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Bodenschonung

Plattfuß mit System

PöttingerTransport Torro
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Helmut Süß, Wochenblatt
am
20.03.2018

Das Ziel ist, den Bodendruck zu verringern. Ein Trend dazu sind Reifen ohne Luft. Wir stellen Systeme zur Effizienzsteigerung von Transportfahrzeugen vor.

Reifen sollen bodenschonend im Feld sein, hohe Geschwindigkeiten auf der Straße ermöglichen und dabei noch eine möglichst lange Lebensdauer aufweisen sowie hohe Lasten tragen können. Wie soll dieser technische Spagat möglich sein? Grundsätzlich sind die Reifen bzw. Raupenfahrwerke das Bindeglied zwischen Traktor und Bodenoberfläche.

Bei den Raupenfahrwerken gab es in letzter Zeit einige Neuerungen wie gefederte Raupenfahrwerke (Fendt 900 MT bzw. Claas Axion mit TerraTrac) oder Halbraupensysteme (Case IH Magnum RowTrac bzw. NewHolland T8 SmartTrax). Auch die Reifenhersteller versuchen, immer besser angepasste Pneus zu entwickeln: Neue Reifenbauarten, Reifen mit flexiblen Seitenwänden (IF: Improved Flexion und VF-Technologie: Very High Flexion) oder noch größere Reifendurchmesser sowie der Kontakt zwischen Reifen und Felge wurde vergrößert. So wird versucht, das Dilemma zwischen den unterschiedlichen Anforderungen auf dem Acker und auf der Straße zu lösen.

Reifen ohne Luft

Sensoren überwachen die Temperatur und regeln den Reifendruck

Einen ganz neuen Weg ging bereits 2015 Mitas mit dem PneuTrac, ein Reifen ohne Luft oder Plattfuss mit System. Wer schon mal einen Plattfuß beim Auto oder Traktor erlebt hat, weiß, dass hier Fahrkomfort und Lenkbarkeit etc. extrem leiden. Ganz anders beim System PneuTrac. Er hat keine herkömmliche Flanke, sondern einem Steg in der Mitte der Lauffläche. Das bewirkt eine hohe Seitenstabilität. Der Reifen macht sich lang und soll im Feldeinsatz den Radschlupf deutlich reduzieren. Der neue Eigentümer von Mitas Trelleborg will nun das PneuTrac-Konzept weiterentwickeln.

Der Reifen soll die Vorteile von landwirtschaftlichen Radialreifen mit einer traktionsstarken Lauffläche verbinden. Aber statt Ackerbau und Straße – wie ursprünglich geplant – stellt sich Trelleborg als Einsatzgebiet steile Weinberge und Obstplantagen vor. Außerdem neu auf der Agritechnica 2017 war der ConnecTire von Trelleborg, ein sensorgestütztes intelligentes Rad, über das Daten an verschiedene Systeme übermittelt werden können und das das Risiko des Reifenschlupfs auf der Felge verringert. ConnecTire überwacht kontinuierlich Reifendruck und Temperatur und überträgt die  Werte an den Traktor bzw. an den Hauptrechner des Betriebs.


Ein Überraschungsthema zur Agritechnica 2017 war die Übernahme von PTG und Teleflow (Anbieter für Reifenregeldruckanlagen) durch Michelin. So wurde das französische Unternehmen zum führenden Anbieter von Reifenregeldruckanlagen bzw. zum Komplettanbieter für Bodenschonung. Denn Michelin ist mit der Ultraflextechnologie Vorreiter bei Reifen mit niedrigem Innendruck. So macht auch der vorgestellte EvoBib mit der 2-in-1-Technologie nur im Zusammenspiel mit einer Reifenregeldruckanlage Sinn. Hoher Fülldruck auf der Straße sorgt für mehr Stabilität und Sicherheit. Im Feld mit niedrigem Fülldruck wird der EvoBib zum bodenschonenden, traktionsstarken Breitreifen. Zudem bietet Michelin den Roadbib. Der spezielle Traktorreifen wurde mit und für Lohn­unternehmer konzipiert, die viel auf Straßen unterwegs sind.
Der Reifenhersteller ATG präsentierte mit seiner Marke Alliance den neuen 389VF. Der Flotationsreifen mit VF-Technologie (Niederdruckreifen mit sehr flexiblen Flanken) eignet sich für Anhänger oder Feldspritzen. Die Kombination aus VF- und Flotationseigenschaften sorgt für eine noch bessere Bodenschonung – vor allem, wenn Schlepper und Anhänger mit den Reifen ausgerüstet sind. So kann die gleiche Last mit einem um 30 % niedrigeren Luftdruck transportiert werden, was Bodenverdichtungen verhindert.


Einen beachtenswerten Messeauftritt hatte der Reifenhersteller Continental. Die neuen Premium-Radialreifen Tractor70 und Tractor85  sind durch extreme Robustheit und Strapazierfähigkeit gekennzeichnet und gewährleisten gleichzeitig ein hohes Maß an Fahrkomfort, Bodenschonung und Traktion. Sie verfügen über eine neuartige Wulsttechnologie und bestehen aus innovativem Nylonmaterial. Continental stellte zudem erstmals Raupenketten vor, die mit Sensortechnik in den Laufflächen ausgestattet sind. Mit ihrer Hilfe kann die Temperatur der Gummiraupenketten gemessen und überwacht werden. Dieses Monitoring soll helfen, die Lebensdauer und die Effizienz der Komponenten zu verlängern sowie Reparaturkosten zu vermeiden.


BKT stellte den neuen Reifen FL 637 vor, der für Anhänger und Tankwagen entwickelt wurde. Das richtungsgebundene Laufflächendesign soll eine sehr gute Flotation und Traktion gewährleisten, während die Stahlbandstruktur eine größere Beständigkeit mit mehr Tragfähigkeit, geringen Rollwiderstand mit sehr guten Selbstreinigungseigenschaften bietet. Auch Vredestein hat in Hannover einen neuen VF-Schlepperreifen vorgestellt, den Traxion Optimall. Er kann bei hohen Lasten mit niedrigen Reifendrücken gefahren werden. Laut Firmenangaben hat der neue Reifen eine um 15 % vergrößerte Aufstandsfläche gegenüber vergleichbaren, bisher auf dem Markt befindlichen VF-Reifen (bei gleichem Fülldruck). Der Schlupf soll sich so um bis zu 5,5 % reduzieren lassen. Schließlich hat Bridgestone den VT-Combine für Erntemaschinen neu im Programm. Dieser soll hohe Tragfähigkeit und Stabilität mit hervorragender Traktion sowie Flexibilität und Komfort verbinden.  

 

Flexibler und effizienter

Rege Entwicklungsaktivitäten gab es auch im Bereich der Transportanhänger. Zur besseren Auslastung der Transportkapazitäten oder zur Vermeidung von Leerfahrten werden zunehmend Zweinutzungsanhänger für Schüttgüter und Flüssigstoffe eingesetzt.
Die Firmen Exeler und Huesker bieten mit Liquid-X-Liner bzw. Flexcover Combi Plus flexible PVC-Tanksysteme für den Einbau in Muldenkippern an. Bei Huesker sind Pump- und Zuleitungstechnik sowie der aufgerollte PVC-Sack in einer demontierbaren Heckklappe untergebracht.

Gegenüber Kombifahrzeugen mit geometrisch festen Ladebereichen sollen die Nutzlastvorteile von rund zwei Tonnen erreicht werden. D-TEC präsentierte mit dem Flexliner einen Kippauflieger mit torsionssteifem Chassis-Zentralrohr anstelle der üblichen doppelten Profil-Längsträger. Dadurch soll die Umsturzgefahr beim Aufkippen vermindert werden. Mit dem Tridem-Achsaggregat mit zwei gelenkten Achsen lassen sich zudem Beschädigungen an Hofplätzen bei engen Wendemanövern vermeiden. Kröger präsentierte mit Smart Lock eine hydraulische Zentralverriegelung für die Seitenbordwände von Dreiseitenkippanhängern. Nicht nur das Öffnen, sondern auch das Schließen der Bordwände kann damit vom Traktor aus ferngesteuert werden, der Fahrer braucht nicht mehr abzusteigen.
Angetriebene Achsen für Transport- und Arbeitsanhänger bleiben weiterhin ein Thema. PGAC bietet z. B. mit Torque Assist einen stufenlos verstellbaren hydrostatischen Hilfsantrieb an. Der Axialkolbenmotor wird über die Traktorhydraulik mit Öl versorgt, sein Abtriebsdrehmoment wird über ein Planetengetriebe mit Freilauf auf die Räder übertragen.
Elektronische Fahrerassistenzsysteme etablieren sich zunehmend auch bei Transportanhängern. Pöttinger hat ein Sicherheitssystem für Ladewagen entwickelt, das neben Fahrgeschwindigkeit und Fahrtrichtung neu auch die Seitenneigung erkennen kann. Die Nachlauflenkachse wird damit nicht nur beim Rückwärtsfahren oder ab einer programmierbaren Vorwärtsfahrgeschwindigkeit automatisch gesperrt, sondern zur Verbesserung der Spurstabilität auch beim Fahren in Schräglage am Hang. Der Fahrer kann zudem einen Schwellenwert für die maximale Seitenneigung festlegen, um ein Warnsignal zu erhalten, wenn diese überschritten wird.

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