter: „Die eingeschränkte Möglichkeit der Phosphordüngung erfordert neue Düngungsstrategien. In punkto Effizienz ist zukünftig eine Kenntnis der Inhaltstoffe von zentraler Bedeutung.“ Er verwies dabei auf die Nah-Infrarot (NIR) Technologie. „Das ermöglicht eine optimale Nährstoffversorgung bei begrenztem Nährstoffangebot vor allem in Kooperation mit Ackerbaubetrieben. Schließlich ist ein Qualitätsnachweis für Wirtschaftsdünger ebenso wichtig wie eine nährstoffbasierte Abrechnung sowie entsprechende Dokumentation laut der Verbringungsverordnung.“

Umrüstlösungen

Triesdorf hat eine sehr hohe Kompetenz im Güllebereich. So kommen viele Anfragen aus der Praxis. Franz Helmle organisiere nicht nur die Technikvorführung am Gülletag, sondern er berichtete über die Möglichkeiten, bestehende Güllefässer umzurüsten: „Als erstes ist die Freigabe für die Umrüstung vom Fasshersteller einzuholen und zuerfragen. Ist der Rahmen für zusätzliche Gewichte ausgelegt? Ist die Achsposition anpassbar – Stichwort negative Stützlast? Welche Anbauteile sind nötig? Wird das zulässige Gesamtgewicht  beim vollen Fass überschritten? Weitere wichtige Punkte sind Gesamthöhe, Reifenhöhe, Fasslänge oder Wenderadius zwischen Schlepper und Fass“, zählte Helmle auf. „Aber auch wenn ein Nachrüsten nicht möglich ist, kann man das Fass als Zubringer mit Andockvorrichtung verwenden.“

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